Die Begeisterung für den Beruf des Feuerwehrmanns ist von Vater Rainer Depta auf Sohn Thomas übergesprungen. Beide absolvierten zuvor klassische Ausbildungen. Foto: fkn

Ladenhüter Lehrstelle

Freising - Im September 2015 waren im Landkreis Freising nur noch 14 Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle - ein guter Wert. Aber: 204 Stellen waren noch unbesetzt. Woher kommt das? Verliert die Ausbildung an Bedeutung?

Rainer und Thomas Depta (52 und 26 Jahre alt) arbeiten am Flughafen München. Beide sind Feuerwehrmänner. Und sie sind Vater und Sohn. Rainer hat seinen Buben öfter mitgenommen, ihm die Fahrzeuge gezeigt - und die Begeisterung für den Job vererbt. Thomas war dann auch als Jugendlicher in der freiwilligen Feuerwehr - bis er sich dazu entschloss, Hobby zum Beruf zu machen. Aber: Bevor beide bei der Feuerwehr anfingen, gingen sie traditionellen Ausbildungsberufen nach. Rainer war Elektriker, Thomas Schreiner. Und genau diese handwerklichen Fähigkeiten und das technische Verständnis helfen ihnen jetzt als Feuerwehrmänner. Sie sind Teil der Kampagne „Elternstolz“ des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Dabei werden Eltern-Kind-Paare gesucht, die den selben Beruf ausüben und ihre Geschichte erzählen. Die soll dazu beitragen, dass Jugendliche wieder eine höhere Meinung von der Ausbildung haben.

Hintergrund: Alleine im Landkreis Freising blieben 204 Ausbildungsstellen unbesetzt. Das sind aber nur die, die bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind. Das IHK-Gremium Erding-Freising spricht sogar von rund 300 Lehrstellen. Bayernweit waren es rund 11 000 Stellen, die nicht vermittelt werden konnten.

Zu viele Stellen für zu wenig Jugendliche - das ist einer der Hauptgründe. Denn: „Im Landkreis haben wir viele starke Branchen“, sagt Agentur-Sprecherin Kathrin Stemberger. Ein Beispiel: der Einzelhandel. Das Angebot ist riesig, rund 80 Stellen für die Ausbildung zum Kaufmann gab es da zu vergeben. Die werden auch stark nachgefragt - doch trotzdem konnte man nicht alle Lehrstellen besetzen.

An der mangelnden Qualifikation liegt es generell nicht, dass Azubi-Stellen unbesetzt bleiben. Etwa 46 Prozent der bei der Agentur gemeldeten jungen Menschen haben die Mittlere Reife, rund 22 Prozent sogar mindestens die Fachhochschulreife, 30 Prozent einen Hauptschulabschluss. „Da kann man nicht von schlechter Ausbildung sprechen. Die sind alle ausreichend qualifizert“, sagt die Agentur-Sprecherin. Doch auch, wenn sich jemand mal schwer tut - kein Problem: Die Agentur für Arbeit biete gezielt Programme an, um den Berufseinstieg zu erleichtern, sagt Stemberger.

Ein großer Faktor ist auch, dass sich mittlerweile viele für den Besuch weiterführender Schulen entscheiden anstatt eine Ausbildung zu machen. „Es gibt einfach viel mehr Möglichkeiten als früher“, sagt Stemberger. Egal, ob M-Zweig auf der Hauptschule, Fachoberschule oder Studium - es gibt viele Formen der Weiterbildung, die Jugendliche mittlerweile nutzen. Und genau dieser Nachwuchs fehlt dann auf dem Ausbildungsmarkt.

Wie reagieren die Unternehmen? „Nicht jeder hat das Problem, dass Nachwuchs fehlt“, sagt Stemberger. Das sei eine „sehr individuelle“ Angelegenheit. Allerdings: Einen Vorwurf müssen sich die lokalen Firmen nicht gefallen lassen - sie seien sehr präsent auf Berufsmessen und leisteten teilweise auch an Schulen Beiträge zur Berufsorientierung. Besonders wichtig ist laut Stemberger, dass Azubis mit am Stand sind - und sozusagen aus dem echten Leben berichten und Berührungsängste nehmen.

Und die Agentur für Arbeit? „Wir versuchen, Jugendliche auch für Berufe zu öffnen, von denen sie noch kein Bild haben.“ Unter anderem geschieht das mit dem Berufetag für Buben und Mädchen oder auch der Berufsfit am Flughafen. Dort ist die Agentur für Arbeit unterstützend tätig. Soziale Berufe für Buben, technische für Mädchen - hier sollen Tabus abgebaut werden.

Otto Heinz, Vorsitzender des IHK-Gremiums Erding Freising, nimmt die Eltern in die Pflicht: „Sie haben nach wie vor den größten Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder.“ Deshalb unterstützt das Gremium auch die Kampagne „Elternstolz“. Heinz: „Mit der Kampagne wollen wir erreichen, dass die Eltern stolz darauf sind, wenn ihre Kinder den Weg der Ausbildung einschlagen.“

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