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Tat- und Fundort: Auf dieser Parkhaus-Toilette am Flughafen wurde das Baby am 30. Juli 2015 entdeckt.

Landgericht Landshut 

Flughafen-Baby: Prozess beginnt am 3. Mai

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Flughafen/Landshut - Es ist so weit: Am 3. Mai beginnt vor dem Landgericht Landshut der Prozess um das Flughafen-Baby. Der Mutter (23) drohen bis zu zehn Jahre Haft. Sechs Verhandlungstage sind vorläufig angesetzt.

Vor Gericht steht eine 23 Jahre alte Deutschtürkin aus Heidenheim (Baden-Württemberg). Verantworten muss sie sich wegen versuchten Totschlags. Ihr Fall hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und wird als der Fall des Flughafen-Babys in die Geschichte eingehen.

Am 30. Juli 2015 landete die 23-Jährige von Dubai kommend am Münchner Flughafen – hochschwanger. Das Au-Pair-Mädchen hatte den Transport einer wertvollen Katze begleitet, die sie am Moos-Airport einem Münchner übergab. Dem kam der Zustand der Botin komisch vor. Er konnte jedoch nicht ahnen, was in den Minuten und Tagen danach geschehen sollte.

Ihre Mutter holte die Heidenheimerin im Terminal 2 ab. Von dort begab sich die junge Frau auf die Toilette, die ebenerdig im Parkhaus P 20 liegt. Auf einer der Schüsseln brachte sie ein Mädchen zur Welt.

Doch anstatt sich um das Neugeborene zu kümmern, ließ sie es im eiskalten Wasser zurück. „Franziska“ wurde das Findelkind getauft. Dass sie überlebte, hat das bald einjährige Mädchen vielen Zufällen zu verdanken. Denn kurz nach der 23-Jährigen suchte eine andere Reisende das WC auf – und entdeckte das Baby. Zufällig waren Beamte der Bundespolizei in der Nähe, wenig später auch ein Notarzt und Sanitäter aus Freising. Sie leisteten Erste Hilfe, ehe die Kleine mit einem Rettungshubschrauber stark unterkühlt ins Haunersche Kinderspital nach München geflogen wurde. Dort wurde sie aufgepäppelt. Heute lebt sie bei Pflegeeltern.

Der Empfänger der Katze war es, der er Kripo Erding den entscheidenden Tipp gab. Er hatte von dem Fall gelesen. In Heidenheim wurde die junge Frau festgenommen. Sie stritt ab, mit dem Baby etwas zu tun zu haben. Doch anhand eines DNA-Abgleichs konnte die Mutterschaft zweifelsfrei geklärt werden.

Die Frau sitzt seither in München in Untersuchungshaft. Erst vor kurzem war ein Antrag auf Entlassung aus der U-Haft abgelehnt worden, nach Informationen unsere Zeitung wegen der zu erwartenden hohen Strafe.

Am Dienstag, 3. Mai, beginnt nun um 9 Uhr der Prozess. Das kündigte Dr. Rainer Wiedemann, Pressesprecher des Landgerichts Landshut, auf Anfrage unserer Zeitung an. Die 23-Jährige muss sich vor dem Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Markus Kring verantworten. Anfang 2016 hatte die Staatanwaltschaft Landshut die Klageschrift eingereicht. Es geht um versuchten Totschlag. Das Gesetz sieht dafür bis zu zehn Jahre Haft vor.

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Experten gehen jedoch davon aus, dass es die Deutschtürkin nicht so hart treffen wird. Eine gewisse Ausnahmesituation aufgrund der Geburt wird man ihr zugestehen müssen. Dennoch wird sie um eine Gefängnisstrafe nicht herum kommen, zumal sie bei den Ermittlungen in keiner Weise kooperativ gewesen sein soll.

Weitere Verhandlungstage sind der 6. und 13. Mai jeweils um 9 Uhr, der 10. Mai um 13 Uhr und der 1. Juni um 13.30 Uhr. Weitere Sitzungen sind nicht ausgeschlossen.

Hans Moritz

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