Vorbildcharakter hat die Waldklimastation im Kranzberger Forst, in den sich gestern auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (r.) wagte. Olaf Schmidt, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, freute sich über das Lob. Gleixner

25 Jahre Waldklimastation im Kranzberger Forst

Ein Minister im Minenfeld

Kranzberg - Ein Staatsminister mitten in einem Minenfeld. Ist das nicht extrem gefährlich? In diesem Fall nicht: Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner besuchte gestern die Waldklimastation im Kranzberger Forst, ein „Minenfeld der Sensoren“.

Der Anlass: Seit 25 Jahren gibt es forstliches Umweltmonitoring in Bayern. Was an wichtigen Daten, die man hier seit einem Vierteljahrhundert sammelt, bisher nur den Fachleuten zur Verfügung stand, ist ab sofort auch dem Volk zugänglich. Minister Brunner drückte den roten Knopf zur Freigabe von „WKS-online“. Waldsterben war in aller Munde, der saure Regen ein großes Thema. Das war in den 80ern. Forschung und Politik entschlossen sich dazu, den Waldzustand dauerhaft zu überwachen, um Entwicklungen und Risiken zu erkennen, um reagieren zu können. Es war die Geburtsstunde der Waldklimastationen, deren erste vor 25 Jahre in Betrieb gingen. Inzwischen liefern 19 solcher „Freiluft-Labore“ in Bayern ständig wichtige Daten. Und auch weil dieses bayerische Konzept vorbildlich war und ist, weil es international anerkannt ist, und weil es solche Messstellen inzwischen vom Nordkap bis zu den Kanarischen Inseln gibt, war Landwirtschaftsminister Helmut Brunner tief in den dunklen Tann bei Kranzberg gekommen, um dieses Langzeitprojekt zu würdigen und zugleich einen „Startschuss“ zu geben. 650 000 Euro gebe der Freistaat jährlich für den Betrieb der Waldklimastationen aus, Geld, das „bestens investiert“ sei, so Brunner. Angesichts des rasenden Tempos, in dem der Klimawandel voranschreite und den Wäldern zu schaffen mache, dürfe es aber nicht nur beim Beobachten bleiben. Nein. Aus den Ergebnissen leiteten die Forstexperten Erkenntnisse ab, wie man Wälder auch in Zukunft nachhaltig bewirtschaften könne. Brunner: „Wir wollen die Wälder fit machen für die klimatischen Herausforderungen von morgen.“ Da seien freilich auch die 700 000 bayerischen Waldbesitzer gefragt, die sich von den Förstern und Experten professionell beraten lassen könnten. Während der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), Olaf Schmidt, und seine Mitarbeiter für das Lob des Ministers freuten, betonten auch Kranzbergs Bürgermeister Hermann Hammerl und Freisings Umweltreferent Manfred Drobny die Wichtigkeit des Monitorings und die zentralen Aufgaben eines gesunden Waldes. Drobny appellierte zudem an den Minister, all diese guten Maßnahmen für einen Klimaschutz doch bitte nicht durch eine dritte Startbahn und noch mehr Flugverkehr zu „konterkarieren“. Die Startbahn sollte auch aus Klimaschutzgründen „keinen Platz haben“. Zum Schluss drückte Brunner dann noch den roten Kopf: Damit gab er WKS-online frei – eine Internetseite, auf der für Jedermann frei verfügbar die aktuellen Witterungsdaten der Waldklimastationen verfügbar sind. „Wissenschaft zum Anfassen“, so der Minister, Waldklima per Mausklick. Doch bei aller Hightech-Sensorik und Digitalisierung vergaß Brunner doch auch die nicht, die noch immer bei Wind und Wetter raus in den Wald müssen, um dort die Proben zu entnehmen.

Andreas Beschorner

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