Schauspieler Thomas Peters machte mit den Kranzbergern einen emotionalen Streifzug durch die Literatur – auf der Suche nach der Definition von Heimat.

Schauspieler zu Gast in Kranzberg

Thomas Peters und die Frage nach der Heimat

Die Kranzberger unternahmen in Begleitung von Schauspieler Thomas Peters eine Reise. Ihr Ziel? – Heimat.

Kranzberg„Entschuldigung, wo geht’s denn hier nach Hause?“, war der Titel der literarischen Suche, zu der der Schauspieler Thomas Peters eine große Schar Kranzberger mitgenommen hat. „Vielleicht finden wir bis zum Ende des Abends eine Antwort“, mutmaßte er. Wie Reiseführer Peters überhaupt darauf kommt, Heimat (in literarischen Werken) finden und den Begriff wirklich begreifen zu wollen, liegt auf der Hand: „Ich bin ein relativ heimatloser Mensch“, gibt er zu. Zu seiner Suche veranlasst hat ihn die Migrationsbewegung der vergangenen Jahre. Eine Bewegung, in der Menschen ihre Heimat verlassen, um an einem anderen Ort eine neue zu finden.

Was ist Heimat – und vor allem: wo ist sie?

Aber wo ist das zu Hause eines Menschen? Was ist Heimat, und wie findet man sie? Um an ihr Ziel zu gelangen, mussten die Kranzberger Reisenden erst einmal herausfinden, wo und was Heimat eigentlich ist. „Die Suche wird nicht einfach“, warnte Peters die Anwesenden zunächst.

Amüsant, tiefgründig, kurzweilig: Nach zwei Stunden hatte es keiner der Gäste bereut, in die Gemeindebücherei St. Quirin gekommen zu sein.

In zahlreichen literarischen Werken wurde dann eine Definition gesucht. „Die Erde ist keine Heimat“, meint Josef Bierbichler in seinem Roman Mittelreich. Andere Schriftsteller sind optimistischer eingestellt: „Heimat ist Ahnung und Hoffnung“, „Sprache und Natur“, „hinter den Bergen“ . . . Die Gebrüder Grimm sind der Meinung, dass Heimat der Wohnort ist, das Elternhaus, der Geburtsort und da, wo man Besitztum hat.

Auf der Suche nach Heimat in der Welt literarischer Werke musste Peters feststellen: Nicht einmal die Schriftsteller sind sich einig. Dieses Chaos erklärte er den Gästen anschaulich: „Heimat ist ein abstraktes Nomen. Es ist nicht eindeutig.“ Man könne sie nicht sehen und anfassen. „Und trotzdem kann man sie fühlen.“ Wie die Heimatliebe zum Beispiel. Das bayerische Volk sei sehr heimatverbunden.

Heimatliebe drückt sich über Sprache aus

Ihre Verbundenheit drücken sie über die Sprache aus, was an Ausdrücken wie „dahoam is dahoam“ oder „mia san mia“ deutlich werde. Das, und die Tatsache, dass sich einige Politiker über die „Sprachpanscherei“ aufregen, lies das Publikum schmunzeln. Peters deckte auch den Ursprung einiger Wörter auf, von denen man sich sicher wäre, dass sie deutsch sind. Aber falsch gedacht: das Wort „Kamerad“ beispielsweise stammt vom französischen „camerade“, das Wort Hamster vom iranischen „hamaestar, und das Wort „Reich“ vom Keltischen ab.

Der Weg zur Heimat führt durch den Magen

Nicht nur Sprache verleiht ein Heimatgefühl, der Weg zur Heimat kann auch durch den Magen gehen. Dies wurde anhand einiger Stellen aus dem Buch „Bayern für die Hosentasche: Was Reiseführer verschweigen“ bewiesen. Darin besucht der Protagonist zum Beispiel einen bayerischen Landgasthof und bestellt ein Gericht, unter dessen Namen er nichts versteht, einfach nur, um zu den Bayern dazuzugehören.

Peters machte aber deutlich, dass sich nicht jeder in Bayern so wohlfühlt wie das Publikum oder er selbst. Einige prominente Beispiele hierfür wären Lessing und Heine. Zu Bayern habe Lessing nur eine Meinung: „Einmal und nie wieder“. Heine findet das Leben in Bayern „seicht und kümmerlich“. Heimatgefühl sei eben eine ganz individuelle Wahrnehmung. In einer Zeitschrift hat er noch eine andere Definition gefunden: „Da, wo man man selbst sein kann“ und „Da, wo immer alles gleich bleibt“.

Unfreiwillige Neuorientierung

Hugo Lötscher denkt da anders: „Ich habe keine Wurzeln. Ich habe Beine um wegzugehen“. Dieser Satz brachte Peters zusätzlich zum Nachdenken. Was wäre, wenn für uns entschieden würde, wohin wir gehen? Beispielsweise in einer Kriegssituation. Mit Hilfe des Buches „Krieg“ von Janne Teller, beleuchtete er auch die Seite der unfreiwilligen Heimatsuche und Neuorientierung. An diesem Abend sind alle Beteiligten auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen.

Jeder assoziiert Unterschiedliches mit dem Begriff Heimat. Manche haben sie gefunden, manche noch nicht. Aber auf eins konnten sie sich einigen: Heimat ist möglich. Und das überall.

Am Ende herrschte eine beinahe ausgelassene Stimmung in zwangloser Atmosphäre. Am Humor von Thomas Peters amüsierten sich die Leute und für Entspannung sorgte Charles Muchingile zwischendurch immer wieder durch seinen musikalischen Einsatz.

Der Schauspieler wünschte den Zuhörern noch einen guten HEIM-Weg. Eine Botschaft, die auch nach der Lesung noch zum Denken angeregt hatte.

Aylin Yilmaz

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