Die neue Urnenwand dient zugleich als Stützmauer, um die Höhenunterschiede des Geländes zu überwinden. Eben „keine Lösung von der Stange“, wie Landschaftsarchitekt Dietmar Narr bei der Zeremonie betonte. 
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Die neue Urnenwand dient zugleich als Stützmauer, um die Höhenunterschiede des Geländes zu überwinden. Eben „keine Lösung von der Stange“, wie Landschaftsarchitekt Dietmar Narr bei der Zeremonie betonte. 

14 Jahre zwischen Beschlussfassung und Fertigstellung

Friedhofserweiterung Kranzberg: Würdevoll und nicht von der Stange

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Er soll ein Rückzugsort sein, ein Ort der Besinnung. Mit diesem Wunsch sind die Planer der Kranzberger Friedhofserweiterung an die Sache rangegangen. Mit Erfolg.

Kranzberg - Es ist manchmal aufschlussreich, wenn man die Welt durch Kinderaugen sieht. Wer am Sonntag ein bisschen vor der Einweihung am neuen Teil des Kranzberger Friedhofs war, der hörte, was Knirpse zu dem Projekt sagen: Einer bedauerte, dass er jetzt hier nicht mehr Schlitten fahren könne, einem anderen fiel „der goldene Wasserhahn“ am Brunnen auf.  Pfarrer Anton Erber, Bürgermeister Hermann Hammerl und Landschaftsarchitekt Dietmar Narr lenkten bei der Einweihung den Blick der Gäste freilich auf andere Aspekte.

Rückzugsort für Besinnung

Vor der Segnung der Urnenwand und des neuen Friedhofskreuzes verglich Pfarrer Erber in seiner Ansprache das Fallen der Blätter im Herbst mit dem Tod, zitierte dazu ein Gedicht von Rainer Maria Rilke. Aber anders als die Blätter falle der Mensch nicht einfach zu Boden, sondern in Gottes Hand, so die tröstenden Worte des Geistlichen an diesem Ort, der laut Hammerl nicht nur Ruhestätte für die verstorbenen Angehörigen, sondern auch „Rückzugsort für Besinnung und das Gedenken an die Verstorbenen“ sein solle.

Die Gläubigen hatten sich nach dem Gottesdienst auf dem neuen Friedhofsareal versammelt, um der Einweihung durch Pfarrer Anton Erber beizuwohnen. Sitzbänke und andere Kleinigkeiten fehlen noch.

Erster Beschluss wurde 2007 gefasst

Bis man nun an jenem 19. September 2021 den neuen Teil des Friedhofs samt Urnenwand einweihen und seiner Bestimmung übergeben konnte, war es freilich ein langer Weg. Bereits 2007 hatte der Gemeinderat beschlossen, den gemeindlichen Friedhof zu erweitern. Grundstücke wurden erworben, ein Architektenwettbewerb durchgeführt und eine Vorplanung beauftragt. Das Ergebnis: 1,6 Millionen Euro hätte das Projekt gekostet. 2014 und 2015 habe man dann die Friedhofserweiterung in Thalhausen dazwischengeschoben, so Hammerl, 2016 dann das Projekt Kranzberg wieder aufgegriffen. Im März 2017 wurde schließlich das Planungsbüro NRT beauftragt, das bestehende Friedhofsareal zu überplanen, 2018 gab es die erste Entwurfsplanung, 2020 die Werksplanung. Im Januar 2021 wurde dann der Auftrag vergeben. Mit entsprechender „Manpower“, so Hammerl, habe die Firma Gaissmaier in nur fünf Monaten das Werk vollendet – von kleineren Restarbeiten abgesehen.

Die neue Urnenwand ist schlicht und schön

„Wir freuen uns auf jeden Fall auf das nächste Jahr, wenn hier alles grünt und blüht“, so der Bürgermeister. Narr lobte zum einen die „außergewöhnlich gute Zusammenarbeit“ mit Gemeinde und Firma, wies vor allem auch auf die schlichte und schöne Materialität der Urnenwand hin, deren Platten aus Muschelkalk seien. Wichtig sei – und dafür war Narr auch dankbar, weil es sich um einen Ort der Würde handele: „Das ist keine Lösung von der Stange“.

Gesamtkosten: 450 000 Euro

Übrigens: Der Wasserhahn am Brunnen, an dem man die Gießkannen auffüllen kann, ist selbstverständlich nicht aus Gold, sondern glänzt im Sonnenlicht nur gülden. Für 450 000 Euro hätte man keine goldenen Wasserhähne bekommen.

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