Hinauf ging’s zum Lindenkeller, dem ehemaligen Kloster St. Veit. Wilhelm Albrecht von Pax Christi (l.) berichtet von der „Speckknödel-Demonstration“. Foto: Lehmann

Auf dem Kriegspfad - in friedlicher Mission

Freising - Sechs „Denkorte" in Freising zum Thema „Friedenswege und Kriegspfade" standenbei der historischen „Reality Show" des Evangelischen Bildungswerks auf dem Programm. Ein Rundgang.

Man kann viel über Geschichte lesen. Aber besser und eindrucksvoller ist es, wenn man Geschichte hören und sehen kann. „Reality Show“ nennt das Wilhelm Albrecht von Pax Christi, der bei einer Veranstaltung des Evangelischen Bildungswerks Freising 15 Teilnehmer in friedlicher Mission auf den Kriegspfad führte. Sechs „Denkorte“ zum Thema „Friedenswege und Kriegspfade“, die vor allem für die evangelischen Christen von Bedeutung sind, wurden angesteuert.

Viele solcher „Denkorte“ würde man vom Pfarrturm aus sehen. „Seien Sie froh, dass er nicht offen ist“, scherzt Albrecht mit Verweis auf die vielen Stufen, die man sonst an jenem Abend zu erklimmen hätte. Stattdessen pilgert man vom Marienplatz aus zur Friedhofskirche St. Georg - jenem kleinen Gotteshaus, das der evangelischen Gemeinde nach der Zerstörung ihrer Kirche 1945 von Prälat Michael Höck für Gottesdienste zur Verfügung gestellt wurde, wie Albrecht erzählt. Und Pfarrer Wolfgang Deutsch weiß, dass das Altarkreuz eine Dankes-Inschrift dafür trägt.

Ein Hinweis auf das Grabmal von Bürgermeister Max Lehner, der als Rechtsanwalt Juden verteidigte und dafür von den Nazis durch die Straßen Freising gejagt wurde, muss genügen. Zwischenstopp am alten Rathaus in der Bahnhofstraße, das sich die NSDAP als Zentrale „unter den Nagel gerissen hat“ - und wo der erste evangelische Gottesdienst in Freising stattgefunden hat, wie Pfarrer Deutsch weiß. Es folgt der Marsch hinauf zum Lindenkeller, dem ehemaligen Kloster St. Veit, und damit ein Sprung zurück in das Jahr 1527. Albrecht erzählt von der Speckknödel-Demonstration der Protestanten und der Freisingerin Katharina Mair, wofür sie von der „Domberg-Polizei“ verhaftet, intensiv verhört und hart bestraft wurden.

Es folgt der Abstecher zur bis 1803 bestehenden Grenze zwischen Bayern und dem Hochstift Freising, wo gegenüber des alten Marksteins eine Stele steht, die an diesen „Denkort“ erinnert - 1998 von den Rotariern aufgestellt, ergänzt Deutsch. Wieder herab vom Lindenkeller, muss ein kurzer Blick auf den Dom genügen - und die Erwähnung dreier wichtiger Männer: Prälat Michael Höck, Josef Furtmeier, der das Dom-Gymnasium besucht und Kontakt zur „Weißen Rose“ hatte, sowie Carl Amery, Denker und Rebell, in Freising in den politisierenden Kreisen seines Vaters groß geworden und Verfasser des Romans „Die Krypta“.

Und schon ist man dort, wo die evangelische Gemeinde 1955 den Neubau ihrer Christi-Himmelfahrts-Kirche feiern konnte und wo eine Inschrift an den „großen Schmerzenstag für Freising“ erinnert, als bei einem Bombenangriff der Alliierten am 18. April 1945 240 Menschen ihr Leben verloren. „Wir sind jetzt froh, dass ihr diese Kirche habt mit dem stolz gewordenen Turm. Ihr wart ja lange bescheiden“, sagt Albrecht zum Schluss der 80-minütigen „Reality-Show“.

Er bestätigt damit das, was schon während des Spaziergangs immer wieder Thema unter den Teilnehmern war: Die Ökumene in Freising funktioniert und lebt. Auch anschließend beim „Griechen“.

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