Jubiläumsfeier im kleinen Kreis: Bürgermeister Hermann Hammerl und der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Alfons Berger, enthüllen das neue Schild.
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Jubiläumsfeier im kleinen Kreis: Bürgermeister Hermann Hammerl und der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Alfons Berger, enthüllen das neue Schild.

50 Jahre Partnerschaftsverein Kranzberg - Dun-sur-Meuse: Interview mit Alfons Berger

Feierstunde im kleinsten Kreis in Kranzberg: „Frieden ist selbstverständlicher geworden“

  • Andrea Beschorner
    vonAndrea Beschorner
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Die Gemeindepartnerschaft zwischen Kranzberg und dem französischen Dun-sur-Meuse feiert heuer 50-Jähriges. Wegen Corona leider ohne Fest.

Kranzberg - 50 Jahre existiert die Partnerschaft zwischen der Gemeinde Kranzberg und der französischen Gemeinde Dun-sur-Meuse mittlerweile. Eigentlich war für heuer ein großes Fest geplant. Wie man in Zeiten der Pandemie eine Freundschaft über die Grenzen hinweg aufrecht erhält, welche Hemmschwellen es auch ohne Pandemie zu überwinden gab und wie man 50 Jahre Freundschaft in Zeiten von Corona dennoch gefeiert hat, erzählt der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Alfons Berger, im FT-Interview.

Herr Berger, wie schwer ist es in der momentanen Lage, eine Gemeindepartnerschaft am Leben zu halten?

Es ist natürlich jetzt, in der Coronazeit, schwierig geworden, weil man sich nicht treffen kann. Ich war 2019 zuletzt in Dun, habe erste Gespräche für die Feierlichkeiten zum 50-Jährigen geführt. Und dann war wegen Corona nichts mehr möglich. Es gab keine Besuche mehr – die Pandemie hat Frankreich ja noch kräftiger getroffen, als uns.

Was wäre denn zum 50-jährigen Bestehen der Freundschaft geplant gewesen?

Eine große Feier. Ich hatte dafür schon einiges in die Wege geleitet. Es wäre – wie das Tradition bei den beiden Partnerschaftsvereinen ist – ein Fest in beiden Orten gewesen. Am 1. Mai bei uns in Kranzberg, zu einem späteren Zeitpunkt dann in Dun-sur-Meuse.

Vermissen Sie den Austausch?

Es ist so vieles, das gerade Brach liegt. Wir könnten mit unserer Jugend rüberfahren, mit der Feuerwehrjugend, gemeinsam Sportveranstaltungen organisieren. Da wäre so vieles möglich, was gerade nicht möglich ist. Ich hoffe sehr, dass wir das alles nächstes Jahr nachholen und unser Jubiläum dann groß nachfeiern können. Ob es wirklich so kommt, steht in den Sternen.

Aber es ist nicht nur wegen Corona, dass die Freundschaft nicht mehr so lebendig ist wie früher. Was sind die Gründe?

Dun-sur-Meuse liegt in einer wirtschaftlich schwierigen Gegend, viele sind weggezogen. Zu Beginn unserer Partnerschaft waren es 900 Einwohner, heute leben noch 680 Menschen in dem Ort. Auch die Vorsitzende des Comité wohnt nicht mehr in Dun. Zudem gibt es seit einem Jahr einen neuen Bürgermeister, den ich noch nicht persönlich kennengelernt habe. Aktuell liegt alles auf Eis. Hinzukommt natürlich, dass es in den ersten Jahren in erster Linie um Versöhnung ging. Die Menschen, die es initiiert haben, für die war der Zweite Weltkrieg noch präsent, der Krieg war noch sehr nah, die Aussöhnung ein wichtiges Anliegen. Und heute? Es gibt seit Jahrzehnten keine Grenzkontrollen mehr, die Beziehungen, die Freundschaften sind selbstverständlicher geworden. Der Frieden ist selbstverständlicher geworden. Man kann sich ohne große Hürden gegenseitig besuchen, da hat sich in 50 Jahren viel getan.

Wie lange liegen die letzten größeren Besuche zurück?

Ich war 2014 mit dem Krieger- und Soldatenverein drüben, das war die letzte große Tour. 2016 waren wir mit einer kleineren Abordnung in Frankreich, mit einem Kleinbus, mit zehn Leuten. Das ist auch die Größe, die man auch heute noch gut bewältigen kann.

20 Jahre alt ist dieses Foto: Alfons Berger (2. v. l.) mit seinen Freunden aus Dun-sur-Meuse. Das Bild entstand anlässlich des 30. Jubiläums der Freundschaft. 

War die Enthüllung der Tafel am Kranzberger Dun-sur-Meuse-Platz am 1. Mai ein feierlicher oder ein trauriger Moment für Sie? Haben Sie die Freunde aus Frankreich vermisst?

Zunächst möchte ich sagen, wie bemerkenswert ich es finde, dass diese Partnerschaft nach 50 Jahren noch immer existiert. Und auch, wenn jetzt alles reduziert ist, war es ein feierlicher Moment für mich. Persönlichen, intensiven Kontakt zu Freunden aus Dun habe ich nach wie vor. Deshalb hält sich die Traurigkeit in Grenzen.

Haben Sie die Freunde aus Frankreich an den Feierlichkeiten teilhaben lassen?

Wir werden jetzt die Texte übersetzen und ihnen zusammen mit Fotos rüberschicken – zusammen mit einer Kopie des Schildes, das wir bei uns aufgestellt haben.

Wissen Sie, ob Dun-sur-Meuse dieses Jubiläum auch gefeiert hat?

Das weiß ich nicht. Da lass’ ich mich überraschen.

Wie werden Sie der Freundschaft nach der Pandemie wieder neues Leben einhauchen? Gibt es da schon konkrete Pläne?

Ich bin jetzt 76 Jahre alt und werde nicht mehr als Vorsitzender des Partnerschaftsvereins kandidieren. Eigentlich wären ja schon längst Neuwahlen gewesen, die wurden aber wegen Corona verschoben. Nach 25 Jahren ist es an der Zeit, alles in jüngere Hände zu übergeben.

Und die haben Sie bereits gefunden?

Ja, es wird definitiv weitergehen.

Sind Sie wehmütig deshalb?

Meine Freundschaften zu den Menschen in Frankreich sind nicht an einen Verein gebunden, auch wenn ich sie durch den Verein erst geschlossen habe. Aber ich werde privat meine Kontakte weiterpflegen. Deshalb bin ich auch nicht wehmütig.

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