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Umstrittene Räume: Bürgermeister Hermann Hammerl (l.) und Gemeinderäte besichtigen die provisorisch eingerichtete Mittagsbetreuung in der Grundschule Kranzberg.

Außergewöhnliche Ausschusssitzung

Streit um Mittagsbetreuung in Kranzberger Schule spitzt sich zu

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Der Streit um die Mittagsbetreuung in der Kranzberger Schule spitzt sich zu: Nach einer turbulenten Ausschusssitzung ist alles möglich: eine schnelle Lösung oder Eskalation.

Kranzberg – „Jetzt rauft’s euch zamm!“ Mit diesem Appell des Elternbeirats Sven Duppenfeld an den Kranzberger Gemeinderat endete am Montag ein Treffen des Schulausschussses, das es in sich hatte. Die Sitzung, bei der es darum ging, endlich eine Lösung für die Mittagsbetreuung in der Grundschule zu finden, ähnelte mehr einer Bürgerversammlung als einer Gremiumstagung. Alle durften mitdiskutieren – Ausschussmitglieder, andere Räte, Schulleitung, Mittagsbetreuungsteam und Eltern.

Zwei Stunden dauerte die Sitzung. Zwei Stunden, in denen es wieder zum Schlagabtausch zwischen den beiden gegnerischen Blöcken im Gemeinderat kam. Zwei Stunden, in denen die Schulfamilie unmissverständlich zum Ausdruck brachte, dass eine Lösung für die Mittagsbetreuung aufgrund der steigenden Schülerzahlen dringend bis September 2020 realisiert sein müsse. Zwei Stunden, nach denen alles möglich ist: eine baldige Lösung oder eine Eskalation.

Mittagsbetreuung: Kinder müssen zwei Stunden ruhig sein

Um 19 Uhr besichtigten die Räte zunächst die bestehende Mittagsbetreuung. Viele sahen die Räumlichkeiten, über die sie seit Jahren erbittert streiten, zum ersten Mal. „Das hier ist eine Mangelverwaltung“, urteilte 2. Bürgermeister Anton Hierhager (SPD). Schon bei der Bürgerversammlung im November hatten Eltern Alarm geschlagen.

Zur Verfügung stehen in den ersten beiden Stunden der Betreuung nur zwei Klassenzimmer, in denen die Essensausgabe stattfindet. Von 11 bis 13 Uhr müssen die Kinder dort geballt an den Tischen sitzend ausharren, um den Unterricht im Gebäude nicht zu stören, teilte Mittagsbetreuerin Birgit Rottenfußer mit. Erst danach stehe die Turnhalle zum Toben zur Verfügung – allerdings nur bis 14 Uhr, weil danach der Sportverein seinen Bedarf anmelde. Schüler, die Hausaufgaben machen wollen, könnten von 13 bis 14 Uhr den Religionsraum nutzen, müssten dann aber, weil der anderweitig benötigt wird, in den EDV-Raum weiterziehen.

Betroffene plädieren für Idee, die abgeschmettert wurde

Auf Nachfrage von Räten erklärten die Damen der Mittagsbetreuung in der anschließenden Sitzung, was sie für das Beste halten: just den Anbau, den ein Bündnis aus CSU, KGL und SPD favorisiert, der aber im September mit 7:7 Stimmen denkbar knapp gescheitert ist. Jener Anbau im Osten der Schule würde für zwei weitere Räume sorgen. „Dann hätten wir die vier Räume, die wir benötigen – zum Essen, Toben, Hausaufgaben-Machen und Ruhen“, betonte Birgit Rottenfußer. Für Schulleiterin Heike Hartmann ist dieser Anbau die einzig praktikable Lösung. „Hier ist die räumliche Nähe soweit gegeben, dass der Schulbetrieb reibungslos aufrechterhalten werden kann.“

Sofort regte sich jedoch Widerstand bei der FWG, die genau diese Lösung blockiert hat, weil sie eine Mittagsbetreuung im Rahmen eines Turnhallenneubaus anstrebt. „Für eine Übergangslösung sind mir Kosten von 300 000 Euro plus Planungskosten zu hoch“, moserte Ursula Enghofer. Hierhager hielt dagegen, dass der Anbau auf 10 bis 20 Jahre angelegt sei. Sebastian Ströhl (KGL) ergänzte, dass damit auch eine spätere Mittagsbetreuung in einem Turnhallentrakt nicht verbaut sei. Und Hartmann fügte hinzu, dass die Räume, die durch einen Anbau entstehen, später auch anderweitig sinnvoll genutzt werden könnten.

Östlich des Schulgebäudes könnte ein Anbau die Platzprobleme beheben.

Monika Mühl (FWG), die die Ost-Lösung „nicht schön“ findet, brachte lieber rund 15 Jahre alte Pläne einer Westerweiterung zur Sprache. Der Haken: Diese Lösung lässt sich nicht bis September verwirklichen – allein schon deshalb nicht, weil der damalige Planer nicht mehr an Bord ist, wie Bürgermeister Hermann Hammerl (FWG) klarstellte.

Der mehrfach von FWG-Seite angesprochenen Container-Lösung auf dem Schulgelände erteilte die Schulleiterin eine Absage: zu weite Wege. Geschäftsstellenleiter Klaus Burgstaller ergänzte: „Eine Container-Lösung ginge nur, wenn die komplette Mittagsbetreuung inklusive Sanitäranlagen dorthin ausgelagert wird.“

Schulleiterin: Lösung bis September oder Aufnahmestopp

Hammerls Verweis, dass er den „ganz dringenden Bedarf in den kommenden zwei, drei Jahren“ nicht sehe, weil Geburtenraten und Schülerzahlen leicht rückläufig seien, konterte Hartmann: Trotz allem würde die Zahl der Anmeldungen für die Mittagsbetreuung zunehmen – „weil die Eltern vermehrt arbeiten gehen“.

Ihr Schluss: Sollte es bis September keine Lösung geben, müsse die Gemeinde das Angebot zahlenmäßig begrenzen. Denn dann sei sie nicht mehr bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass 69 Kinder oder mehr auf so engem Raum betreut würden. Dann aber müsste die Gemeinde mit Gegenwind der Eltern rechnen, wie Elternbeirat Duppenfeld ankündigte. „Wir sind gegen eine Begrenzung.“

Mittagsbetreuung: Entscheidung fällt am kommenden Dienstag

Hierhagers Schlussfazit: „Wir müssen nichts Neues erfinden. Wir haben eine Lösung, mit der alle zufrieden sind, die es betrifft, und die wir sofort umsetzen können. Warum in Gottes Namen tun wir es also nicht?“

Am kommenden Dienstag soll über die Mittagsbetreuung abgestimmt werden.

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