Plötzlich Problembaustelle: Bei der Sanierung des Weihers in Kühnhausen (Gemeinde Kranzberg) ist man auf kontaminiertes Material gestoßen.
+
Plötzlich Problembaustelle: Bei der Sanierung des Weihers in Kühnhausen (Gemeinde Kranzberg) ist man auf kontaminiertes Material gestoßen.

Schock für Gemeinde

Kontaminiertes Material im Naherholungsgebiet: Weihersanierung bringt 50 Jahre alten Umweltskandal ans Licht

Bei einer Weihersanierung im Landkreis Freising sind Arbeiter auf kontaminierten Boden gestoßen. Bewohner berichten früheren Lkw-Transporten. Klären wird sich der Fall wohl nicht mehr lassen.

  • Im Rahmen der Sanierung des Kühnhauser Weihers (Gemeinde Kranzberg) kam schwer kontaminiertes Bodenmaterial zu Tage.
  • Offenbar lagern die Giftstoffe dort im Naherholungsgebiet schon ein halbes Jahrhundert.
  • Bewohner berichten von Lkw, die dort vor 50 Jahren Material abgeladen haben sollen.
  • Der Gemeinde Kranzberg droht eine Kostenexplosion.

Kühnhausen – Als die Gemeinde Kranzberg mit der Erneuerung des Kühnhausener Weihers begann, rechnete man bereits damit, dass da belastetes Aushub-Material schlummern könnte. Damals ahnte niemand, wie dramatisch das Ergebnis ausfallen würde. Bei den Arbeiten wurde nun eine erhebliche Belastung festgestellt. Das Material kann nicht einfach auf einer Mülldeponie entsorgt werden.

Anhand dieser neuen Entwicklung wird nun auch klar, wie dringend nötig die Weihersanierung ist: Hier wird nun ein 50 Jahre alter Umweltskandal korrigiert.

Schon bei den ersten Bodenschichten war die Belastung höher, als das nach den Bodenproben zu erwarten war: 900 Kubikmeter Aushub des Zuordnungswertes 1.2 wurde auf Deponien in Regensburg und Nürnberg entsorgt, weil es in der Region dafür keine Abnehmer gibt. Doch es kam noch schlimmer: Einige Meter von der Weiherbaustelle entfernt liegt nun ein 570 Kubikmeter fassender Berg der Belastungsklasse Z 2 – und die ist richtig problematisch. Unter anderem befinden sich in dem Aushub Eisen, Bauschutt und Plastik. Eine Entsorgung dieses Materials ist extrem teuer. Kranzbergs Bürgermeister Hermann Hammerl erklärt, dass nun Angebote eingeholt werden, um den Aushub vor Ort zu sieben und die getrennten Materialien entsorgen zu können. Die Folge: Die auf 1,36 Millionen Euro kalkulierte Maßnahme wird nun deutlich teurer.

Der Zuschuss des Amts für ländliche Entwicklung beträgt 69 Prozent und ist gedeckelt bis 1,3 Millionen Euro. „Ich denke, dass wir diese 1,3 Millionen Euro ausschöpfen werden“, sagt Hermann Hammerl. Aber auch die Gemeinde wird mehr Geld in die Maßnahme stecken müssen. Hammerl stellt sich freilich die Frage, wie diese extremen Müll- und Schuttablagerungen nach Kühnhausen kamen. Augenzeugen aus dem Ort erinnern sich, dass vor rund 50 Jahren Lastwagen kamen und Material zur Verfüllung der Grube abluden. Woher die Lastwagen damals stammten, kann heute nicht mehr nachverfolgt werden.

„Ich hoffe, dass jetzt nichts mehr nachkommt“, sagt Hermann Hammerl. Der nächste Aushub stammt aus größerer Tiefe. Somit sei es wahrscheinlich, dass man das Schlimmste nun hinter sich habe. Eine gute Nachricht hatte der Bürgermeister dennoch: Das Ganze ändert wohl nichts am Zeitplan. Noch dieses Jahr sollen die Menschen in Kühnhausen baden können – dann in einem Weiher mit unbelastetem Untergrund. (Nico Bauer)

Lesen Sie auch:

Schulleiter haben ein positives Zwischenfazit zur Corona-Testpflicht an den Schulen gezogen - trotz oder gerade wegen Corona-Fällen an vier Landkreis-Schulen.

In Eching hat die Polizei eine überraschend professionelle Cannabisplantage in einer Wohnung entdeckt. Ein Paar muss sich dafür nun verantworten.

Die Kindergartengebühren in Kirchdorf steigen. Die Grünen brachten sich vor dem Beschluss mit einem ganz anderen Ansatz ein.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare