Bericht aus dem Gericht 

Lkw-Fahrer betäubt: Opfer will doch noch aussagen

Jetzt wird es doch noch eng für die 47-jährige Neufahrner Reinigungskraft: Er soll mehrere Lkw-Fahrer betäubt und ausgeraubt haben – und jetzt will einer von ihnen aussagen.

Neufahrn/Landshut – Richter Markus Kring konnte in aufwändiger detektivischer Kleinarbeit eines der Opfer ausfindig machen. Der Lkw-Fahrer soll nun am heutigen Freitag als Zeuge vor der 1. Strafkammer des Landgerichts auftreten. Wie zum Prozessauftakt berichtet, wird dem 47-Jährigen vorgeworfen, im Dezember 2012 den Entschluss gefasst zu haben, auf Parkplätzen mit türkischen Lkw-Fahrern ins Gespräch zu kommen, sie zu einem Getränk – meist einen Kaffee – einzuladen und das Getränk dann mit dem Beruhigungsmittel Oxazepam zu versetzen. Die danach quasi bewusstlosen Opfer soll er dann beraubt haben. Zu seinem der fiesen Raubtaten soll es am 30. August auf dem Parkplatz des BMW-Geländes in Eching gekommen sein.

Die Anklage stand zunächst auf „wackligen“ Beinen – vor allem, weil die Zeugenladungen die beiden mutmaßlichen Raubopfer in ihrer türkischen Heimat nicht erreicht hatten. Wie Richter Kring zum Auftakt des zweiten Verhandlungstages berichtete, habe sich bei ihm aufgrund des Zeitungsberichts über den Prozess ein Zeuge gemeldet, der die Handynummer eines Opfers übermittelt habe. Der Fahrer sei, so Kring, mit einer Fracht derzeit zwischen Mannheim und Ulm unterwegs und habe bei einem Telefonat den Eindruck gemacht, wenig Lust auf ein Erscheinen vor Gericht zu haben. Allerdings dürfte ihn sein Weg zurück in die Türkei direkt an Landshut vorbeiführen: „Dann könnte man ihn durch die Autobahnpolizei stoppen und vorführen lassen.“

Bei einer neuerlichen telefonischen Kontaktaufnahme sagte der Brummifahrer doch noch zu, zum heutigen Verhandlungstag zu erscheinen – „wenn bis dahin die Probleme mit dem Zoll, die er wegen fehlender Papiere habe, erledigt seien“. Der Ermittlungsführer der Erdinger Kripo berichtete, dass der Lkw-Fahrer erst am Morgen des 1. September nach über 30 Stunden Tiefschlaf Anzeige erstattet habe. Dabei habe er sich vor allem an das auffällige Auto seines gönnerhaften Landsmanns, einen blauen Opel mit Flüssiggasanlage, erinnert. Bei der Auswertung des Videos sei man dann auf den 47-jährigen Angeklagten gestoßen. 

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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