Drang zur Selbstverteidigung wächst

Waffen gegen die Angst: Immer mehr Anträge

Landkreis - Fühlen sich die Freisinger in ihrem eigenen Landkreis nicht mehr sicher? Einiges deutet drauf hin: Immer mehr Menschen beantragen den sogenannten Kleinen Waffenschein, der zum Tragen von Schreckschusspistolen berechtigt. Und der Marktwert von Pfefferspray steigt und steigt.

„Fast überall ausverkauft und extrem teuer!“ beschwert sich Petra Bindereder. Die 2. Vorsitzende der Freien Wähler Moosburg hat sich auf die Suche nach Pfefferspray gemacht – einerseits für den täglichen Waldspaziergang, um Wildtiere zu verscheuchen, aber irgendwie auch, um sich sicherer zu fühlen. „In Deutschland ist das Sicherheitsgefühl von früher verlorengegangen“, findet sie. Kein Wunder also, dass Pfefferspray oder andere Reizgaswaffen schwer zu bekommen seien, und, wenn überhaupt, zu hohen Preisen. „Die momentanen Ereignisse, insbesondere die Flüchtlingskrise, verunsichern die Menschen“, sagt sie. „Man kann ja nie wissen.“

Petra Bindereder ist kein Einzelfall. Bei einer Straßenumfrage des Freisinger Tagblatts haben zwar einige Passanten betont, dass sie sich hier im Landkreis sicher fühlen. Es gab aber auch genügend Befragte, die sich vor allem nachts nur noch mit mulmigem Gefühl auf die Straße trauen. Nur: Die wollten nicht mit ihrem Foto in der Zeitung stehen.

Woran man die wachsende Verunsicherung in der Bevölkerung auch bemerkt: Im vergangenen Jahr haben sich besonders viele Menschen den sogenannten „Kleinen Waffenschein“ zugelegt, der beim Landratsamt beantragt werden kann. Eva Dörpinghaus, Pressesprecherin der Behörde, erklärt: „Er berechtigt den Träger zum Besitz von Schreckschusswaffen, darunter zählen Reizstoff- und Signalwaffen, aber auch Seenotwaffen.“ Sie alle müssen – gemäß des relativ strengen deutschen Waffengesetzes – mit dem Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt ausgestattet sein. Das Zertifikat weist darauf hin, dass diese Waffe legal geführt werden darf, erklärt Dörpinghaus. Waffenbesitz ohne dieses Siegel kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden.

Niedrige Hürden für den kleinen Schein

Große Hürden sind für den kleinen Schein aber nicht zu überwinden, berichtet Dörpinghaus weiter: Man muss mindestens 18 Jahre alt sein und benötigt ein tadelloses Vorstrafenregister (Jugendstrafen oder eine Geldstrafe unter 60 Tagessätzen werden toleriert). Außerdem müsse man dafür geistig und körperlich geeignet sein. Das heißt: Nur wer nicht unter Drogen- und Alkoholproblemen oder einer psychischen Erkrankung leidet, darf den Schein besitzen. Die Kosten dafür liegen in Bayern zwischen 30 und 150 Euro.

Von 2010 bis 2013 wurden durchschnittlich 30 bis 40 Kleine Waffenscheine pro Jahr ausgestellt. Im Jahr 2014 waren es zwar nur 19 Anträge, dafür stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 46. Bei der Mehrheit handelt es sich um Menschen in mittlerem Alter. Sie geben an, der Kleine Waffenschein gäbe ihnen ein Gefühl der Sicherheit.

Dass Schreckschusswaffen aber durchaus eine Bedrohung darstellen, sagt nicht nur die Polizei (siehe auch Interview in der Freitagsausgabe des Freisinger Tagblatts). Zu groß ist das Risiko, dass es einen Unschuldigen erwischt. Dehalb dürfen sie auf Jahrmärkten, Volksfesten und bei anderen größeren Menschenansammlungen auch nicht mitgeführt werden. Zu den Anlässen also, bei denen viele besonders Angst vor Angriffen haben.

Markus Holzer

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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