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Lehmann

Debatte über Integration

CSU-Talk über Flüchtlinge: Auch St. Martin gab nur den halben Mantel

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Hohenbercha - Es sollte nicht um die globalen Themen der Flüchtlingskrise gehen. Nein: Wie kann Integration vor Ort gelingen? Das war die Fragestellung, die sich die Kranzberger CSU beim „Talk in Percha“ am Mittwoch vorgenommen hatte.

Zwei Jahre war er auf der Flucht, ein Jahr musste er in Deutschland auf seine Anerkennung warten. Jetzt kann er endlich Deutsch lernen, hat inzwischen sogar eine Praktikumsstelle gefunden: Mohamad Mousa, Flüchtling, Syrer und Architekt. Er saß auf dem Podium beim Talk in Percha, der von der CSU Kranzberg am Mittwoch im Gasthaus Hörger organisiert und von CSU-Bezirksrat Simon Schindlmayr moderiert wurde.

Und die Frage eines Zuhörers, ob der syrische Architekt denn nicht in sein Land gehen wolle, um es wieder aufzubauen, beantwortete Mousa so: Selbstverständlich wolle er zurückkehren, wenn wieder Friede in Syrien herrsche. Er betrachte den Wiederaufbau seiner Heimat als Pflicht. Bis dahin wolle er sich hier verhalten, wie sich das für einen Gast gehöre.

Dass Akzeptanz und Toleranz auf beiden Seiten Voraussetzung für Integration seien, da waren sich alle auf dem Podium einig. Ozan Iyibas zum Beispiel, der Leiter des CSU-Landesarbeitskreises Migration und Integration. Iyibas sagte aber auch, dass Barmherzigkeit nicht Selbstzerstörung bedeute. Der Heilige Martin habe ja auch nur seinen halben Mantel hergegeben.

Das war dann eher das Metier von Pfarrer und Dekan Anton Erber: Der forderte – ganz im christlichen Sinne –, dass Integration die Begegnung „auf Augenhöhe“ bedeute. Und Erber forderte eine „Abschiebekultur“: Man dürfe auch die Flüchtlinge, die nicht bleiben dürfen, nicht einfach in ein Flugzeug setzen und zurückschicken, sondern müsse ihnen Ausbildung, Wissen & Co. mitgeben, damit sie in ihrer Heimat leben und etwas bewirken könnten. Zeit genug dafür sei vorhanden, sei die lange Phase, in denen Flüchtlinge in Unterkünften auf eine Entscheidung über ihren Status warten, derzeit doch meist verlorene Zeit, wie Sabine Berenbold-Dieck vom Helferkreis für das Containercamp an der Wippenhauser Straße in Freising genau weiß: „Da wird die Aufbewahrung geregelt.“ Integration, Fördern – das beginne erst mit der Anerkennung.

Für Mouza ist der Einstieg ins Berufsleben der „point of change“ gewesen, wie er berichtete. Seitdem habe er das Gefühl, helfen zu können und nützlich zu sein. Seitdem fühle er sich integriert.

Damit das noch viel öfter passiert, wird sich die Mittelstandsunion im Landkreis Freising demnächst mit dem Thema beschäftigen und Möglichkeiten eruieren, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. Dass Integration aber auch nur dann gelingen könne, wenn dasselbe Recht für alle gelte und Wahrhaftigkeit herrsche, betonte Hausherr und Zuhörer Andreas Hörger: Flüchtlinge müssten auch bestraft werden. Ihre Delikte dürften nicht verschwiegen werden. Und man müsse eben ehrlich sagen, „was das alles kostet“.

Iyibas gab Hörger zwar Recht, betonte aber auch: „Rechtsradikale und AfD haben keine Lösungen, sondern nur Propaganda.“ Erber konnte die „diffuse Angst vor Überfremdung“ nicht nachvollziehen. Wenn Fußball-Länderspiele am Karsamstag stattfinden, wenn Burschenvereine am Karfreitag Theater proben – dann seien das die Dinge, durch die wir unsere Kultur und unseren Glauben verlieren.

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