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Warmer Empfang in Kranzberg: Bürgermeister Hermann Hammerl (4. v. l.), Dorfhistoriker Alfons Berger (3. v. l.) und Hobby-Archäologe Manfred Moosauer (8. v. l.) heißen die Delegation aus Kreta willkommen, die von Norbert Heller (l.) und Sofia Tornikidou (2. v. l.) angeführt wird.

Deutsch-griechisches Abenteuer

Kreta zu Gast in Kranzberg

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Kranzberg - Ist das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Kreta und Kranzberg? Die Ampertal-Gemeinde hat derzeit eine griechische Delegation zu Besuch. Aus dem ersten Kennenlerntreffen könnte bald mehr werden.

Norbert Heller, Berater im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, musste erst nach Kreta reisen, um auf die Gemeinde Kranzberg zu stoßen. Dort nämlich erhielt er von einem griechischen Professor einen Prospekt, in dem es unter anderem um die Bernsteinstraße ging und in dem auch der Ort Bernstorf auftauchte. „Und so habe ich nicht in Deutschland, sondern in Griechenland zum ersten Mal von der Gemeinde Kranzberg gehört“, berichtete Heller bei einem Pressegespräch am Freitag im Metzgerwirt.

Als Ansprechpartner für die Deutsch-Griechische Versammlung (DGV), die den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen deutschen und griechischen Kommunen fördert, kam Heller schnell der Gedanke: „Vielleicht hat Kranzberg ja Interesse an einem Austausch mit Kreta. Bei einem Telefongespräch hat mir Bürgermeister Hermann Hammerl signalisiert, dass er sich auf das Abenteuer einlässt.“

Am Donnerstag hat dieses Abenteuer begonnen. Da kam eine griechische Delegation von rund 15 Personen in Kranzberg an. Die Gäste aus den Gemeinden Hersonissos und Anogia, die noch bis Sonntag zu Gast sind, wollen sich in den Bereichen Tourismus und Wasserwirtschaft informieren – in München, Bad Tölz und Berchtesgaden, aber auch in Kranzberg. Unter anderem wurden die griechischen Gäste an den Kranzberger See, in die Museen, in den Weltwald und zur Ausgrabungsstätte Bernstorf geführt, aber auch zum Bauhof und zur Kläranlage. „Gerade im Bereich Wasserwirtschaft kann deutsches Knowhow für die Kommunen in Kreta hilfreich sein“, betonte Heller. Es gehe bei den von der DGV angestoßenen kommunalen Kooperationen aber nicht nur um beidseitigen wirtschaftlichen Nutzen, sondern auch um eine politische Komponente: „Wir wollen ein besseres Verständnis füreinander entwickeln.“

Bürgermeister Hammerl äußerte sich bei dem Pressegespräch noch zurückhaltend: „Es geht jetzt erstmal darum, Gastfreundschaft zu zeigen, sich kennenzulernen und einen Dialog zu beginnen.“ Auch der Dorfhistoriker Alfons Berger, der das deutsch-griechische Treffen in Kranzberg mitorganisiert hat, wollte keine Prognosen abgeben. „Ob man diese Verbindungen weiter ausbauen kann, muss die Zeit zeigen“, sagte er dem FT. „Wir müssten dann auf jeden Fall die Bürger miteinbeziehen. Das ist bisher noch gar nicht passiert.“ Einen gegenseitigen Austausch hält Berger für möglich, eine Städtepartnerschaft schließt er aus. „Dafür sind wir zu klein.“

Ganz euphorisch ist hingegen der passionierte Hobby-Archäologe Manfred Moosauer, der jedes Jahr mehrere Monate privat in Griechenland verbringt. „Es ist meine zweite Heimat geworden“, betont er. Deshalb wolle er seine Unterstützung anbieten. „Griechenland braucht Hilfe zur Selbsthilfe.“ Moosauer denkt dabei aber über Kranzberg hinaus. So hat er Kontakte zwischen den führenden Kräften des Psiloritis-Nationalparks auf Kreta und dem Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, Michael Vogel, geknüpft. Seine Vision: „Wir bilden Griechen in Bayern aus, und wir helfen in Griechenland.“ Etwa dabei, den Tourismus auf Kreta zu stärken und eine moderne Abwasserentsorgung in der Region zu realisieren. Moosauers Versprechen: „Wenn ich nicht sterbe, dann geht das weiter.“

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