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Bronzezeit Bayern Museum Kranzberg hat neuen Leiter: „Das ist ein Privileg“

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Von: Andreas Beschorner

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Viele Schätze birgt seine neue Wirkungsstätte neben dem Goldfund von Bernstorf. Michael Fritz hat auch ein Auge auf die weniger spektakulären Dinge. 
Viele Schätze birgt seine neue Wirkungsstätte neben dem Goldfund von Bernstorf. Michael Fritz hat auch ein Auge auf die weniger spektakulären Dinge.  © Beschorner

Michael Fritz ist neuer Leiter des Bronzezeit Bayern Museums. In seiner Funktion will er alles andere als eine ruhige Kugel schieben. Er hat große Pläne.

Kranzberg – Es sei ein sehr schönes Museum, er empfinde es als „Privileg“, dort arbeiten zu dürfen. Das sagt Michael Fritz über das Bronzezeit Bayern Museum in Kranzberg, für dessen Betreuung er als Nachfolger von Marion Mendel seit 1. Januar 2022 zuständig ist.

Der neue Leiter ist vom Fach

Fritz ist vom Fach: Der 51-Jährige, der in Zolling wohnt, hat Assyriologie studiert, dazu Völkerkunde und Semiotik, hat in Altorientalistik promoviert und außerdem schon immer auch ein Faible für die Bronzezeit gehabt. Und: Kranzberg und Bernstorf sind ihm wohl vertraut. Fritz ist Mitglied im Förderverein Pantaleonsberg e.V., hat die Geschichte des Museums über den Dächern von Kranzberg schon seit dessen Gründung aufmerksam verfolgt. Jetzt ist Fritz zuständig dafür, dass das Museum läuft. So plant er beispielsweise, mehr populärwissenschaftliche Vorträge auf den Pantaleonsberg zu holen, sobald es die Corona-Lage wieder zulässt. Dabei denkt er nicht nur an Referate über die Bronzezeit, sondern auch an Veranstaltungen über Archäologie grundsätzlich. Selbst hat er – und das dürfte einzigartig sein – im Jahr 2003 beim Archäologischen Verein Freising einen Sumerisch-Kurs gegeben, an dem 30 Interessierte teilgenommen hatten.

Bloß kein akademisches Museum

Fritz hat auch noch andere Ideen, um frischen Wind in das Museum zu bringen. Die müssen aber noch mit dem Förderverein abgesprochen werden. Auf jeden Fall gilt: „Der größte Fehler wäre es, wenn es ein akademisches Museum wäre.“ Als solches sei es ja auch gar nicht angelegt, weiß Fritz, der auf jeden Fall voller Tatendrang ist: „Ich habe nicht vor, hier eine ruhige Kugel zu schieben“, versichert er. Ein Projekt hat er dabei schon für sich und seine eigene Forschungsleidenschaft im Auge: Er habe einen Ordner mit Dokumenten zur Fundgeschichte in Bernstorf gefunden. Und weil er sowohl Manfred Moosauer als auch besonders Traudl Bachmaier, die beiden Finder des Bernstein-Schatzes, gut kennt, liegen ihm die Be- und Aufarbeitung der Dokumente sowie deren Publikation am Herzen.

Keine Zweifel an der Echtheit der Goldfunde

Weil er also Bachmaier und Moosauer kennt, weil er auch in seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit damit beschäftigt ist und weil er jetzt der Mann ist, der für das Bronzezeitmuseum zuständig ist, hegt Fritz auch keine Zweifel an der Echtheit der Goldfunde von Bernstorf. Die manchmal angezweifelte Reinheit des Goldes, die angeblich zu dieser Zeit noch nicht möglich gewesen sei, weshalb die Funde also eine Fälschung darstellten, kann Fritz allein schon dadurch widerlegen, dass das Verfahren der Fermentation schon früher in Babylon und auch in Syrien angewendet worden sein dürfte, worauf schriftliche Quellen schließen ließen. Das Problem: Manche Forschungsresultate, die die Funde als Fälschung erweisen sollten, seien vorschnell und ungeprüft in Medien veröffentlicht worden.

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Den guten Ruf des Museums erhalten, dessen Attraktivität steigern, mehr Menschen für die Geschichte und die Archäologie zu interessieren – dafür ist Fritz jetzt also zuständig. Und da stellt sich selbstverständlich die Frage nach dem „Lieblingsstück“ von Fritz im Museum. Seine Antwort: nicht die Goldfunde, nicht die Bernsteinobjekte, nein. Eine eher unscheinbare Scherbe eines Tongefäßes, die Alfons Berger ausgegraben hat und die den ersten Fund darstellt, an Hand dessen man ganz Bernstorf überhaupt erst der Bronzezeit zuordnen konnte. Man merkt: Da spricht der Fachmann.

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