Eine Wutrede hatte der Kranzberger Georg Kißlinger für die Planer der Maßnahme vorbereitet. 
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Eine Wutrede hatte der Kranzberger Georg Kißlinger für die Planer der Maßnahme vorbereitet. 

Erneuerung der Ortsdurchfahrt: Explosiver Termin vor der Sitzung

Hitzige Debatte über „Jahrhundertbaustelle“ in Kranzberg

  • vonNico Bauer
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Die Ortsdurchfahrt von Kranzberg wird saniert. Die Bürger hatten am Dienstag die Gelegenheit, sich vor Ort zu informieren. Dabei ging‘s hitzig zu.

Kranzberg - Das war eine schwere Geburt: Während der Landkreis Freising am Mittwoch die Ausschreibung für die Arbeiten an der Ortsdurchfahrt von Kranzberg veröffentlichte, wurde das Thema am Vorabend vor Ort im Kranzberger Gemeinderat hitzig diskutiert, ehe über die einzelnen Bereiche mehrheitliche Beschlüsse gefasst wurden. Zuvor gab es einen hochexplosiven Ortstermin mit rund 50 Anwohnern. Im Gemeinderat standen manche Vertreter wegen des Kostenanteils der Gemeinde kurz vor einem Notstopp der Maßnahmen.

Die Ausgangslage

Dieses Jahr soll die durch Kranzberg führende Kreisstraße erneuert werden. Die Straße ist in einem schlechten Zustand. Für diese Maßnahme gab es bereits eine Versammlung mit den Anliegern und einige Diskussionen über die Gehwege. Zuschussfähig sind Gehwege ab 1,80 Metern Breite, aber das ist in Kranzberg nicht durchgängig möglich. Einen durchgängigen Gehweg an einer Straßenseite mit 1,80 Metern hatte der Gemeinderat in der langen Diskussion abgelehnt.

Die Geographie

Von der Eberspoint-Kreuzung bis zum Ortsende am Kranzberger See geht es steil bergab mit durchschnittlich fünf bis sechs Prozent Gefälle. Eine Besonderheit der Straße ist das schräge Gefälle mit 15 Zentimetern.

Das Quergefälle

Diese zu einer Seite abfallende Straße hat die Folge, dass einige Grundstücke bei Starkregen Wasser im Keller haben. Neu für Bürgermeister und Gemeinderat war die Information beim Ortstermin, dass in der Ortsmitte auch regelmäßig einem Anlieger die Garage vollläuft. Bei dem Ortstermin und im Gemeinderat wurde diskutiert, ob die Straße nun doch ein Dachprofil bekommen soll. Hier wäre die Straßenmitte der höchste Punkt mit Gefälle zu beiden Seiten. Die Planer warnten jedoch vor einer Höhenänderung. Bei 13 privaten Einfahrten hätte man gravierende Probleme mit zehn bis 20 Zentimetern Höhenunterschied und vier Straßeneinmündungen kämen auf zwölf bis 23 Zentimeter Differenz. Zusätzlich zu 130 000 Euro Mehrkosten wäre die Umsetzung technisch sehr schwierig. Deshalb bleibt das Profil wie bisher.

Die Entwässerung

In den kommenden Wochen bis zum Baustart soll noch einmal eine leistungsfähige Straßenentwässerung sichergestellt werden, um die Probleme der Anlieger zu beseitigen. Im Gemeinderat wurde mehrfach die Sorge laut, dass wegen des Wassers in den Kellern nach einem Jahr die Straße wieder geöffnet werden müsse. „Wir haben nicht das Geld für so einen Schildbürgerstreich“, mahnte Sonja Kieslinger. Petra Horneber ergänzte, dass man das Problem der volllaufenden Keller ohne eine definitive Problemlösung „für die nächsten 50 Jahre besiegelt“. Bürgermeister Hermann Hammerl versicherte, dass ohne eine gesicherte Entwässerungslösung heuer nicht gebaut werde.

Die Randzonen

In Teilbereichen sind nur wenige Zentimeter Luft zwischen der Fahrbahn und Stützmauern. Die Abgrenzung durch eine Straßenmarkierung ist nicht erlaubt, also braucht es einen Randstein und diese Kleinbereiche, die nicht mal für einen Notgehweg ausreichen, muss die Gemeinde bezahlen.

Die Gehwege

Der Gemeinderat entschied sich für Betonpflaster. Bei der Abstimmung über die Farbe bekam Heidebraun mit acht Stimmen die Mehrheit, sieben Ratsmitglieder votierten für Grau.

Die Glasfaserrohre

Zu den eingeplanten 100 000 Euro fallen 70 000 Euro Mehrkosten an. Der Gemeinderat entschied aber dennoch, die Lehrrohre für das schnelle Internet unter die neue Straße zu legen.

Das Interesse war groß am Ortstermin zum Ausbau der Dorfstraße in Kranzberg, der vor der Sitzung stattfand.

Die Kosten

Der Landkreis baut die Straße und die Gemeinde muss die 1800 Quadratmeter Gehweg übernehmen. Von 1,7 Millionen Euro Gesamtkosten ist rund eine Million förderfähig. Gemeinderat Florian Vierthaler war stinksauer über die 700 000 Euro: „Der Landkreis bestimmt die Straßenerneuerung und wir zahlen die Hälfte. Der Gehweg kostet 370 Euro pro Quadratmeter, die Straße 100 Euro pro Quadratmeter. Das ist mir nicht erklärbar.“

Kißlingers Forderung

„Sie machen alles falsch!“, findet der Kranzberger Georg Kißlinger. Der hat sich als ehemaliger Mitarbeiter in einem Tiefbauamt intensiv mit dem Thema beschäftigt und kam zum Ergebnis, dass ein Dachprofil „eine Verbesserung der Lebensqualität für die Bürger“ bringe. Den Planern wirft er vor, dass sie einfach weitergeplant haben ohne eine Profiländerung der Straße ernsthaft untersucht zu haben. Kißlinger holte bei dem Ortstermin zur Wutrede gegen Ingenieur Pritscher aus: „Kümmern Sie sich um Kranzberg!“ Kißlinger hatte unter dem Titel „Jahrhundertbaustelle für das Dorf Kranzberg“ ein vierseitiges Dokument verfasst. Darin verweist er auf viele Faktoren wie Feinstaub auf der Straße, immer schwerer werdende Fahrzeuge, mehr Verkehr und schnelleres Fahren. Sein Fazit: „Der Straßenneubau sollte eine Balancestraße werden.“ Der Gemeinderat hält aber an der bisherigen Neigung fest, nachdem der Ingenieur beim Dachprofil vor massiven Problemen bei etlichen Einfahrten warnte.

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