Fernab von konstruktiver Zusammenarbeit

Im Gemeinderat geht’s richtig bissig zu

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„Der gute Geist von Seeon“, den die Kranzberger Gemeinderäte nach einer Klausurtagung zu spüren vermeinten, ist „verpufft“. Das hat Sonja Kieslinger (FWG) festgestellt. Bissig, latent aggressiv, oft kritisierend – die Atmosphäre war auch am Dienstag im Gemeinderat alles andere als kollegial.

Kranzberg – Mit 13:3 Stimmen wurde der Haushalt für das Jahr 2018 angenommen, der im Verwaltungshaushalt knapp 7,5 und im Vermögenshaushalt mit knapp vier Millionen schließt (wir haben bereits ausführlich berichtet). Schon da zog eine Gemeinderätin der Ärger ihrer Kollegen auf sich: Ursula Enghofer (FWG). Manche Ansätze hielt sie für zu hoch (beispielsweise 170 000 Euro für den Spielplatz am See), „es wimmelt vor Projekten, aber mir fehlt die Priorisierung“, Friedhofserweiterung und Turnhalle fehlten sogar ganz, und und und. Bürgermeister Hermann Hammerl blieb ruhig: Die Planung für den Friedhof und die Schätzung, was die Sanierung der Turnhalle kosten dürfte, würden demnächst vorliegen.

Gar nicht ruhig blieb Sebastian Ströhl (KGL): Wenn es nach Enghofer und ihrer Kritik am Flächennutzungsplan gehe, soll doch „in Kranzberg nichts mehr gehen“. Enghofer wehrte sich, was zu Rufen wie „Endlich abstimmen!“ führte. Andreas Adldinger (CSU) betonte, mit einem Haushalt sei kein Gemeinderat zu 100 Prozent zufrieden. Aber jetzt, im April, den Etat abzulehnen, das gehe nicht.

Und doch taten es nicht nur Enghofer, sondern auch Silvia Tüllmann und Sonja Kieslinger (beide ebenfalls FWG). Doch es ging noch heftiger: Anton Hierhager (SPD) hatte beantragt, die 22 000 Euro, die als Zuschuss für das Bronzezeit Bayern Museum vorgesehen waren, zu streichen. Grund: Die Echtheit der Goldfunde sei wahrlich nicht bewiesen, Hierhager bat sogar um Einleitung von staatsanwaltlichen Ermittlungen. Es sei nur eine kleine Summe, so Hierhager, „aber es geht mir ums Prinzip“. Alle anderen Gemeinderäte verfolgten aber ein anderes Prinzip: „Sich als Gemeinde aus dem Wissenschaftsstreit tunlichst raushalten“, forderte Tüllmann. Kieslinger ging Hierhager direkt an: „Nestbeschmutzung“ sei das, was er da betreibe. Ein anderer Antrag von Hierhager erhielt eine 9:7-Mehrheit: Für Geh- und Radwege sowie die Beleuchtung auf dem Sportgelände des SV Kranzberg Gelder einzustellen. Monika Mühl (FWG) sagte, man müsse erst prüfen, ob das Gemeindesache sei, außerdem werfe so etwas „unseren Zeitplan über den Haufen“ – einen Zeitplan, den man laut Ströhls unverhohlener Kritik doch gar nicht habe.

Nächster Anlass zum Streit: Der Bericht von Hierhager über den Stand der Planungen für das Fest zum 50. Geburtstags des Kranzberger Sees. Als sich Martin Oberprieler (KGL) hier zu Wort meldete, griff ihn Kieslinger an: Er solle mal lieber wirklich arbeiten, als nur immer Sprechblasen zu produzieren. Oberprieler blieb die Luft weg, Ströhl fand Kieslingers Angriff total daneben, Hierhager wollte den Streit schlichten. Und dann noch der Antrag von KGL, CSU und SPD, die Geschäftsordnung so zu ändern, dass der Bürgermeister gezwungen werde, Anträge tatsächlich auf die nächste Tagesordnung zu setzen oder nachvollziehbar zu begründen, warum er das nicht tue. Ströhl formulierte es so: „Es geht nicht, dass der Bürgermeister das nach Belieben macht.“ Zudem würden CSU, KGL und SPD immer gut zusammenarbeiten, die FWG sei halt oft nicht bereit, mitzuarbeiten. Kieslinger schoss dagegen: Man werde ja auch teilweise nicht eingeladen. Und außerdem: „Wir hören auf die Leute, ihr aber seid immer g’scheiter als die Leute“, ätzte sie. Der Antrag wurde mit 9:7 Stimmen angenommen. Fazit: Der Geist von Seeon hat sich in Luft aufgelöst. 

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