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iese Bilder von Überwachungskameras zeigen den unbekannten Täter bei den Überfällen in Kranzberg (l.) und in Fahrenzhausen (r.).

Prozess geht weiter

„Glatzenräuber“ war „abgebrüht“: So erlebten die Angestellten die Banküberfälle

Zum Prozessauftakt hatte der „Glatzenräuber“ ein Geständnis abgeliefert. Am zweiten Prozesstag ging es um die Erlebnisse und psychischen Folgen für die Bankangestellten.

Landkreis – Nachdem der „Glatzenräuber“ – wie berichtet – zum Prozessauftakt vor dem Landshuter Landgericht mit einem umfassenden Geständnis neun Banküberfälle (unter anderem im Freisinger Landkreis) eingeräumt hat, geht es im weiteren Prozessverlauf gegen den 40-Jährigen aus Allach vor allem um die psychischen Folgen für die Bankangestellten, denen er teilweise mit einem Blutbad gedroht hatte.

Bei den neun Banküberfällen hatte der 40-Jährige, inzwischen zweifacher Vater, im Zeitraum von Mai 2016 bis Dezember 2018 insgesamt eine Beute von rund 220.000 Euro gemacht. Unter anderem hatte er Filialen in Fahrenzhausen, Kranzberg und Rudelzhausen überfallen. Mit Mütze, Cap oder Sturmhaube maskiert, stürmte er in die Schalterräume und forderte mit einer vorgehaltenen Waffe – einer Softairpistole, die einer scharfen Walther PPQ ähnlich sieht – Geld.

Umfassendes Geständnis

Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgeliefert. Aufgrund seiner Arbeitslosigkeit sowie seines Alkohol- und Drogenkonsums in dieser Zeit habe er rund 10.000 Euro Schulden gehabt. Er sei deshalb auf die Idee gekommen, sich mit den Überfällen Luft zu verschaffen.

Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten zwar ein Strafmaß „unterhalb von zehn Jahren“ ins Auge gefasst, allerdings sah Vorsitzender Richter Ralph Reiter keine Voraussetzungen für einen „Deal“, da bei der Strafzumessung nicht zuletzt die psychischen Folgen für die betroffenen Bankangestellten eine Rolle spielten.

„Wenn wir Alarm auslösen, gibt es ein Blutbad“

Eine Bankkauffrau aus Forstern (Kreis Erding) schilderte am Mittwoch, wie sie der Täter mit vorgehaltener Waffe aufgefordert habe, die Eingangstür zu versperren, den Tagestresor zu öffnen und ihm die darin deponierten Geldscheine auszuhändigen. Er habe noch gefragt, ob weitere Angestellte in der Bank seien. Sie habe dann ihre zwei Kollegen holen müssen. Danach habe er aber wieder das Geld aus dem Tresor gefordert und gedroht, „wenn wir Alarm auslösen, gibt es ein Blutbad“.

Danach allerdings habe er „abgebrüht“ gewirkt, nämlich ruhig die fünf Minuten ausgeharrt, bis die Wartezeit für die aktivierte Zeitschlosssicherung am Tresor abgelaufen war: „Da hat er die Minuten und Sekunden runtergezählt.“ Schließlich habe die Angestellte die Scheine in eine mitgebrachte Plastiktüte stopfen müssen, ehe der Täter geflüchtet sei.

Der Angestellten sei es, so die 34-Jährige, nach dem Überfall noch gut gegangen. Erst nach einem halben Jahr trat bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung mit Panikattacken auf und die Frau begab sich in psychologische Behandlung.

Den Vorfall „einfach schön geredet“

Der Rudelzhausener Filialleiter berichtete, dass er am 3. November 2017 einen älteren Kunden bedient habe, als die Tür aufgegangen sei und ein mit einer Strumpfmaske maskierter Mann „Überfall!“ gerufen habe. Der Räuber habe ihn mit vorgehaltener Pistole aufgefordert, das gesamte in der Bank vorhandene Bargeld auszuhändigen, sonst würde es ein „Blutbad“ geben. Der Filialleiter habe dann 11.570 Euro aus der Tageskasse übergeben.

Ganz spurlos sei die Sache nicht an ihm vorübergegangen. Aber er habe sie inzwischen mental verkraftet und „sie mir einfach schön geredet“. Wie bei den beiden anderen Zeugen hatte sich der Angeklagte bereits im Vorfeld des Prozesses bei allen Bankmitarbeitern in einem Brief entschuldigt. Der 40-Jährige ließ auch vor Gericht keine Gelegenheit aus, Reue zu zeigen. Erst in der Haft, so beteuerte er, sei ihm klar geworden, was er bei den Opfern angerichtet habe. Der Prozess wird am 2. Oktober fortgesetzt. Walter Schöttl

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