Balanceakt auf zwei Hebekissen: Statt dem üblichen Pkw wurde zu Demonstrationszwecken Franz Hermann (45, r.), Hauptbrandmeister und Schichtmeister der Audi-AG, durch zwei Hebekissen in die Höhe befördert. fotos: rainer lehmann

Der kürzere Weg zum Feuerwehrmann

Freising - Einmalig in Deutschland: Feuerwehr-Azubis können seit diesem Schuljahr zum ersten Mal den kompletten theoretischen Unterricht an der Berufsschule Freising absolvieren.

Zwei rote Feuerwehrautos, zwölf angehende Feuerwehrmänner in dunkelblauen Anzügen mit gelben Neonstreifen und Helmen mit Sichtschutz, sowie diverse Geräte: Der Hof der Berufsschule in Freising ist vor kurzem für einen Fototermin zum Übungsplatz umfunktioniert worden. Statt wie sonst üblich in ihrem Klassenzimmer zu sitzen und die Theorie zu lernen, demonstrierten die Auszubildenden, wie ein Fahrzeug mithilfe von Luftdruck und speziellen Hebekissen angehoben werden kann. Doch statt einem Pkw stand Franz Hermann (45), Hauptbrandmeister und Schichtmeister der Audi-AG, auf den beiden Kissen, um die Übung zu veranschaulichen.

Die Freisinger Berufsschule ist seit dem Schuljahr 2012/2013 bundesweit die einzige, die den kompletten theoretischen Feuerwehrunterricht selbst durchführt. Die Lehrer haben sich dazu in Lehrgängen zu Feuerwehrmännern nachqualifizieren lassen. Zu den unterrichteten Fächern gehören unter anderem Brandschutztechnik und Technische Hilfeleistung. In anderen Bundesländern geben die Berufsschulen diesen speziell auf die Feuerwehr bezogenen Unterrichtsanteil an die staatlichen Feuerwehrschulen ab.

Für den Beruf war früher eine gut dreijährige handwerkliche Ausbildung nötig. Dem schloss sich ein 18-monatiger feuerwehrtechnischer Vorbereitungsdienst an. Nun ist der Weg zum Feuerwehrmann deutlich kürzer.

Die Berufsschule in Freising hat für dieses neue Modell eng mit den vier beteiligten Ausbildungsbetrieben - Audi, dem Flughafen München, Bayernoil (Raffineriegesellschaft) und Infraserv (Dienstleistungsgesellschaft) - zusammengearbeitet. Der Lehrplan ist gemeinsam entwickelt worden, wie Lehrer Thomas Sterr (30), Koordinator und Klassenleiter, erzählt. Der theoretische Unterricht an der Berufsschule findet in Blöcken in einem dafür eingerichteten „Feuerwehrklassenzimmer“ statt. Die Wände sind mit Postern von Löschfahrzeugen beklebt, eine Puppe in orangefarbener Einsatzmontur und Atemschutzmaske steht neben der Tafel. Hier lernen die Schüler die Theorie, ergänzend zur praktischen, handwerklichen Ausbildung in den Betrieben. Die dauert 18 Monate und darauf folgt die ebenso lang andauernde Qualifizierung für den Beruf des Feuerwehrmanns. Die Auszubildenden müssen zum Beispiel ihren Rettungssanitäter und das Sport- und Schwimmabzeichen bestehen. „Die Ausbildung ist unglaublich vielfältig“, betonte Sterr und lobte seinen ersten Jahrgang: „Die Schüler sind sehr engagiert, aufgeweckt und offen. Sie wissen genau, was sie erreichen wollen.“

„Ich mache mein Hobby gerade zum Beruf“, sagte Peter Buhl (20) aus Regensburg, der schon früh Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr war und dem die Ausbildung sehr gut gefällt. „Die Themen, die Ausbilder und die Kollegen - alles ist super“, sagte Dominic Mayer (20) aus München, der gerne den Unterricht in der Berufsschule besucht. Wie Buhl konnte der Münchner einen Ausbildungsplatz am Münchner Flughafen ergattern. Die beiden haben sich dort zusammen mit zwei weiteren jungen Männern in einem umfangreichen Bewerbungsverfahren gegen 116 Mitbewerber durchgesetzt.

Für das neue Schuljahr steht bereits fest, dass noch mehr neue Auszubildende die Schulbank drücken werden. Diesmal werden auch Frauen darunter sein.

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