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Viele Zahlen, drängende Sorgen, große Hoffnungen: Die Bürger von Hohenbercha ließen sich zunächst mit den Details zum neuen Flächennutzungsplan versorgen, ehe sie ihre Fragen stellten.

Was Hohenbercha vom Flächennutzungsplan hält

Angst vor zu viel Wachstum, Angst vor zu wenig Wachstum

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Am Anfang wollte keiner etwas sagen. Dann hat der neue Flächennutzungsplan für Kranzberg doch noch die Gemüter in der Sonder-Bürgerversammlung in Hohenbercha erregt. Zum Ausdruck kamen nicht nur Sorgen, sondern auch eine Prophezeiung: dass der Ort ohne diesen Plan keine Zukunft hat.

Hohenbercha Bürgermeister Hermann Hammerl war überrascht: „Das gibt es doch nicht, dass die Hohenbercher nichts sagen wollen.“ Als er die Debatte bei der Sonder-Bürgerversammlung um neuen Flächennutzungsplan eröffnete, wollte sich im bestens gefüllten Saal des Gasthofs Hörger erst keiner melden. Erst nach einer Weile gingen die Finger dann doch in die Höhe.

Eine der größten Sorgen war, dass die Ortschaft zu stark wachsen könne. „Wir hatten hier in Hohenbercha lange ein reines Dorfgebiet. Jetzt kommt noch mal so viel als reines Wohngebiet hinzu“, sagte Josef Mülling mit Blick auf den Plan und in Richtung von Bürgermeister Herrmann Hammerl und Landschaftsarchitekt Dietmar Narr. „Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie unsere Ortschaft danach ausschaut. Sie arbeiten unser Dorf auf.“ Das wollte Narr so nicht gelten lassen. Für Hohenbercha sei eine Erweiterung um 3,6 Hektar vorgesehen. „Das ist keine Zahl, bei der ich ohnmächtig werden muss. Das ist schon verkraftbar.“

„Sonst stirbt Hohenbercha aus.“

Das sah Landwirt Josef Reif ganz anders. Angesichts der Größe des geplanten Wohngebiets – Hammerl sprach von maximal 25 Wohneinheiten – wurde es dem Landwirt schon mulmig. „Wenn nachts meine Kuh plärrt, und von den Leuten, die hier herziehen, nur ein Tratzer dabei ist, der mich deshalb angeht, dann habe ich das Geschiss.“ Wieder bemühte sich Narr zu beruhigen. Zum Hauen und Stechen käme es ohnehin erst bei der Erstellung eines Bebauungsplans. Dann müssten eben auch die Belange der Landwirte berücksichtigt werden. „Der berühmte schreiende Gockel oder die Frage der Gerüche werden dann gutachterlich behandelt.“

Anton Westermeier, 2. Bürgermeister und ebenfalls in Hohenbercha lebend, betonte hingegen, wie wichtig der neue Flächennutzungsplan für die Kranzberger Dörfer sei. „Wir haben eine lebendige Dorfgemeinschaft. Als wir dieses Jahr ein neues Feuerwehrauto bekommen haben, da haben 45 junge Leute von uns ein Fest auf die Beine gestellt, das im Landkreis seinesgleichen sucht“, erinnerte er. Für diese jungen Menschen müsse man aber Bauplätze schaffen. „Sonst verlieren wir sie. Sonst stirbt Hohenbercha aus.“

„Der Plan kommt zehn Jahre zu spät“

Ähnlich sah es Franz Lamprecht aus Thurnsberg. Seiner Meinung nach kommt der neue Flächennutzungsplan sogar zu spät. „Hätten wir ihn vor zehn Jahren gehabt, wären viele hiergeblieben.“ Daher ärgerte er sich auch darüber, dass sein Dorf im landwirtschaftlichen Außenbereich bleibe und nicht zum Dorfgebiet umgewandelt werde. Das nämlich bedeutet, dass hier nur privilegiert gebaut werden dürfe. „Wir haben zwei Wirte, drei Bushaltestellen und eine Schnellstraße. Wir haben unbedingt Handlungsbedarf und Entwicklungsbedarf.“ Dasselbe gelte für die Hagenau und Neuhausen.

Narr betonte, dass die Gemeinde diese kleinen Siedlungen gerne in Dorfgebiete umgewandelt hätte. „Da hat aber das Landratsamt nicht mitgespielt, weil der Mindestanteil von 50 Bewohnern nicht erreicht wird.“ Die Dörfer seien dafür schlichtweg zu klein. Der Planer empfahl jedoch, sich im Ort zusammenzutun und im Rahmen der Auslegung gemeinsam eine Stellungnahme abzugeben. Das kam Lamprecht etwas kompliziert vor. Er wollte lieber die Ärmel hochkrempeln. „Da machen wir einfach eine Aktion ,Unser Dorf soll schöner werden’. Das würde sich für Thurnsberg auf jeden Fall rentieren.“ Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite.  mes

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