Kampfszene: Auf der Freilichtbühne in Dasing ist „Action“ angesagt. Wie hier, als Old Shatterhand (Helmut Urban), Sam Hawkins (Michael Englert) aus der Patsche hilft.
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Kampfszene: Auf der Freilichtbühne in Dasing ist „Action“ angesagt. Wie hier, als Old Shatterhand (Helmut Urban), Sam Hawkins (Michael Englert) aus der Patsche hilft.
Stilecht im Sattel Seite an Seite: FT-Mitarbeiterin Claudia Bauer ließ sich nicht zweimal bitten als Winnetou, alias Matthias Nawo, sie hoch zu Pferd durch die Kulissen führte.
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Stilecht im Sattel Seite an Seite: FT-Mitarbeiterin Claudia Bauer ließ sich nicht zweimal bitten als Winnetou, alias Matthias Nawo, sie hoch zu Pferd durch die Kulissen führte.
Große Geste: Nawo bringt auf der Freilichtbühne die Präsenz eines Indianer-Häuptlings mit.
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Große Geste: Nawo bringt auf der Freilichtbühne die Präsenz eines Indianer-Häuptlings mit.
Ein Herz und eine Seele: Winnetou-Darsteller Matthias Nawo hat, ähnlich wie die Romanfigur von Karl May, ein besonderes Verhältnis zu seinem Pferd Grizzly.
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Ein Herz und eine Seele: Winnetou-Darsteller Matthias Nawo hat, ähnlich wie die Romanfigur von Karl May, ein besonderes Verhältnis zu seinem Pferd Grizzly.

Besuch bei Karl-May-Darsteller Matthias Nawo 

Winnetou lebt – teilweise in Kirchdorf

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Seit 14 Jahren spielt Matthias Nawo aus Kirchdorf die Hauptrolle bei den Karl-May-Festspielen in der Westernstadt Dasing bei Augsburg. Das FT hat ihn dort besucht. Für einen Ausritt mit Winnetou – und was für einen.

Kirchdorf/Dasing Goldy freut sich gerade über die Pause mit Heu. Gemütlich zupft er eine Portion aus dem Netz und schnaubt. „Das ist deiner“, sagt Matthias Nawo lachend und versichert, dass Goldy ein erfahrenes Filmpferd ist und „alles mitmacht“. Also dann, rauf aufs Pferd, wann hat man schon einmal die Gelegenheit mit dem legendären Winnetou, Häuptling der Apachen, einen Ritt durch den Wilden Westen zu unternehmen.

Auch wenn nach dem schrecklichen Brand im vergangenen Jahr vieles von der Westernstadt schlichtweg nicht mehr existiert – die kleine, aber feine Festspielarena steht noch.

Das Reiten lernte Matthias Nawo innerhalb weniger Wochen 

Das ist der Ort, an dem Matthias Nawo viel Zeit verbringt, spielt er doch seit 14 Jahren die Hauptrolle in den Karl-May-Stücken. Es ist Samstagnachmittag und um 16 Uhr beginnt die nächste Vorstellung. Der 36-jährige ist daher schon im Indianer-Kostüm und sitzt lässig und selbstverständlich auf seinem Pferd. 

Dabei hatte er früher mit dem Reiten gar nichts am Hut gehabt. Früher, also bevor er zu Winnetou wurde. Da musste er natürlich reiten lernen. „Das war echt hart“, erinnert sich Nawo und muss lachen. Denn als damals die Rolle neu besetzt werden musste, weil der ursprüngliche Schauspieler erkrankt war, hatte der Hauptdarsteller nur wenige Wochen, um sich darauf vorzubereiten.

Und reiten wie ein Indianer gehörte da natürlich dazu. Saukalt sei es gewesen im Februar 2004 und ihm hätten anfangs alle Muskeln wehgetan, denn es stand täglich mehrstündiger Unterricht auf dem Programm. „Aber überraschenderweise fiel es mir irgendwie leicht mit dem Reiten.“ 

„Ich bin in der Westernstadt aufgewachsen“

Gelernt hat er die besondere Methode des Rai-Reitens, benannt nach dem Pferdeflüsterer und Gründer der Westernstadt Fred Rai. Dessen Geist weht auch heute noch durch die Karl-May-Kulisse und alle scheinen voller Zuneigung und Bewunderung für ihn zu sein. 

Für Nawo sind die Menschen im Freilichttheater seine Familie. „Ich bin hier aufgewachsen“, sagt er, denn sein Vater ist Lex Randy, einst Geschäftsführer der Westernstadt sowie Lasso- und Wild-West-Künstler. Und dieses familiäre Gefühl, diesen Zusammenhalt genießt Matthias Nawo sehr.

Nach dem Brand in der Westernstadt geht es wieder aufwärts

Gemeinsam will die Cowboy- und Indianer-Familie die Stadt wieder aufbauen, gemeinsam nach vorne schauen. Deshalb war klar, dass die Festspiele weitergehen, nach dem beinahe alles ein Raub der Flammen geworden war. Und das Publikum dankt es. „Wir waren diesen Sommer fast immer ausverkauft“, sagt Nawo und ist stolz auf das, was man gemeinsam geschaffen hat.

Nach dem kleinen Ausritt gibt es eine Erholungspause in der Stube der Familie „Wilkins“ und damit mitten im Geschehen des aktuellen Stücks „Im Tal des Todes“.

Früher sang der Winnetou aus Kirchdorf in einer Boyband

„Eigentlich war mein Ding immer die Musik“, gesteht Nawo. Und zwar nicht nur irgendwie als Freizeitspaß, nein, einer wie Nawo macht keine halben Sachen. Schlagzeugspielen sei immer sein Traum gewesen als Kind. Aber, er musste erst einmal „ein richtiges Instrument lernen.“ So lautete die Vorgabe seiner Eltern. Flöte, Klavier und dann endlich das Schlagzeug. 

Es kam die erste Boyband daher, in der er mit 16 Jahren der Sänger war. Später studierte er Gesang in Augsburg und ist seitdem mit verschiedenen Musikprojekten auf den Bühnen Europas unterwegs.

Es wundert nicht, dass Nawo auch musikalisch den Western-Mann gibt und mit „Pop-Country“ à la Garth Brooks sein Publikum begeistert. Aktuell nimmt er mit dem Multitalent Dieter Holesch, der schon mit Größen wie Chris de Burgh oder Bully Herbig zusammengearbeitet hat, ein Album auf: deutscher Country mit eigenen Texten und eigener Musik. 

Außerdem hat er eine Physiotherapiepraxis

Das Album soll im Frühjahr 2019 erscheinen. Und zwischen Bühne und Studio arbeitet Winnetou, der Häuptling der Apachen in Kirchdorf ganz bodenständig auch noch als Physiotherapeut in seiner Praxis.

„Meine Eltern kannten das Showgeschäft und wollten, dass ich etwas Gescheites lerne“, sagt er und ist auch froh darum. „Das ist schon gut, wenn man eine Familie ernähren will.“ Papa ist er nämlich obendrein. Und mit Frau und Kindern genießt er seine Freizeit auch gerne Mal im Reitstall bei Kirchdorf. Wie soll es auch anders sein? Ein Häuptling ohne Pferd geht doch nicht.

Drei Fragen an Winnetous Pferd Grizzly alias „Iltschi“

-Bist Du eigentlich nervös vor den Vorstellungen?

Aufgeregt bin ich eigentlich nicht mehr, bin schließlich schon das 2. Jahr als „Iltschi“ auf der Bühne. Aber die Vorfreude, endlich wieder auf die Bühne zu kommen, ist enorm. Vor allem bei den schnellen Galoppszenen, wie zum Beispiel der Verfolgung oder den Angriffen.

-Wie verstehst Du dich mit deinem Kollegen Matthias?

Mit Matthias komme ich prima klar. Freue mich immer ihn zu sehen. Wenn er mir auf der Bühne pfeift, komme ich schnell gerannt, da es für mich natürlich auch ein Leckerli gibt.

-Du hast heuer eine Hauptrolle. Gibt es da nicht Eifersüchteleien unter deinen tierischen Kollegen?

Neider gibt es bei uns zum Glück keine, wir verstehen uns alle sehr gut. Wobei ich mir als Winnetous Pferd besonders Mühe gebe, mit meiner edlen Gestalt, die ich als Araber mitbringe, das Häuptlingspferd zu präsentieren.

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