Kostbare Geschenke - vom Papst persönlich

Freising - Es muss wie am Heiligen Abend gewesen sein, an jenem 27. Juni. Da öffnet man im Stadtmuseum ein Paket aus dem Vatikan. Der Inhalt: persönliche Geschenke von Papst emeritus Benedikt XVI. an die Stadt Freising. Eines der Präsente ist von historischer Tragweite.

Am 24. April 2005 hält Papst Benedikt die Predigt zu seinem Amtsantritt. Die hat er zuvor mit Bleistift eigenhändig zu Papier gebracht. Dieses Original-Manuskript ist es, das das Stadtmuseum Freising nun sein eigen nennen darf: Es ist das sicherlich wertvollste und bedeutendste von sechs Geschenken, die der emeritierte Papst der Stadt Freising überlassen hat. Allesamt sind sie besonders, allesamt sind sie persönlich, allesamt spannen sie „den Bogen zwischen dem Träger eines weltumfassenden Amtes und dem Menschen, der dieses Amt bekleidete hat“, wie es Museumsleiterin Ulrike Götz bei der Präsentation der „Geschenke aus Rom“ gestern formulierte.

Papst Benedikt und Freising - das ist eine besondere Beziehung. Hier hat Joseph Ratzinger seinen geistlichen und wissenschaftlichen Weg begonnen, hier war er Erzbischof, hier war er am 14. September 2006 zu Besuch, hier ist er Ehrenbürger. Ein unmittelbares persönliches Zeugnis, ein Gegenstand, der direkt mit dem Papst in Verbindung steht - das fehlte der Stadt bisher noch. Erste Überlegungen, sich um ein solches Exponat zu bemühen, gab es schon länger. Dann kam der Rücktritt Benedikts und dann, Anfang Juni, die Begegnung einer Freisinger Delegation mit dem emeritierten Papst. Dazu noch einige Gespräche und ein Schreiben von OB Tobias Eschenbacher. So landete am 27. Juni ein Paket auf dem Schreibtisch des OB. Absender „Magazzino Privato Santo Padre.“ Aufgeregt, so schilderte Götz, habe man sich an das Auspacken gemacht. Der Karton mit dem Anschreiben Benedikts ist jetzt im Stadtmuseum zu sehen. Und selbstverständlich auch der Inhalt.

Denn was zum Vorschein kam, übertraf alle Erwartungen. Da waren sie: Eineinhalb Seiten, klein und eng in deutscher Sprache, genauer: in einer „sehr individuellen Kurzschrift“, beschrieben. Es ist der handschriftliche Entwurf von Benedikts Predigt zur Übernahme des Petrusamtes - etwas Kostbares, das laut Götz auch „ein großer Vertrauensbeweis“ des Papstes sei. Dazu gehören - typisch für den humorvollen Papst - ein Bleistift und ein Radiergummi, „die ich in letzter Zeit benutzt habe“, wie Benedikt schreibt. Beide, so merkte auch Götz humorig an, „deutsche Qualitätsware“ der Firma Faber Castell. Außerdem im Paket: Benedikts Trilogie „Jesus von Nazareth“ - mit Porträts des Papstes, die ihn zeigen, wie er mit Bleistift und Radiergummi hantiert.

Das fünfte Geschenk ist ein weißer Talar, den Benedikt XVI. während seiner Pontifikatszeit getragen habe. Das sechste Präsent ist ein kleines bronzenes, in Burkina Faso gefertigtes Wappenschild des Papstes - mit Freisinger Mohr und Korbiniansbär. Eines der großen metallenen Wappenschilde, wie sie an Gebäuden der päpstlichen Behörden hingen, war nicht dabei. Noch nicht. Denn auch dieser Wunsch wird, so verriet Götz, bald in Erfüllung gehen. Vielleicht am Heiligen Abend?

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