Schmuckstück: Pfarrer i. R. Ernst Friedrich (l.) und Festreferent Rudolf Goerge zeigen eine kunstvolle Monstranz.

Von Kooperatoren und Nazi-Gegnern

Freising - Seit rund 800 Jahren hat Marzling eine Kirche, doch der Weg zur eigenständigen Pfarrei war lang und schwierig. Vor kurzem feierte die Kirchengemeinde St. Martin „60 Jahre Pfarrei Marzling“ - mit Ausstellung, Festgottesdienst, Stehempfang und Konzert.

Zur Feier des runden Jubiläums hatten sich die Marzlinger einen beliebten und bewährten Festredner aus den eigenen Reihen sichern können. Kreisheimat-Experte Rudolf Goerge unterhielt und informierte mit einem Rückblick von den Anfängen „Marzlingas“, das im Jahre 804 erstmals urkundlich erwähnt wurde, bis hin zum heutigen Pfarrverband Neustift, in dem die St. Martin Marzling mit den Pfarreien St. Peter und Paul Neustift, St. Laurentius Haindlfing und der Kuratie St. Michael Tüntenhausen vereint ist.

Interessante Details wusste Goerge zu vermitteln: „1313: In der Matrikel des Bischofs Konrad III. des Sendlingers wird erstmals eine Kirche in Marzling erwähnt: Demnach sind ,Märtzlingen’ , Altenhausen und Großenviecht Filialen der Pfarrei St. Georg in Freising.“ Seit 1524 weiß man, dass Marzlings Kirche dem heiligen Martin geweiht ist. Um 1715 wird die Kirche unter Fürstbischof Eckher barock ausgestaltet, der Stuck kommt vom selben Meister wie im Freisinger Asamsaal. Abgelehnt wird für Marzling allerdings die Errichtung einer Expositur (mit einem Geistlichen vor Ort) sowohl 1744 als auch 1839. 1868 wird sogar ein „Expositur-haus“ gegenüber der Kirche errichtet, nach einer erneuten Ablehnung „soll es Armenhaus der Gemeinde werden“, berichtete Goerge. Erst 1922 wird der dritte Stadtpfarrkooperator von St. Georg nach Marzling versetzt, 1928 bekommt er ein Pfarrhaus.

„Ein bedeutender Expositus war Carl-Oskar Freiherr von Soden“, erinnerte Rudolf Goerge. Der energische Nazi-Gegner wurde 1936 nach Marzling versetzt, wo er sich vor allem der Jugend widmete: „1940 wird er angezeigt und muss über Nacht vor der Gestapo fliehen“, so Goerge. Noch heute erinnere eine Gedenktafel in der Kirche an von Soden, doch forderte der Festredner „ihm sollte eine Straße oder ein Platz gewidmet werden, wegen seines Einsatzes gegen den Nationalsozialismus.“

1954 war es endlich so weit: Erzbischof Josef Kardinal Wendel „erhebt die exponierte Kooperatur Marzling zur selbständigen Pfarrei“ mit den Filialen Altenhausen, Großenviecht und Rudlfing. Goerge erinnerte auch an den Pfarrherrn, der über 30 Jahre die Pfarrei prägte: In der Amtszeit von Pfarrer Nikolaus Reichl wird 1975 der Kindergarten errichtet, außerdem werden alle Kirchen renoviert. Mit Papier- und Altkleidersammlungen unterstützte Reichl die Missionen in Afrika, Indien und Südamerika, noch heute sammelt dafür das nach ihm benannte Werk. 2005 stirbt Reichl plötzlich in seinem Pfarrhof. Danach wird Diakon Josef Kafko zum Pfarrbeauftragten ernannt, Ruhestandspfarrer Ernst Friedrich versieht die Seelsorge. Das alte Pfarrhaus wird abgerissen und durch ein großes Wohnhaus ersetzt. An der Kirchstraße 9 wird im Jahr 2010 „das neue, geräumige Pfarrheim eingeweiht“, erinnert Goerge.

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