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Hoher Besuch im Landkreis

Söder in Kranzberg: "Entscheidung in Sachen Startbahn muss jetzt fallen"

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Kranzberg - Er musste schnell nach Berlin: „Hart, aber fair“ wartete auf Bayerns Finanzminister Markus Söder. Für die Übergabe des Förderbescheids für den Breitbandausbau in Kranzberg gestern Nachmittag reichte die Zeit aber noch. Allerdings nicht dafür, mit den 80 Startbahngegner zu reden.

An den Startbahngegnern fuhr die Ministerlimousine erst einfach vorbei, nahm am Ende des Termins die hintere Ausfahrt. „Feigling!“, riefen die Demonstranten dem Heimatminister, der in ihren Augen ein „Heimatzerstörer“ ist, hinterher.

"Heimatzerstörer!"

Doch auch wenn sich Söder nicht der erbosten Menge stellte, am Thema dritte Startbahn kam er bei seinem Besuch in Kranzberg freilich nicht vorbei. Drinnen, in den Hallen der Firma Müller Apparatebau, äußerte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafen München GmbH durchaus ausführlich: Alle Argumente seien ausgetauscht, im vergangenen halben Jahr habe er auch keine neuen mehr vernommen – weder pro noch contra Startbahn. Söder betonte im Beisein der zwei Freisinger MdL Florian Herrmann (CSU) und Benno Zierer (FW) sowie in Anwesenheit Kranzberger Gemeinderäte und Firmenvertretern, dass er die Argumente der Menschen vor Ort sehr ernst nehme und „respektiere“.

Es gebe, das sei keine Frage, Argumente gegen die Startbahn, aber eben auch viele Argumente dafür. Jetzt müsse eine Entscheidung her – und zwar „so oder so“. Sowohl die Anwohner als auch der Airport müssten endlich längerfristig planen können. Söder verteidigte freilich seine Haltung pro Startbahn: Zum einen sei er als Aufsichtsratsvorsitzender der FMG „fast schon gesellschaftsrechtlich verpflichtet“, für den Ausbau zu sein. Alles andere käme beinahe einer „Pflichtverletzung“ gleich. Zum anderen habe er „wirklich die tiefe Sorge“, dass der MUC nicht mehr ein Flughafen der ersten, sondern der zweiten Klasse werde. Wenn dann wichtige Verbindungen in die USA oder nach Asien wegfielen, dann habe man wirklich ein Problem – und zwar nicht nur in ganz Bayern, warf Söder im Gespräch mit Gemeinderätin Ursula Enghofer den Blick in eine eventuell düstere Zukunft. Dass die Zahl der Flugbewegungen durchaus ein Argument gegen den Startbahnbau sei, dessen ist sich Söder bewusst, wie er gestern sagte. Aber es gehe um die Slots in den Morgen- und in den Abendstunden, fügte er an. Und da „sind wir jetzt schon am Anschlag“. Und noch einer Tatsache war sich Söder bewusst: Es gehe im Kabinett und Landtag nicht nur um die Frage, ob die Startbahn gebaut werden solle. Da sei ja angesichts der Landeshauptstadt München, die sich weiterhin an den Bürgerentscheid gebunden fühle, auch noch die wichtige Frage des Wie. Und dann ließ es sich Söder auch nicht nehmen, über seinen „Chef“ zu reden: Ministerpräsident Horst Seehofer habe „Ihre Argumente schon sehr verinnerlicht“, bestätigte er Startbahngegnerin Enghofer. Das alles konnte freilich die Startbahngegner vor den Zäunen und Toren der Firma Müller und hinter einem rot-weißen Absperrband nicht versöhnen: „Söder abschieben!“, riefen sie. Oder auch: „Söder, wir wissen, wo dein Auto steht.“ Das mochte sein, half aber nichts, weil die Ministerkarrosse das Werksgelände auf der Rückseite verließ. „Feigling!“, rief man Söder hinterher.

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