Monika Mühl ist Vorsitzende des Kranich-Vereins.
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Monika Mühl ist Vorsitzende des Kranich-Vereins.

Interview mit der Vorsitzenden des Kranich-Vereins Kranzberg

„Die Einsamkeit ist ein Problem“: Corona-Pandemie hinterlässt auch in Senioren-Residenz ihre Spuren

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Kranzberg – Die Corona-Pandemie ist auch an der Villa Kranich in Kranzberg nicht spurlos vorübergegangen. Im Gegenteil: „Natürlich mussten wir unseren ganzen Betrieb verändern und umstellen“, erzählt die Vorsitzende des Vereins Kranich e.V., Monika Mühl.

Frau Mühl, wie hat Corona die Arbeit des sonst so rührigen Vereins Kranich verändert?

Alle Veranstaltungen, die einen festen Termin bei den Bewohnern, bei der Vorstandschaft und den regelmäßigen Besuchern haben, wurden und werden abgesagt. Faschingsdienstag, Sommerfest, Ausflug, Nikolaus, Weihnachtsfeier sowie Koch-, Spiele-, Bastel- und Ratschabende, um einige zu nennen. Die Betreuung der Bewohner durch Frau Schauer, unseren „guten Geist“, und mehrere Vorstandsmitglieder ging natürlich lückenlos weiter. Das sind zum Beispiel Hilfen bei Behörden, Einkaufshilfen, Arztfahrten und vieles mehr. Hier gelten die Corona-Regeln wie für alle, die in einer Wohnung leben.

Die Freizeitangebote wie gemeinsame Theaterbesuche etc. sind ja derzeit nicht möglich: Gibt es einen Ausgleich, den Sie Ihren Mitgliedern anbieten?

Als Ausgleich haben wir zu Nikolaus, Weihnachten und Silvester ein warmes Essen angeboten, das die Bewohner im Gemeinschaftsraum im eigenen Geschirr abholten, um es dann in ihrer Wohnung zu essen. Im Sommer, als die Regeln noch nicht so streng waren, haben wir einen weiteren Gartentisch angeschafft, wegen der Abstandsregeln, und dann in zwei Gruppen gegrillt – einmal die Wohnungen mit gerader, dann die mit ungerader Nummer. So gerecht wie möglich.

Ein Augenmerk legt der Verein Kranich auf Projekte zur Stärkung und zum Erhalt der Gesundheit: Gibt es da Alternativen wie etwa Online-Angebote?

Nein, Gesundheitsangebote haben wir derzeit nicht. Und außerdem sind weniger als 20 Prozent der Bewohner online.

Wie hat sich durch die Pandemie das Leben in der Villa Kranich verändert?

Die Bewohner bleiben viel mehr in der eigenen Wohnung. Die Einsamkeit ist schon ein Problem. Das ist das Gegenteil der Ziele des Vereins. Aber das wird sich ja hoffentlich wieder ändern. Hier muss ich nochmals Frau Schauer erwähnen, die den Kontakt zu allen Bewohnern aufrecht erhält.

Wird jede Wohnung in der Villa wie ein Privathaushalt gesehen oder gelten hier Regeln wie in einem Seniorenwohnheim?

Jede Wohnung wird wie ein Privathaushalt gesehen.

Könnten Sie in Ihrem Verein weitere Unterstützung brauchen?

Wir haben uns auf ehrenamtlicher Basis Unterstützung geholt, da der Bedarf kurzzeitig sehr hoch war. Hilfe, bzw. Unterstützung könnten wir gut brauchen, wenn die Regeln gelockert werden, um vor allem Gesprächspartner für die Bewohner zu haben.

Spüren Sie die Verunsicherung der älteren Generation und sind Sie aktuell mehr denn je Ansprechpartner und Ratgeber?

Die Verunsicherung ist sehr groß. Es kommen keine gleichaltrigen Besucher mehr, was natürlich auch für Abwechslung gesorgt hat. Es sind 21 Parteien im Haus, einige wenige treffen sich, coronakonform, im Gemeinschaftsraum mit Maske und Abstand. Viele verlassen kaum ihre Wohnung, andere kommen wieder relativ gut mit den Regeln zurecht. Im Großen und Ganzen sind die Anforderungen an den Verein gestiegen, wobei auch die Highlights fehlen, in nächster Zukunft das Faschingsfest und der Osterbrunch.

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