Soll auf dem freien Markt verkauft werden: das sogenannte Bahnbedienstetenhaus in Langenbach,dessen Erwerb durch die Gemeinde geplatzt ist.
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Soll auf dem freien Markt verkauft werden: das sogenannte Bahnbedienstetenhaus in Langenbach,dessen Erwerb durch die Gemeinde geplatzt ist.

Nach gescheiterten Verhandlungen

„Der Bahn die Stirn bieten“: SPD Langenbach will Bedienstetenhaus nicht einfach aufgeben

Der gescheiterte Erwerb des sogenannten Bahnbedienstetenhauses in Langenbach ärgert die SPD vor Ort. Kampflos aufgeben möchte man nicht.

Langenbach - Verantwortlich für den gescheiterten Erwerb des Bahnbedienstetenhauses macht der Arbeitskreis das „Verhalten der Bahn“, die offenbar die Schaffung von mehr Sozialwohnungen gefordert hat, als die Gemeinde aktuell leisten kann. Mindestens vier sollten es laut Bahn sein. Da aber drei der Wohnungen im Bahnbedienstetenhaus vermietet sind, wären selbst mit einem Ausbau des Dachgeschosses maximal nur drei Sozialwohnungen einzurichten. Die fatale Folge: Die Bahn will das Haus jetzt auf dem freien Markt verkaufen. Eine Entwicklung, die man auch im Rathaus bedauert.

Die SPD will das aber laut ihrem Ortsvorsitzenden Johannes Hehnen nicht hinnehmen. „Der Knackpunkt ist die Bahn“, erklärte Hehnen auf Anfrage. Der Plan sei nun, dass sich der zuständige SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post aus München für die Angelegenheit einsetzt. Laut Pressemitteilung will man „der Bahn die Stirn bieten“. Dass das nicht so einfach ist, dafür spricht, dass Florian Post nach Mitteilung von Hehnen bis dato aber noch keinen Kontakt zu der zuständigen Stelle habe knüpfen können. Telefonisch ginge das nicht, da müsse man schon „persönlich vorsprechen“, habe es geheißen, erklärte Hehnen.

Bedienstetenhaus: Bahn habe völlig unverständliche Vorgaben

Aufgeben wollen die Genossen und die Mitglieder des Arbeitskreises das Thema aber auf keinen Fall. Denn, wie man in der Pressemitteilung betont, könne die Gemeinde Langenbach ihr durch Gemeinderatsbeschluss auf den Weg gebrachtes Vorhaben, das Bahnbedienstetenhaus zu erwerben, wegen „völlig unverständlicher Vorgaben der Bahn“ nicht in die Tat umsetzen. Noch dazu geht die SPD davon aus, dass die Bahn, sollte sie das Haus auf dem freien Markt verkaufen, komplett auf die Schaffung von Sozialwohnungen verzichte. „Klar, das würde auch den Verkaufserlös schmälern“, heißt es in der Mitteilung des AK „Bezahlbares Wohnen in Langenbach“.

Weitere Verhandlungen: Geschäftsleiter sieht keine Aussicht auf Erfolg

Auch im Rathaus ist man von der Entwicklung alles andere als begeistert. Wie Geschäftsleiter Bernhard Götz im FT-Gespräch erklärt, habe man keine Kosten und Mühen gescheut, um das Gebäude, für das es sogar ein „Vorkaufsrecht für die Gemeinde“ gebe, zu erwerben. Die Planungen seien Götz zufolge weit gediehen. Demnach wurde ein Architekt beauftragt, der Pläne ausgearbeitet habe, wie das Vorhaben zu realisieren sei – auch und gerade was den Ausbau des Dachgeschosses betrifft. Aber es seien aus besagten Gründen nur drei der vier geforderten Sozialwohnungen herzustellen gewesen, bestätigt Götz. „Drei, mehr ist faktisch nicht möglich“, bekräftigte der Geschäftsleiter.

Auch Götz hält das Verhalten der Bahn für fragwürdig. Eine Richtlinie, dass es beim Erwerb einer Bahnimmobilie so und so viele Sozialwohnungen sein müssten, gebe es seines Wissens nicht. „Es steht nirgends drin“, betont Götz. Man habe das auch angemahnt, aber keinen Erfolg erzielt. Die Wahrscheinlichkeit, doch noch etwas zu bewegen in der Sache, hält Götz bei allem Respekt für die Bemühungen der SPD für gering: „Keine Chance.“ Demnach sei der Zug abgefahren, wie er mit dem Hinweis auf eine Frist für die Einigung, die am 31. Dezember 2020 abgelaufen sei, deutlich macht.

Die SPD wiederum geht in besagter Pressemitteilung davon aus, dass es sich bei der Langenbacher Immobilie „um keinen Einzelfall handelt“. Sie stellt deshalb die Frage in den Raum: „Wie viel der insgesamt 1,2 Milliarden Quadratmeter Bahngrund, die die DB aktuell ihr Eigen nennt, wird den gleichen Weg gehen?“ Und die Genossen wollen wissen: „Ist der Staat als Eigentümer tatsächlich gewillt, dieses Verhalten zuzulassen?“ Die Antworten darauf stehen noch aus.

Alexander Fischer

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