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Fischsuppe und Co. ließen sich die Genossen auch ohne die übliche politische Aschermittwochswürze schmecken. Wobei: Themen hatten Kreisvorsitzender Peter Warlimont und Jusos-Chef Andreas Mehltretter (stehend, v. l.) genug.

Politischer Aschermittwoch

Fischessen der Kreis-SPD: Sachlichkeit mit sanfter Würze

Landkreis - Auch wenn die Bayern-SPD ihre Veranstaltung zum Politischen Aschermittwoch in Vilshofen abgesagt hat, waren die Genossen im Landkreis Freising zum traditionellen Fischessen in Langenbach zusammengekommen. Und ein bisschen Kritik wurde auch aufgetischt.

Das Zugunglück bei Bad Aibling verpflichte zu sachlichem Ton. Aus Respekt vor den Opfern sei Zurückhaltung gegenüber dem politischen Gegner angesagt, machte Kreisvorsitzender Peter Warlimont deutlich. Dies schließe aber nicht aus, sich in „unaufgeregter Runde“ zu treffen. Als „politischer Hau-Drauf“ sei die Kreis-SPD ja sowieso nicht bekannt. Im Gegenteil. Und deshalb standen sachliche Informationen zu aktuellen Themen im Vordergrund. 

Die große Politik mit den Herausforderungen, die die anhaltend hohe Flüchtlingsbewegung an Europa stellten, stand gleichermaßen im Fokus der Ausführungen von Warlimont und Jusos-Chef Andreas Mehltretter wie die Dinge, die künftig auf die Kreispolitik zukämen. Denn: „Eine Aschermittwochsrede darf nicht an den lokalen Belangen vorbeigehen“, sagte Warlimont. Dass die dritte Startbahn ein reines Expansionsprojekt der FMG sei, bestätige sich immer mehr. „Wenn ich Prämien zahle, um Nutzer meiner Infrastruktur anzulocken, geht es nicht um das Wohl von Bayern, sondern um den wirtschaftlichen Erfolg meines Unternehmens“, spielte Warlimont auf die Vorwürfe an, die FMG habe sich mit millionenschweren Subventionen mehr Flugbewegungen erkauft. Vernunft und Weitsicht möge der Herrgott walten lassen, damit Ministerpräsident Horst Seehofer mit seinen Vorbehalten zur Startbahn gegenüber der „Betonierfraktion“ in der CSU standhaft bleibe. 

Auch das Thema bezahlbarer Wohnraum stand auf der Tagesordnung: Jusos-Chef Andreas Mehltretter merkte an, dass der soziale, öffentlich geförderte Wohnungsbau am Boden liege. „Höchst kurzsichtig“ sei es, wenn Landrat Josef Hauner etwa behaupte, sozialer Wohnungsbau sei nichts, womit sich der Landkreis in irgendeiner Weise beschäftigen müsse. Denn bedingt durch die Asylproblematik sei die Situation vor allem im Großraum München sehr brisant. Harsche Kritik übte Mehltretter an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der die Einführung einer zusätzlichen Benzinsteuer vorgeschlagen hatte, um die Flüchtlingskrise finanzieren zu können. Es gehe nicht an, Verteilungskämpfe zwischen Asylbewerbern und Einheimischen aufzumachen. Deutschland sei ein starkes, reiches Land, in dem sich leider zunehmend eine „Schieflage in der Gesellschaft“ entwickle und sich viele Menschen abgehängt fühlten. Die Steuern für gut Verdienende und Reiche seien weiter gesenkt worden – die Menschen mit mittlerem und kleinerem Einkommen trügen dagegen immer größere Lasten. Dies sei wohl die tiefgreifende Ursache für aufkommende Fremdenfeindlichkeit. „Viele Menschen radikalisieren sich nach rechts, weil sie sich nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft wahrnehmen“, sagte Mehltretter unter dem spontanen Applaus der Gäste, die sich im vollbesetzten Nebenraum des Alten Wirts schmackhafte Fischgerichte schmecken ließen.

Maria Martin

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