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Lena Kunisch mit ihrer Hündin Lily, die aus Kreta stammt. Die Freisingerin hat sie tief ins Herz geschlossen.

Lena Kunisch – und ihr ganz spezieller Kreta-Einsatz

Grenzenlose Tierliebe

Landkreis - Tierschutz muss über Landesgrenzen hinausgehen, sagt Lena Kunisch. Deshalb reist die 25-jährige Freisingerin regelmäßig nach Kreta, um den Einsatz eines Mannes zu unterstützen, der sein Leben Tieren in Not widmet.

Ein abgemagerter brauner Mischlings-Rüde sitzt am Rande einer Straße, an einer schweren Eisenkette angebunden. Seit zwei Tagen harrt der Kleine dort aus, er hat Durst, Hunger. Man hört förmlich, wie er ihnen „Hilf mir!“ zuruft, den unzähligen Autofahrern, die an ihm vorbeirasen ohne ihr Tempo zu drosseln. Szenen wie diese sind trauriger Alltag in den Ländern Südeuropas, in denen die Menschen Tiere immer noch als Dinge ansehen, die sie nach Lust und Laune benutzen und wegwerfen können.

Auch in Ierapetra, einer Stadt im Südosten der griechischen Insel Kreta. Lena Kunisch kennt diesen Alltag nur zu gut. Die tierliebe Freisingerin verbringt dort ihren Urlaub seit sie sieben Jahre alt ist. 2004 haben ihre Familie und sie Lily mit nach Deutschland genommen. Die ausgesetzte kleine Hündin war damals etwa ein halbes Jahr alt und hatte sich am Hinterbeinchen verletzt. Auch zwölf Jahre später begleitet die ruhige und freundliche Seniorin ihr Frauchen noch oft. Tierschutz darf nicht an den Landesgrenzen aufhören, fordert die 25-Jährige. Deshalb hat die Tiermedizinische Fachangestellte beschlossen, dem Mann in Ierapetra zu helfen, der sich um die Tiere sorgt. Der nicht an dem Mischlings-Rüden vorbeigefahren ist. Der ihn mitgenommen und aufgepäppelt und ihm den Namen Johny gegeben hat: Theoklitos Proestakis, genannt Takis.

Verspielt, verschmust und freundlich sind fast alle Hunde in „Takis Shelter“ in der Nähe von Ierapetra.

Vor vier Jahren verkaufte der ehemalige Nachtclub-Besitzer seine Habe und widmet sein Leben seitdem Tieren in Not. Sieben Tage die Woche versorgt er die rund 180 Hunde und Katzen, die inzwischen auf seinem 500 Quadratmeter großen Grundstück leben, rettet regelmäßig Tiere von der Straße, päppelt sie auf, kümmert sich um ihre Verletzungen. Als Lena Kunisch zum ersten Mal sein privates Tierheim „Takis‘ Shelter“ – „Takis‘ Zufluchtsort“ – besuchte, war sie begeistert. „Er hat die Unterkunft liebevoll hergerichtet und die Hunde sind unglaublich freundlich“, erzählt sie.

Der Eingang in Takis Tier-Zuflucht – einem Platz voller Liebe für die ausgesetzten Tiere Kretas.

Das Grundstück erstreckt sich über drei Terrassen auf einem Hügel, der außerhalb der Stadt liegt. Der 44-Jährige hat Bäume gepflanzt und Wege angelegt. Die Tiere können sich in Hütten zurückziehen, auch unter freiem Himmel liegen Decken, stehen Futter und Wasser bereit, sogar Spielzeug gibt es. „Meine Arbeit ist, einem Hund zu helfen und ein Zuhause für ihn zu finden, wo er für immer bleiben kann. Dann ist wieder Platz für einen neuen Hund“, erzählte er der Deutschen. „Takis ist der erste Grieche, den ich getroffen habe, der Mitgefühl für die Not von anderen Lebewesen zeigt“, sagt die Veganerin. „Und der sich traut, die Missstände anzuklagen.“ So kritisiert er die Untätigkeit der Stadtverwaltung und fordert harte Strafen für Menschen, die ihre Tiere aussetzen.

Klar, dass die Bevölkerung nicht nur glücklich darüber ist. So suchen auch Menschen immer wieder Gründe, um den Tierfreund anzuzeigen. Takis und seine Schützlinge sind also vor allem auf Hilfe und Spenden aus dem Ausland angewiesen. Internationale Zeitungen haben schon über ihn berichtet, außerdem betreibt er seine eigene englisch-griechische Facebook-Seite „Takis Shelter non profit organisation“, der momentan rund 37 500 Nutzer folgen. Deshalb hilft auch Lena Kunisch aktiv während ihrer Aufenthalte vor Ort mit und macht die Menschen daheim auf dieses Projekt aufmerksam. Auf Facebook postet der Kreter regelmäßig Bilder und Videos von seinem Alltag, von den vielen schrecklichen Seiten, aber auch sehr viele positive Erlebnisse. So sind Hunde zu sehen, die sich entspannt in der Sonne räkeln und die miteinander spielen. Die schönen Tiere zu bewundern, die aus bis aufs Skelett abgemagerten und verwahrlosten Kreaturen geworden sind. Die Dankbarkeit zu bestaunen, die sie ihrem Retter entgegenbringen.

Takis und Lena zeigen mit ihrem Einsatz, dass es sich lohnt, für jeden einzelnen Hund anzuhalten, der am Straßenrand auf Hilfe wartet.

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