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Die Familie Nerl, hier mit Mama Verena, Ferdinand (1), Cordelia (4) und Leopold (3), hofft, dass sich die angespannte Personallage am Pfarrkindergarten in Kranzberg bis spätestens September gelegt hat. 

Folgenschwere Personalnot

Kindergartengruppen vor der Schließung?

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In Kranzberg laufen Überlegungen, Kindergartengruppen zu schließen. Der Grund: Akuter Personalmangel. Eltern sind in Sorge, die Gemeinde und die Pfarrei am Verzweifeln. Denn die Konkurrenz bei der Suche nach Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen ist riesig. Im Moment hängt in beiden Kindertageseinrichtungen Kranzberg vieles in der Luft.

Kranzberg2000 Euro hat die Gemeinde Kranzberg allein in diesem Monat für Stellenanzeigen ausgegeben. Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen dringend gesucht! Und auch die Pfarrei hat für den Pfarrkindergarten in allen nur denkbaren Medien inseriert. Die Anmeldephase im Kranzberger Pfarrkindergarten ist seit gestern abgeschlossen, im Kleeblattl war sie bereits in der vergangenen Woche. Keinem der Kinder, die für September neu eingeschrieben wurden, konnten die beiden Einrichtungen eine Garantie auf einen Kindergartenplatz geben. Bürgermeister Hermann Hammerl, der erst in der kommenden Woche die konkreten Anmeldezahlen der Kindergartenleiterinnen vorgelegt bekommt, erklärt, wo der Personalmangel in Kranzberg herrührt: Vier Mitarbeiterinnen sind schwanger. Und wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr, zum Schutz des ungeborenen Kindes, mussten sie sofort, als die Schwangerschaft feststand, aufhören zu arbeiten – so will es das Gesetz. „Das ist nicht planbar“, sagt der Bürgermeister.

Die Familie Nerl aus Kranzberg wäre von einer Schließung der Gruppe und dem damit verbundenen Aufnahmestopp am Pfarrkindergarten massiv betroffen. Die kleine Cordelia (4), besucht den Pfarrkindergarten. Im September möchte ihre Mutter Verena Nerl wieder in den Beruf einsteigen. Die Kranzbergerin ist Gymnasiallehrerin – und Mutter von drei Kindern. Geplant war eigentlich, dass die Oma sich während ihre Tochter in der Arbeit und die beiden älteren Kinder im Kindergarten sind, sich um den jüngsten Spross der Familie kümmert. „Wenn nun aber Leopold im Herbst keinen Platz im Kindergarten bekommt, würde meine Mutter sich um beide Jungs kümmern.“ Zum einen sei das aber mit so manchem Opfer verbunden, das ihre Mutter dafür bringen müsste „was wahrlich keine Selbstverständlichkeit ist“, wie sie sagt. Zum anderen hätten viele andere Familien nicht so ein Glück: „Da sind Viele, die nicht auf familiäre Unterstützung bauen können, auch viele Alleinerziehende.“ Und gerade diese Familien seien auf zuverlässige Betreuungsangebote angewiesen.

Bürgermeister Hermann Hammerl hat zwar Verständnis für den Unmut, der sich da gerade bei den Eltern breitmacht. Doch den Vorwurf, der Gemeinderat würde der Thematik nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken, will er nicht auf sich sitzen lassen. „Wenn uns Frau Nerl sagt, wie man als Gemeinderat einen Einfluss auf die Familienplanung der jungen Frauen nehmen soll. . .“

Doch wie soll es nun weitergehen? Für die beiden verwaisten Stellen im Pfarrkindergarten liegen bislang zwei Bewerbungen vor. Man hofft, dass die Posten schnell wieder vergeben werden. Bis dahin versucht man den laufenden Betrieb über ehemalige Mitarbeiterinnen, die bereits in Rente sind, aufrecht zu erhalten. Da der Personalmangel in der Branche aber ein flächendeckendes Problem sei, könne man es leider nicht über Nacht lösen, bedauert Hammerl.

Im Kinderhaus Kleeblattl ist die Situation nicht besser. Auch hier wurde über eine Schließung einer Kindergartengruppe nachgedacht, was über einen sogenannten Notbetrieb abgewendet werden konnte. Das bedeutet, dass die langjährige Kinderpflegerin kurzfristig in die Position der Gruppenleiterin aufrückt. „Dafür brauchen wir nun aber einen Ersatz für die Kinderpflegerin.“ Bürgermeister Hammerl hofft auf viele Bewerbungen – kann aber keine Prognose geben. Und auch für die dritte Krippengruppe sucht man seit September Personal – ohne Erfolg.

Was Verena Nerl sich wünscht, ist mehr Transparenz in der Kommunikation mit den Eltern und Lösungsansätze der Gemeinde: „Die Kommunen dürfen die Eltern nicht mit ihren Nöten alleine lassen.“

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