Rainer Forster muss seine Veranstaltungen nun genehmigen lassen.

SPD-Spitze kritisiert Diözesansekretär Rainer Forster

„Als KAB-Repräsentant nicht tragbar“

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Freising - KAB-Sekretär Rainer Forster (40) ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Grund: eine ganze Serie von Veranstaltungen mit Referenten aus dem AfD-Lager und mit sogenannten „Verschwörungstheoretikern“. Die SPD hält den Diözesansekretär für „nicht tragbar“. Jetzt hat es ein „ernstes Gespräch“ gegeben.

Er ist Diözesansekretär der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), er ist umtriebig und organisiert fleißig Veranstaltungen: Rainer Forster. Doch wen er da in den vergangenen Monaten eingeladen hat, das beobachtet die Freisinger Kreis-SPD mit Sorge und wachsendem Unverständnis. Denn nicht nur Bayerns AfD-Landeschef Petr Bystron war im April zu Gast bei der KAB, sondern immer wieder treten Referenten in Freising und Erding auf, die viele – auch die SPD-Kreisspitze – zu den so genannten „Verschwörungstheoretikern“ zählen: Ken Jebsen etwa, Daniele Ganser oder auch Willy Wimmer und Rainer Rothfuß, dazu der umstrittene Rapper Kilez More.

Zwei Vorwürfe sind es, die die SPD-Kreisvorsitzenden Peter Warlimont und Beate Frommhold-Buhl erheben: Zum einen könne man solche Referenten schon mal einladen, man dürfe ihnen aber nicht die Bühne überlassen: „Man bräuchte dann jemand auf dem Podium, der es im Kreuz hätte, dagegen zu halten und diese Personen in die Mangel zu nehmen“, formuliert es Frommhold-Buhl. Forster rechtfertigt sich: „Dafür brauche ich keine SPD, damit ich diesen Referenten kritisch auf den Zahl fühle.“ Er habe nach der Veranstaltung mit Bystron sogar eine Pressemitteilung verfasst, in der „die AfD ziemlich verrissen wurde“.

Der zweite Vorwurf zielt auf die Häufung umstrittener Veranstaltungen. Wenn es eine gegeben hätte, könne man das zur Not akzeptieren. Aber eine ganze Serie mit Referenten dieser Kategorie? „Nicht nachvollziehbar.“ Aus diesem Grund haben die SPD-Vorsitzenden in einem Brief an den KAB-Landesvorstand erklärt: „Wir halten Herrn Forster als Repräsentanten der KAB für nicht tragbar“.

Das alles schlägt auch in der KAB hohe Wellen. Dabei sind sich die KAB-Vorsitzenden der verschiedenen Ebenen untereinander nicht einig, wie sie die Aktivitäten Forsters und die Kritik der SPD beurteilen sollen. Eingeschaltet hat sich der KAB-Diözesanverbandsvorsitzende, Freisings Alt-OB Dieter Thalhammer (SPD). Vor einigen Tagen habe es ein „ernstes Gespräch“ der Diözesanspitze gegeben, in dem man Forster klargemacht habe, dass er diese Aktivitäten zu unterlassen habe. Er müsse nicht nur das KAB-Logo von seiner privaten Facebook-Seite nehmen (was inzwischen geschehen ist), sondern auch alle Veranstaltungen bei der KAB-Spitze frühzeitig anmelden – und genehmigen lassen.

Forster wehrt sich: „Ich bin Antifaschist. Aber ich setze mich mit den Themen auseinander.“ Das würde er sich auch von jenen wünschen, die ihm diese Vorwürfe machen. Seine Kritiker seien auf keiner der betreffenden Veranstaltungen gewesen. Forsters Appell: „Lasst die Leute zu Wort kommen, hört ihnen zu, diskutiert mit und macht euch euer eigenes Bild.“

Es gibt an der Basis auch durchaus Rückhalt für Forster. In einem Brief an die SPD haben sich einige KAB-Ortsvorsitzende (aus Neufahrn und Lerchenfeld) und benachbarte Kreisverbände hinter den Diözesansekretär gestellt (siehe Kasten). Nicht unterschrieben hat der KAB-Kreisverband Freising. Kreisvorsitzende Mathilde Gerstl sagt, man werde zunächst am Dienstag ein Gespräch mit Forster führen. Man wolle ihm „nicht schaden“. Das Schreiben an die SPD habe man nicht unterzeichnet, weil man sich erst informieren wolle. Zu den in die Kritik geratenen Veranstaltungen könne sie sich kein Urteil bilden: „Da sind wir einfach nicht hingegangen“. Gerstl: „Forster neigt dazu, nicht teamfähig zu sein. Er arbeitet sehr allein.“

Die Frage an Forster, wie er Abende mit Ken Jebsen oder Daniele Ganser, der eigentlich „hohe Honorarsätze“ verlange, finanziert habe, beantwortet er so: „Sie haben alle nichts verlangt. Keine Sorge, das war nicht aus Kirchensteuergeldern finanziert“.

SPD-Kritik „diskriminierend und unsäglich“

Vertreter der KAB-Kreisverbände Erding-Landshut, Fürstenfeldbruck, Dachau, Mühldorf und einzelner Ortsgruppen aus dem Landkreis Freising (Lerchenfeld, Neustift, Neufahrn, Allershausen) stellen sich demonstrativ vor Diözesansekretär Rainer Forster. In einem Schreiben an den SPD-Kreisverband Freising werden die Vorwürfe der SPD sogar als „möglicherweise strafrechtlich relevant“ eingeordnet. Denn die SPD wirft Forster in einem Schreiben an die KAB-Landesspitze vor, er mache Gedankengut hoffähig, „das humanistischen und christlichen Grundüberzeugungen widerspricht“. Der Erdinger KAB-Kreisvorsitzende Josef Aigner findet den Brief „diskriminierend“ und „unsäglich“. Er begrüße es, dass die KAB wieder hochpolitisch geworden sei. Forster greife Themen auf, „die den Nerv der Zeit treffen“ und der KAB wichtig seien. Darunter seien eben auch Dinge, die in den Medien „selten oder nur zu später Stunde behandelt werden“. Als KAB wolle man über Hintergründe informieren und überlegen, „wie wir uns für eine friedliche Welt stark machen können“, so Forsters Befürworter. Genau das tue der KAB-Mann. 

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