Ärger und Gelächter

Allershausen: Überwachungskameras an der Jobsterstraße sorgen für Aufregung

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Kranzberg - Die unendliche Geschichte um die Jobsterstraße in Allershausen ist um ein fintenreiches Kapitel reicher. In der Straße, die für den Pkw-Verkehr gesperrt ist, stehen nun Kameras. Der prominenteste Kritiker der Regelung, Anton Hierhager, ist in die Falle gegangen.

Wer diese Straße einmal mit eigenen Augen gesehen hat, kann gar nicht glauben, dass ihr eine so große Bedeutung beigemessen wird. Dass jede Nachrichtensendung mindestens einmal pro Tag davon berichtet, welches Beben in dieser Straße wieder ausgelöst worden ist. Aber es ist nun mal so, dass in diesem schmalen, gerade mal 1100 Meter kleinen Sträßchen der globale Finanzmarkt angesiedelt ist. Deshalb ist die Wall Street in New York so berühmt. Innerhalb des Ampertals hat es auch die Jobsterstraße zu Berühmtheit gebracht. Die Straße im Gemeindegebiet von Allershausen ist zwar kleiner als die Wall Street, und statt der größten Weltbanken befindet sich nur der Kranzberger Gewerbepark in der Nähe. Doch auch die Lokalzeitungen berichten mittlerweile ständig über die nicht mal einen Kilometer lange Straße. Denn seitdem die kürzeste Verbindung zwischen Kranzberg und Allershausen für den Pkw-Verkehr gesperrt wurde, ist sie zum Politikum geworden. Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten mit Radfahrern, weil sich viele Autofahrer nicht an das Verbot halten.

SPD-Rat Hierhager hat unglaubliche Neugikeiten

Anton Hierhager

Einer der prominentesten Kritiker der Sperrung ist der Kranzberger SPD-Gemeinderat Anton Hierhager. Dass seine Amtskollegen in Allershausen inzwischen darüber diskutiert haben, eine Schranke oder andere Abriegelungsmöglichkeiten auf der schmalen Fahrbahn anzubringen, hat ihn besonders auf die Palme gebracht. „Gebt die Jobsterstraße frei“, forderte er in einem von mehreren Leserbriefen an das FT und zitierte dabei sogar den einstigen DDR-Chef Walter Ulbricht. Hierhager war es nun auch, der in der jüngsten Ratssitzung von einer unglaublichen Neuigkeit berichtete: „In der Jobsterstraße stehen jetzt Überwachungskameras – sowohl in Richtung Kranzberg als auch in Richtung Allershausen.“ Auf die Frage von Bürgermeister Hermann Hammerl, ob es sich möglicherweise im Zuge eines Aprilscherzes um eine Attrappe handle, verneinte er. „Die sind echt.“ Damit hatte Hierhager Recht und Unrecht zugleich. Klaus Burgstaller, Geschäftsleiter im Kranzberger Rathaus, greift tags darauf, noch etwas geschafft von der langen Ratssitzung, zum Hörer und wählt die Nummer von Stefan Plabst. Der ist in der Nachbargemeinde unter anderem für die Straßenverkehrssicherheit zuständig. „Habt ihr die Kameras aufgestellt?“, fragt Burgstaller. „Nein“, sagt Plast. – „Okay, dann war es wohl die Kommunale Verkehrsüberwachung?“ – „Auch nicht.“ Gerade, als in Burgstallers Kopf die Fragezeichen aufploppen, sagt der Kollege: „Du, das ist eine Attrappe.“

„Das ist zwar unverfroren, aber top gemacht“

Der Kranzberger muss lachen. Dann schaut er sich die Kamera-Installation selbst an. „Die ist wirklich super gelungen“, berichtet er. „Da hat sich jemand viel Mühe gegeben.“ Die Kameras sind echt, die Warnbake muss der Strippenzieher von der nahegelegenen Brücken-Baustelle entwendet haben. „Das ist zwar unverfroren, aber top gemacht“, findet Burgstaller. Und auch ein Spruch auf dem Hinweisschild, das am Kameramasten angebracht ist, fällt ihm auf: „Bayern mobil – sicher ans Ziel!“ Den Slogan kenne ich doch, denkt er sich und googelt ihn. Er stammt vom Bayerischen Innenministerium. Auch Bürgermeister Hammerl findet den Streich lustig. „Ich hatte ja selbst die Idee, einen ähnlichen Aprilscherz zu starten“, berichtet er. Besser aber hätte er es auch nicht machen können. Sein Allershausener Amtskollege Rupert Popp berichtet genüsslich davon, dass die Attrappen tatsächlich Wirkung zeigen. Er habe Autofahrer beim Anblick der Kameras schon umdrehen sehen. Und auch wenn die Gemeinde nicht hinter dem Streich steckt – eine Satzung dazu würde Popp schon einfallen. Paragraph 1: Nur die Kranzberger werden abkassiert. Paragraph 2: SPD-Gemeinderäte aus Kranzberg zahlen doppelt. Nachdem er von der Attrappe erfahren hat, überlegt Burgstaller hin und her: Soll er den Aprilscherz aufdecken oder nicht? Schließlich schreibt er eine Rundmail an die Kranzberger Räte: „Ein Schmunzler zum frühen Abend im Nachgang zur gestrigen Sitzung: Die Video-Anlage hat irgendein Scherzkeks am 1. April aufgestellt.“ Die Nachricht versieht er mit einem Smiley. Welches Gesicht Hierhager gemacht hat, ist nicht bekannt. Anrufe von Seiten des Freisinger Tagblatts blieben unbeantwortet.

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