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Stand der Dinge: Direkt an die vier Häuser des Schulkomplexes ist die Turnhalle angebaut, der für den Sportunterricht und vom Sportverein genutzt wird. Der Bürgermeister plädiert dafür, im hinteren Bereich des Areals eine neue Halle zu bauen und anschließend die alte Halle abzureißen, um dort ein Gebäue für Mittagsbetreuung und Ganztagsschule hinzustellen. Doch die Mehrheit des Gemeinderats will die Halle an einem anderen Standort.

Wichtige Zukunftspläne

Blockade im Gemeinderat stürzt  Kranzberger Schule in Dilemma

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Etwa 8,9 Millionen Euro würde eine neue Schule plus dringend benötigter Mittagsbetreuung in Kranzberg kosten. Für den Bürgermeister ist klar: Das Geld hat die Gemeinde nicht. Doch die Mehrheit des Gemeinderats blockiert eine Lösung am alten Standort. Wenn sich keiner bewegt, droht Stillstand bis zum Jahr 2032.

Kranzberg – Viel verworrener könnte die Situation gar nicht mehr sein. Da ist eine Grundschule, die eine Mittagsbetreuung für ihre Kinder dringend benötigt. Da gibt es einen Bürgermeister, der sich diese Lösung nur am alten Standort vorstellen kann, weil die Gemeinde alles andere finanziell nicht zu stemmen vermag. Da existiert ein Bürgerentscheid, bei dem sich die Mehrheit ebenfalls gegen einen Neubau ausgesprochen hat. Und da agiert ein Gemeinderat, der eine Lösung am alten Standort derzeit blockiert. Grund dafür ist, und das macht die Sache erst richtig kompliziert, dass es noch um ein anderes Gebäude geht: die Turnhalle.

1. Problem: Wohin mit der Turnhalle?

Um den Knäuel zu entwirren, beginnt man vielleicht am besten mit der Halle. Die befindet sich derzeit auf dem Schulgelände und wird nicht nur für den Turnunterricht, sondern auch vom Sportverein genutzt. Doch das Gebäude ist alt, sanierungsbedürftig und verfügt nicht mehr über die nötigen Kapazitäten. Neue Konzepte gibt es genug. Sie liegen längst in der Schublade des Bürgermeisters. Sie wurden auch bereits vor mehr als zwei Jahren dem Gemeinderat vorgestellt.

Alle Pläne laufen letztlich auf den Neubau einer Halle hinaus. Der große Haken: Über den Standort gibt es gegensätzliche Meinungen. Bürgermeister Hermann Hammerl und seine Fraktion, die FWG, wollen am Schulareal, hinter der bestehenden Halle, eine neue Sportstätte bauen, damit die auch weiterhin für den Unterricht genutzt werden kann. Da, wo jetzt die alte Halle steht, könnte dann eine Mittagsbetreuung für die Schulkinder entstehen.

Das Problem: Der Antrag der FWG wurde von der Mehrheit des Gemeinderats, bestehend aus CSU, KGL und SPD, abgeschmettert – mit hauchdünner Mehrheit: mit 8:7 Stimmen. In einer gemeinsamen Erklärung nannten die Fraktionen die Gründe für ihr Nein: den Schutz der Anwohner, die bei einer neuen, größeren Halle mit einem verstärkten Verkehrsaufkommen rechnen müssten, und die „ungünstige topografische Lage“. Die würde vergleichsweise hohen Baukosten erzeugen, etwa durch den Bau einer Tiefgarage, und für mittelfristige Kapazitätserweiterungen keinen Platz bieten. Fazit der Opposition: „Wir wollen optimale Lösungen, die zukunftsfähig sind und langfristig tragen.“

2. Problem: Der Preis der neuen Schule

Das Nein der Ratsmehrheit, auch wenn sie noch so knapp ist, bedeutet: Die Gemeinde müsste neben dem Neubau einer Halle an einem anderen Standort auch die Generalsanierung der alten Halle stemmen, damit der Sportunterricht noch gewährleistet wird. Aber wohin dann mit der Mittagsbetreuung? Oder: Die Schule müsste mit der Halle mitziehen, wie Hammerl betont: „Denn wenn wir anderswo die Halle errichten, etwa auf dem Grundstück neben dem Kinderhaus Kleeblattl, dann können die Schüler die nicht nutzen, weil der Transfer zu lange dauern würde.“ Im Klartext: Die Gemeinde müsste einen zweiten Neubau stemmen: den der Schule – samt Mittagsbetreuung.

Bürgermeister Hermann Hammerl: „Wir können es uns nicht leisten, eine neue Schule komplett selbst zu zahlen.“

Dafür hat die Gemeinde eine Kostenberechnung in Auftrag gegeben. „Damit die Räte für diese wichtige Entscheidung eine Datengrundlage haben“, wie Geschäftstellenleiter Klaus Burgstaller betonte. Die Zahlen wurden in der jüngsten Sitzung vom Projektmanagement-Büro Stein und Partner vorgestellt wurde. Ausgehend vom Standardraumprogramm kamen die Experten zu folgendem Ergebnis: Eine zweizügige Grundschule in Kranzberg würde zwischen 5,1 und 9,4 Millionen Euro kosten. Darin enthalten ist allerdings noch nicht die dringend benötigte Mittagsbetreuung, deren Kosten zwischen 1,1 und 2 Millionen Euro geschätzt werden. Ergo: Eine neue Schule mit Ganztagsbetreuung kostet zwischen 6,2 und 11,4 Millionen Euro, wobei der Experte Helmut Grepmair in der Sitzung betonten, dass der tatsächliche Preis realistischer Weise in der Mitte liegt: bei rund 8,9 Millionen Euro für Schule und Ganztagsbetreuung. Für Bürgermeister Hammerl ist klar: Das könnte sich die Gemeinde, wenn überhaupt, nur mit Fördermitteln leisten. Doch die wird es, das ist die nächste Krux, so schnell nicht geben.

3. Problem: Hilfe vom Staat gibt es nicht

Die Gründe dafür liegen im letzten Jahrzehnt. Da trug sich die Gemeinde in der Ära von Bürgermeister Robert Scholz schon einmal mit Plänen für eine neue Schule. Doch die wurden 2002 von einem Bürgerentscheid gestoppt. Der Wille der Kranzberger damals: Die alte Schule bleibt. Und so entschied sich der Rat, das bestehende Gebäude zu sanieren und kassierte dafür 2007 entsprechende Fördergelder vom Staat. „Die sind an bestimmte Bedingungen geknüpft“, erklärte Grepmair im Gemeinderat. Etwa, dass der Bestand der bezuschussten Einrichtung für mindestens 25 Jahre gewährleistet wird. Hammerls Fazit: „Wir müssten also eine neue Schule komplett selbst bezahlen, was wir uns sicher nicht leisten können, oder damit bis zum Jahr 2032 warten.“

4. Problem: Für die Schule pressiert’s

Schulleiterin Heike Hartmann: „Wir benötigen dringend geeignete Räume für eine Mittagsbetreuung.“

So viel Zeit aber hat die Schule nicht. „Wir brauchen dringend Räumlichkeiten für die Mittagsbetreuung“, betont Heike Hartmann, Leiterin der Schule. Bisher habe man zwei Schulräume für die Mittagsbetreuung zur Verfügung gestellt. Das sei schon suboptimal gewesen. „Denn in der Mittagsbetreuung dürfen sich die Kinder bewegen, spielen und Krach machen. Da ist es schwierig, gleich nebenan Unterricht durchzuführen.“ 

Dazu kommt ein Trend, der sich seit Jahren zeigt und so schnell nicht abbrechen wird: steigende Schülerzahlen. Bereits im Herbst benötige man die bisher für die Mittagsbetreuung zur Verfügung gestellten Räume dringend für den Unterricht, erklärt Hartmann. „Dazu kommt, dass immer öfter beide Eltern berufstätig sind und die Kinder für eine Ganztagsbetreuung anmelden möchten.“ Zu einer neuen Mittagsbetreuung gibt es für die Schulleiterin nur eine Alternative: einen Aufnahmestopp an der Schule. „Und der ist weder angedacht noch erwünscht.“

Fortsetzung folgt in der nächsten Sitzung

Hammerl hofft, dass die neue Datengrundlage die Räte umdenken lässt. Mit rund 1,5 Millionen Euro rechnen die Planer für den Neubau einer Ganztagsbetreuung am alten Areal. Der Appell des Bürgermeisters: „Lasst uns dieses Geld investieren, dann haben wir eine super Schule.“ Ob sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat wirklich ändern, zeigt vielleicht schon die nächste Sitzung. Denn dann wird die Kostenberechnung für die Generalsanierung der alten Halle vorgestellt. Es bleibt kompliziert.

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