Sonja Kieslinger mit ihrem Enkel Alexander und der Gans Martina auf einer Wiese.
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Ende gut, alles gut: Sonja Kieslinger war sich sicher, dass Gans Martina als Braten hätte enden sollen. Dem mutmaßlichen Dieb ist offenbar noch rechtzeitig aufgefallen, dass das Tier zu alt ist, um gegessen zu werden. Enkel Alexander Abstreiter (3) freut sich, dass seine Gans wieder da ist.

Skurrile Geschichte in Kranzberg

Zu zäh: Dieb bringt Martinsgans lebend zurück

  • Andrea Beschorner
    vonAndrea Beschorner
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Neben Enten und Hühnern lebt auf dem Hof der Familie Kieslinger in Kranzberg auch eine Gans. Und das nun schon seit 13 Jahren. Es ist nicht irgendeine Gans. Das Tier ist zahm, lässt sich streicheln, frisst aus der Hand – und gehört einfach irgendwie zur Familie, wie Sonja Kieslinger erzählt.

  • Seit 13 Jahren lebt Gans Martina auf dem Hof der Familie Kieslinger in Kranzberg.
  • Am Martinstag war sie plötzlich verschwunden: Ein Dieb hatte Martina mitgenommen.
  • Doch dann kam die glückliche Wende.

Kranzberg - Als sie am Morgen des Martinstags, am Mittwoch, in der Früh zum Füttern rausgeht, ist die Gans weg. Der ganze Garten wird abgesucht, keine Ecke ausgelassen. „Da sie ja schon so alt ist, hätte es freilich sein können, dass sie gestorben ist und irgendwo liegt“, erzählt Kieslinger. Doch nichts. Die Pommerngans ist wie vom Erdboden verschluckt. Sogar in der Nachbarschaft wird gesucht und rumgefragt, keiner hat sie gesehen. Da die „Familiengans“ niemals alleine Ausflüge unternommen hat, zum Fliegen auch schon seit Jahren viel zu schwer ist, erhärtet sich bei Sonja Kieslinger der Verdacht: „Da hat sich einer den Martinsbraten geholt.“

Die ganze Familie ist traurig. Vor allem ihren Enkel, den dreijährigen Alexander, trifft der Verlust hart. „Er ist immer beim Füttern mit dabei, es ist quasi seine Gans.“ Sonja Kieslinger überlegt einen Moment, ob sie Anzeige bei der Polizei erstatten soll, verwirft den Gedanken aber wieder. „Das würde der Polizei nur unnötig Arbeit machen, rauskommen tät da ja sowieso nichts.“ Einziger Trost: Sollte ihre Gans tatsächlich gestohlen worden sein, um dann als Braten auf dem Tisch des Diebes zu landen, erwartet ihn eine böse Überraschung: „Unsere Gans ist so alt, die kann man nicht mehr essen. Das Fleisch wäre viel zu zäh.“

Happy End im Gänsestall

Den Mittwoch über merkt Sonja Kieslinger immer wieder, dass ihre Pommern-Gans ihr fehlt. „Die ist mir ja immer überall hinterhergelaufen.“ Besonders tragisch: Vor 27 Jahren holt Sonja Kieslinger die ersten Gänse auf den Hof, das jetzt war quasi der letzte Nachfahre ihrer ersten Gänse. Und noch etwas bedrückt Kieslinger: Es sei kein Tag vergangen, an dem nicht Eltern oder Großeltern mit Kindern oder Enkeln am Zaun gestanden haben, um der zahmen Gans einen Besuch abzustatten.

Die Größte unter ihren gefiederten Genossinnen: die zahme Gans Martina, bekannt und beliebt bei Groß und Klein in Kranzberg, war einen Tag lang verschwunden. Ihre Besitzerin befürchtete das Schlimmste.

Doch dann passiert ein kleines Wunder: Als Sonja Kieslinger Donnerstagfrüh in den Garten geht, um die Hühner und Enten zu füttern, traut sie ihren Augen nicht. Wer steht da, als wär nichts gewesen? Ihre treue Gans. „Da hat wohl einer noch rechtzeitig gemerkt, dass sie zu alt zum Schlachten ist“, vermutet Kieslinger, überglücklich, der Gans weiterhin das Gnadenbrot geben zu dürfen. Und weil ihr am Morgen des 11. November erst so richtig bewusst geworden ist, wie sehr ihr die Gans in den vergangnen 13 Jahren ans Herz gewachsen ist, wird am Donnerstag etwas nachgeholt, was längst überfällig ist. Kieslingers Pommern-Gans hat jetzt endlich einen Namen: Martina.

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