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Gleich da drüben würde sie gebaut: Auf der Domberg-Terrasse wurde dem Fraktionschef der CSU im Landtag, Thomas Kreuzer (M.), die Lage der Piste und die Folgen einer dritten Startbahn vor Augen geführt.

Hängepartie geht weiter

Kreuzer in Freising: Startbahn vertagen, nicht begraben

Freising - Der Fraktionschef der CSU im Landtag, Thomas Kreuzer, hat auf dem Freisinger Domberg ein deutliches Signal gesendet: vielleicht kein sofortiger Bau einer dritten Startbahn – aber auch kein Verzicht auf das Baurecht. „In einigen Jahren sehen wir weiter“, wird Kreuzer zitiert. Für die Startbahngegner ist die Aussicht auf eine Dauer-Hängepartie „unbefriedigend“.

Das Gewitter am Mittwoch kam zu früh. Denn wäre es drei bis vier Stunden später über Freising gezogen, dann hätte sich der Fraktionschef der CSU im Landtag, Thomas Kreuzer, bei seiner Stippvisite auf dem Domberg eindrucksvoll davon überzeugen können, wie das ist, wenn Flieger direkt über den Mons doctus donnern. Denn bei Unwetter führen die Flugrouten über Freisings Wahrzeichen. „Das wäre der Standard in Freising, wenn die dritte Startbahn gebaut würde“, sagt Aufgemuckt-Sprecher Hartmut Binner.

Doch über die Auswirkungen einer 3. Startbahn ließ sich Kreuzer nicht groß aus – weder am Lärm-Referenzpunkt in Attaching noch später auf dem Domberg, wo er mit den Startbahngegnern zusammentraf. Aber: Kreuzer sprach laut Binner im Kardinal-Döpfner-Haus über den Münchner Bürgerentscheid und den derzeitigen Stand der Flugbewegungen im Moos. Das seien, so der CSU-Politiker angeblich, die beiden Hauptgründe, warum man derzeit auf den Bau der Piste verzichten könne. Das Votum der Münchner sei bindend – und die aktuelle Zahl der Starts und Landungen im Moos rechtfertige das Milliardenprojekt nicht.

Das große Aber: Es sei fest damit zu rechnen, dass die Flugbewegungen wieder steigen würden, soll Kreuzer betont haben. Und daher könne die Staatsregierung nicht grundsätzlich auf das bestehende Baurecht verzichten, das man sich vor Gericht erkämpft habe. „In einigen Jahren sehen wir weiter“, sagte Kreuzer laut Aufgemuckt-Chef Binner. Das Dialogverfahren sei damit abgeschlossen. Kreuzers Fazit: Alle vorgebrachten Argumente gegen den Bau einer dritten Startbahn und alle ihm geschilderten Betroffenheiten werde man in eine neue Beurteilung des Großprojekts einfließen lassen.

Der CSU-Politiker selbst dementiert, sich so eindeutig geäußert zu haben. Er sehe nur zwei Möglichkeiten, sagte er unserer Redaktion: „Wir fangen jetzt an. Oder wir sehen jetzt nicht die Notwendigkeit und beobachten weiter.“ Keinesfalls, das bestätigte er, werde man entscheiden, auf das bestehende Baurecht endgültig zu verzichten. Kreuzer will in Kürze mit Ministerpräsident Horst Seehofer ein Vier-Augen-Gespräch führen. Dann soll die Landtagsfraktion abstimmen. Ob vor oder nach der Sommerpause, ist offen.

In strahlende Gesichter blickte Kreuzer danach so oder so nicht. In der Runde der Startbahngegner – mit Landrat Josef Hauner und OB Tobias Eschenbacher – herrschte Enttäuschung über die nun wohl bevorstehende Dauer-Hängepartie: „Für uns ist das unbefriedigend“, sagte etwa Hartmut Binner. Die andauernde Planungsunsicherheit lähme die Menschen und schränke die Entwicklungsmöglichkeiten einer ganzen Region ein. „Auch mein Sohn baut inzwischen woanders.“ Bei Kreuzer löste das Argument des Damokles-Schwerts laut Binner keine Reaktion aus: „Da standen wir da wie vor einer Betonwand.“

Wenig Begeisterung herrschte auch bei Eschenbacher. Er sei nach dem Besuch von Kreuzer „nicht so euphorisch“ wie nach der Visite von Ministerpräsident Horst Seehofer, schilderte er seine Stimmung. Kreuzer habe bestätigt, dass die Entscheidung in der CSU-Landtagsfraktion noch offen sei, und dass er die Argumente der Startbahngegner durchaus sehe. Andererseits habe der CSU-Fraktionschef auch betont, dass es „nicht zu verantworten“ wäre, den genehmigten und auch rechtlich vom VGH bestätigten Planfeststellungsbeschluss aufzuheben. Ohne Grund endgültig auf diese Rechtsposition zu verzichten, käme nicht in Frage.

Fazit des OB: Auch wenn die Startbahn momentan nicht gebaut werde, das Projekt hänge weiterhin wie ein Damokles-Schwert über Attaching, Freising und der Region. Dennoch: Der Besuch der CSU-Spitze aus dem Landtag sei wichtig gewesen. „Dass die das mal gesehen haben“, sagte Eschenbacher.

Das bestätigt Landrat Josef Hauner: „Es war gut, dass die einmal an Ort und Stelle waren. Das schaut vom Domberg schon anders aus als auf einem Plan.“ Als erfreulich ordnet er auch die Tatsache ein, dass die CSU-Fraktion im Landtag nun rasch über das Projekt entscheiden wolle. „Bisher hat man ja nur Anträge abgelehnt.“ Hauner glaubt auch, „dass in nächster Zeit nicht gebaut wird“. Das bedeute freilich für die Betroffenen weiterhin ein Leben in Ungewissheit. „Das wollten wir eigentlich vermeiden“, sagte Hauner. Er habe Kreuzer noch einmal geschildert, wie überhitzt in puncto Wohnen und Verkehr die Region bereits sei und wie kontraproduktiv es sei, ausgerechnet hier ein solches Großprojekt durchzuziehen.

Für Binner war der Kreuzer-Besuch dagegen „nichts anderes als ein weiterer Teil der Verzögerungstaktik“. Die CSU warte darauf, dass die Zahl der Flugbewegungen endlich steigt, um ein Argument für den Bau der Bahn zu haben. Aber: „Die Zahlen werden weiterhin nicht steigen. Die Startbahn wird auch in einigen Jahren nicht zu rechtfertigen sein. Und deshalb bin ich ausgesprochen optimistisch. Wir sind auf einem guten Weg. Die Zeit arbeitet für uns.“

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