Bürgerversammlung in Kirchdorf

Zwischen „Juhu“ und „Ooh“

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Sie waren diejenigen, die sich wirklich für Kommunalpolitik und ihre Gemeinde interessieren: rund 50 Kirchdorfer, die auch das CL-Halbfinale nicht davon abhalten konnte, zur Bürgerversammlung in den Oberwirt zu kommen. Motto: Gerlsbeck statt Heynckes, Kirchdorf statt FCB.

Kirchdorf Was für die Bürger ein „Juhu“ sei, habe auch ein „Ooh“ zur Folge. Bürgermeister Uwe Gerlsbeck erklärte den Kirchdorfern, wie es nun weiter gehe mit der Straßenausbaubeitragssatzung – und was das für die Gemeinde Kirchdorf bedeute. Es war der Punkt und das Thema, das Gerlsbeck am Mittwoch bei der Bürgerversammlung am meisten auf den Nägeln brannte. Und dann war da noch all das, was heuer und 2019 an Projekten weitergeführt, angeschlossen oder begonnen werde.

„Pech gehabt“ – das bedeute die Neuregelung in Sachen Straßenausbaubeitragssatzung für die Kommune Kirchdorf. Denn Beiträge von den Anliegern in Helfenbrunn und Schnotting, wo man größere Straßenbaumaßnahmen in Planung habe, gebe es nicht mehr. Das sei zwar gut für die Bürger, aber schlecht für die Gemeinde. Denn weil man zum Beispiel in Helfenbrunn alles fertig geplant und die Gelder in den Haushalt eingestellt, mit den Baumaßnahmen aber noch nicht gestartet habe, bekomme man auch keinen entsprechenden finanziellen Ausgleich vom Freistaat, ärgerte sich Gerlsbeck. Später einmal erhalte man freilich schon etwas: 100 Millionen Euro habe der Freistaat ja an Zuschüssen für ganz Bayern bereitgestellt. Wie er bei einer Tagung des Deutschen Städtetags erfahren habe, bedeute das für Kirchdorf im Falle von Helfenbrunn eine Summe von „deutlich weniger als 50 000 Euro“. Aus Anliegerbeiträgen beziehungsweise aus einem adäquaten Ersatz vom Freistaat hätte man eine schöne sechsstellige Summe erhalten. Finanziell sei das also ein schwerer Schlag für Kirchdorf. Man werde künftig sparsamer sein und an der Qualität sparen müssen. Und: Das einzige Rad, an dem die Gemeinde noch drehen könne, um wieder zu Geld zu kommen, sei die Grundsteuer, sagte der Bürgermeister.

„Pech gehabt“: Uwe Gerlsbeck und die Strabs.

Gerlsbeck hätte sich eine Regelung gewünscht, die die Bürger gerecht und in ganz Bayern gleich betroffen hätte, die auch eine Höchstgrenze bei den Beiträgen beinhaltet hätte. Freilich habe die jetzt gültige Regelung auch einen Vorteil, so Gerlsbeck fast schon sarkastisch: „Wir machen, was wir wollen, denn wir zahlen es ja auch.“

Geld locker – und das nicht zu knapp – macht die Gemeinde beispielsweise für die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED (120 000 Euro), für den neuen Kinderspielplatz Pfarrgarten (180 000 Euro), für das Feuerwehrhaus in Wippenhausen (das bis jetzt 416 500 Euro gekostet hat) oder auch für die Erweiterung des Kindergartens in Kirchdorf um zwei Gruppen. Doch dieses Projekt werde sich noch verzögern, so Gerlsbeck, weil die Ausschreibungsergebnisse bei den Baumeisterarbeiten um 30 Prozent über den geschätzten Kosten lagen. Und weil man schließlich nicht um ein Drittel teurer bauen könne als vorgesehen, habe man per Gemeinderatsbeschluss die Ausschreibung aufgehoben. Eine neue Ausschreibung soll dann bessere Ergebnisse bringen – auch im Wissen darum, dass dies zu einer zeitlichen Verzögerung führt. Und dann ist da noch der Radweg zwischen Kirchdorf und Burghausen, der 1,5 Millionen Euro kosten wird. Gerlsbeck lobte den Landkreis: Der habe sich, was die Beteiligung an den Kosten angehe, „nicht lumpen lassen“. Eine frohe Botschaft: Seit einigen Tagen funktioniert der W-Lan-Hotspot am Rathausplatz.

Fehlende Einnahmen auf der einen, durchaus teure Projekte auf der anderen Seite also. Trotzdem: Kirchdorf mit seinen derzeit 3336 Einwohnern (plus 2,28 Prozent gegenüber dem Vorjahr) steht finanziell gut da: Ende 2017 hatte man nur noch rund 75 000 Euro Schulden, Ende 2018 wird dort eine Null stehen. Gleichzeitig hat man Rücklagen und einen beachtlichen Kassenstand in Höhe von 3,476 Millionen Euro. Florian Haider von der Verwaltung hatte diese und viele andere Zahlen mit in den Oberwirt gebracht.

Nach kurzer Diskussion wollten die Bürger dann aber doch lieber FCB statt Kirchdorf, lieber Heynckes statt Gerlsbeck.

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