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Landratsamt Freising sagt Nein zu Solarzaun: Kranzberger wollte aktiv gegen Energiekrise vorgehen

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Von: Andreas Beschorner

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Mit einem Solarzaun gegen die Energiekrise: Thomas Grevel aus Berg bei Kranzberg ist mit seinem Ansinnen gescheitert. Das Landratsamt hat ihm die Genehmigung verweigert.
Mit einem Solarzaun gegen die Energiekrise: Thomas Grevel aus Berg bei Kranzberg ist mit seinem Ansinnen gescheitert. Das Landratsamt hat ihm die Genehmigung verweigert. © Lehmann

Thomas Grevel aus Kranzberg will aktiv gegen die Energiekrise vorgehen – darf aber nicht. Das Landratsamt hat ihm einen um sein Grundstück Solarzaun nicht genehmigt.

Kranzberg – Es ist eine Idylle, in der Thomas Grevel wohnt. Westlich von Berg (Gemeinde Kranzberg) lebt er inmitten von Wiesen und Bäumen. Grevel hat eben ein Herz für Natur und Umwelt. Genau deshalb will er auch im Süden und Westen seines Grundstücks die bestehende Hainbuchenhecke durch einen Solarzaun ersetzen und auf diese Weise regenerative Energie erzeugen. Doch das Landratsamt verweigert ihm die Genehmigung, sagt, das Vorhaben habe negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Unverständlich für Grevel, der nun bei diversen „höheren“ Stellen Beschwerde eingelegt hat.

Die Begründung für die Ablehnung des Vorhabens hat Landrat Helmut Petz persönlich unterschrieben und Ende September an Grevel geschickt, nachdem der im Juli um Unterstützung für seinen Bauantrag gebeten hatte. Die Gründe, weshalb das Projekt nicht genehmigungsfähig sei, sind in dem Brief aus dem Landratsamt so beschrieben: Das Grundstück liege „unzweifelhaft im bauplanungsrechtlichen Außenbereich und innerhalb des Landschaftsschutzgebiets Ampertal“. Weil eine Privilegierung nicht gegeben sei, dürfe der Zaun nur genehmigt werden, „wenn durch seine Ausführung keine öffentlichen Belange beeinträchtigt werden“. Genau das wäre aber der Fall, so das Landratsamt, sollte Grevel seinen Solarzaun errichten. Denn: „Vorliegend werden jedoch die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege sowie die natürliche Eigenart der Landschaft in negativer Weise berührt.“

„untypisches Bauelement innerhalb des Landschaftsschutzgebietes“

Die Beseitigung der Hecke und das Verlegen von Kabeln stünden den Schutzzielen des Landschaftsschutzgebietes Ampertal entgegen, das Vorhaben liege Richtung Süden auf einem „gut einsehbaren Hang“, der für Tiere und für den Strukturreichtum des Bewuchses wichtig sei. Zudem wäre der Solarzaun „ein untypisches Bauelement innerhalb des Landschaftsschutzgebietes“.

Einer Genehmigung stehe außerdem entgegen, dass der Zaun mit einem durchgehenden Sockel errichtet werden soll, was die „Durchgängigkeit“ für eine Vielzahl von wildlebenden Tierarten verhindere. Und noch ein Argument: Würde man dieses Vorhaben so genehmigen, wäre damit ein Präzedenzfall für weitere Anlagen dieser Art in Landschaftsschutzgebieten geschaffen.

Grevel kann das nicht so recht nachvollziehen, hat in einer Gegendarstellung auf das Schreiben des Landrats reagiert. Sein Grundstück liege zwar im Außenbereich, kam aber erst 2001 (rund 40 Jahre nachdem das Haus errichtet wurde) „kurzerhand“ ins Landschaftsschutzgebiet. Das sei 2004 und 2010 im Bereich der Gemeinde Kranzberg geändert worden, als neun Hektar Fläche herausgenommen wurde. Könne man das nicht auch mit seinem 2300 Quadratmeter großen Grundstück machen? Dass für das Vorhaben keine Privilegierung gegeben sei, könne man zumindest „anzweifeln“, so Grevel, schließlich gelte er seit Juli 2020 als Stromerzeuger.

Antragsteller appelliert an Landratsamt und Landrat

Und dann knöpft sich Grevel die Aussage „Vorwiegend werden jedoch die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege sowie die natürliche Eigenart der Landschaft in negativer Weise berührt“ vor. Es werde nicht im Geringsten berücksichtigt, „dass es auch um Klimaschutz geht“. Und: „Wenn wir so weiter machen, gibt es keine Natur mehr, die man schützen kann“, appelliert er an das Landratsamt und den Landrat.

Auch wichtig: Der Anschluss des Solarzauns an das Stromnetz würde über das bereits verlegte Erdkabel erfolgen, da werde nichts aufgebuddelt. Zudem sei zu beachten, dass eine Einspeisung zwar möglich ist, primär jedoch die Energie gespeichert werden soll. Und weiter: In der Hainbuchenhecke sei eigentlich ein Maschendrahtzaun mit zwei Reihen Stacheldraht „eingewachsen“, von einer Lage „in einem gut einsehbaren Hang“ könne keine Rede sein. Und auch dass es dort „eine Vielzahl von wildlebenden Tieren“ gebe, bezweifelt Greve. Seine Wildkamera zeige ab und zu einen Marder oder einen Fuchs und Mäuse – meist jedoch streunende Katzen. Rehe kämen so oder so nicht in den Garten. Und der angesprochene Sockel sei der Planungsfreiheit des Architekten geschuldet, selbstverständlich gehe es auch ohne.

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Für Grevel ist klar: „Der Grundtenor des Schreibens zeigt die Intention, das Bauvorhaben mit aller Macht insbesondere aus vermeintlich ästhetischen Gründen abzulehnen“, die angeführten Argumente seien alle „fadenscheinig“, gelten offenbar dann nicht, wenn es ganz in der Nähe (bei Göttschlag) um Kiesabbau und Betonverarbeitung gehe.

Grevel hat nun bei verschiedenen Stellen Beschwerde eingelegt: Die Regierung von Oberbayern habe sich allerdings hinter dem zuständigen Bauministerium „weggeduckt“, aus der Beschwerdestelle der Staatsregierung habe er noch nichts gehört, Landtagsabgeordneter Benno Zierer habe erst noch eine „Audienz“ bei Landrat Petz, Landtagsabgeordneter Johannes Becher sei ebenfalls informiert und mit allen Unterlagen versehen worden. Grevel wartet nun auf Antworten.

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