kompostieranlage kann kommen

„Wo soll er denn hinbauen?“: Kompostieranlage kann kommen

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Bio-Landwirt Franz Lamprecht will bei Thurnsberg eine Kompostieranlage errichten – ein ökologisch wie ökonomisch sinnvolles Projekt. Doch im Kranzberger Gemeinderat regte sich zäher Widerstand – bis einer einen flammenden Appell an die Kollegen richtete.

Kranzberg – Seit 20 Jahren bewirtschaftet Franz Lamprecht seinen Betrieb in Thurnsberg ökologisch. Da dem Boden immer wieder Nährstoffe in organischer Form zugeführt werden müssen, kauft er Komposte zu, die zum Teil von weit her geliefert werden. Das will der Landwirt nun ändern – und eine eigene Kompostieranlage in der Nähe seines Betriebs errichten. Eine Anlage, die auch andere Landwirte, Landschaftsgärtner und umliegende Gemeinden nutzen könnten. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit“, sagte Lamprecht, als er am Dienstag im Gemeinderat um Zustimmung für sein Projekt warb.

Dort regte sich allerdings Widerstand. So befürchteten Ursula Enghofer, Silvia Tüllmann und Sonja Kieslinger (alle FWG), dass eine Erlaubnis zu der Anlage einen Präzedenzfall für Gewerbegebiete im Außenbereich schaffen könnte. Geschäftsleiter Klaus Burgstaller betonte jedoch, dass die Planungshoheit immer bei der Gemeinde liege. „Niemand kann uns zwingen, einen Bebaungsplan zu erstellen. Und keiner hat einen Rechtsanspruch darauf, dass er an einer Stelle des Gemeindegebiets etwas errichten darf, nur weil es ein anderer andernorts durfte.“

Immer wieder wurde auch die Sorge vor den Emissionen laut. „Ohne Geruch geht es nicht“, räumte Lamprecht ein. Bei sachgerechter Kompostierung entstehe aber lediglich ein holziger Geruch. Fäulnisgase würden nur bei unsachgemäßer Handhabung entstehen. Zudem seien die nächsten Häuser einen Kilometer entfernt. „Die nächste Wohnbebauung bin ich selbst. Und ich stelle mir doch keinen Misthaufen vor die Tür.“

Trotz aller Argumente gegen die Bedenken kündigten bereits erste Ratsmitglieder an, gegen das Projekt zu stimmen, als Franz Braun (CSU) das Wort ergriff: „Da haben wir einen Vorreiter, der seit 20 Jahren Bio macht – das, was sich die Mehrheit der Menschen wünscht. Und er benötigt den Kompost, um die Nährstoffe in den Boden zu bekommen. Wo soll er denn hinbauen – ins Gewerbegebiet, ins Wohngebiet, ins Mischgebiet? Wir müssen ihm da helfen.“ Der Appell fruchtete wohl. Denn plötzlich stimmten alle für das Projekt, das nun im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans realisiert werden soll.

Für Lamprecht war das ein großer Schritt: „Das Einvernehmen mit der Gemeinde ist mir am Wichtigsten.“ Nun gehe es an die Detailarbeit. Der Landwirt hofft, dass er im kommenden Jahr mit der Realisation seines Projekts beginnen kann.

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