Hart zur Sache ging es beim Stück „Popcorn“, hier mit den Darstellern Alexander Kampmeier, Philipp Metzner und Nora Dümig (v. l.). Foto: Lehmann

Knallharte Satire

Freising - Klare Kante, krasse Kontraste zeigen, karikieren, Kontra geben - so stellt man sich junges Theater vor. Genau hier setzte das „Kreative Schauspiel-Ensemble“ (KSE) mit dem Stück „Popcorn“ an.

Das Bühnenbild war ein Glücksgriff. Maske und Kostüme hoben die Züge der Charaktere hervor, verliehen ihnen Gesicht und Seele. Die Linienführung, sie wies nach Hollywood, zeugte von großem Kino und einer egoistischen, verlogenen Gesellschaft. Die Schauspieler tummelten sich vor dieser Kulisse im Stile der Postmoderne. Will heißen: Man ließ tief blicken, ging kompromisslos zu Werke und nahm kein Blatt vor den Mund. Und man verzog dabei bitte schon keine Miene. Zumindest zunächst, bis das Stück angelaufen war und es sich Schauspieler wie Publikum bequem gemacht hatten in einer Satire der bittersüßen, aber doch amüsanten Art. Eine Gratwanderung, der sich das Ensemble stellte.

Die Charaktere traten knallhart auf, niemand fiel aus der Rolle, niemand gab sich eine Blöße. Man konnte sie lieben oder hassen, diese stilisierten Figuren. Ob es nun der schmierige Filmproduzent Karl , der selbstverliebte Regisseur Bruce oder die naive Gangsterbraut Scout waren, alle erfuhren sie eine präzise, pointierte Darstellung. Das Publikum sparte zurecht nicht mit Szenenapplaus. Die Resonanz auf die von Regisseur Philipp Schreyer poppig bis provokant in Szene gesetzte Satire war beachtlich.

Mit einem Paukenschlag ging das Stück „Popcorn“ von Ben Elton schon mal los. In das zweifelhafte Idyll einer Hollywood-Villa platzte ein wild um sich schießendes Gangsterpärchen. Gerade so, als wären „Bonnie & Clyde“ von der Leinwand gesprungen. Nur eben im Hier und Jetzt und als Stadtguerilla verkleidet. „Baff, baff, baff“, feuerten sie fröhlich in die Menge - einfach so. Das hatte etwas von Comic-Strip, von „Batman“ in der Fernseh-Version. Aber das diente nur als Staffage. Denn dann marschierte das Ensemble auf, bis auf „Bruce“ und „Karl“ liefen alle durch und standen Spalier. Auf den seitlich angeordneten Lindenkellerbänken, wie zu Salzsäulen erstarrt. Die Revolverhelden „Wayne“ und „Scout“, besagtes „Bonnie & Clyde“-Pendant, hielten die Waffen bereit.

Von da an hieß es Feuer frei für eine Handlung, die im Filmemacher-Millieu angelegt ist. Alles drehte sich um die Frage, wer Schuld hat an der Zunahme von Gewalt: die Medien oder die Gesellschaft. Wer das verpasst hat, dem bietet sich am Donnerstag, 13. Juni, im Lindenkeller und am Wochenende, 21. und 22. Juni, dann im Furtnerbräu noch einmal Gelegenheit. (af)

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