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Kein Pardon: Der Streit um das Erbe von Tante Martha eskalierte in einem Handgemenge. Im Vordergrund: Tina Wegmann und Hans Wadenstorfer.

Premiere der Laienspielgruppe Langenbach

Komödiantische Gratwanderung

Erben will gelernt sein. Vor allem, wenn gleich mehrere Testamente auftauchen und die Verwandtschaft den Hals nicht vollkriegen kann. Der Laienspielgruppe Langenbach ist mit dem Stück „Letzter Wille“ von Fitzgerald Kusz eine Gratwanderung zwischen Realsatire und Komödie geglückt. Bei der Premiere blieb dem Publikum bei aller Komik und Aberwitz so manches Mal das Lachen im Halse stecken.

Langenbach – „I wui nix“, tönte die leicht verschrobene Olga. Die Schwester der Verstorbenen, bravourös dargestellt von Publikumsliebling Tina Wegmann, sollte ihre Meinung bald ändern während einer ebenso schwungvoll wie grotesk in Szene gesetzten Handlung auf der Laienbühne beim Alten Wirt.

Bei der Premiere, die am Freitag leider nicht ganz ausverkauft war, taten sich menschliche Abgründe auf. Habgier, Neid und Niedertracht machten sich vor dem Auge des Betrachters breit. Angestachelt von einem skrupellosen Neffen der ungeliebten Erbtante Martha, gespielt von Hans Wadenstorfer, ließ sich die Familie sogar dazu hinreißen, einen beim Durchstöbern des Hausstandes aufgetauchten „Letzten Willen“ verschwinden zu lassen.

Ein krimineller Akt, wie Karin, die Frau des anderen Neffen Heinz, am Ende des zweiten Aktes feststellte. Eine nicht unwesentliche Rolle kam Klaus, dem Ehemann einer verstorbenen Schwester der Erbtante zu. Ferdinand Stegmayr legte die Rolle des Außenseiters und Saxophonspieler sympathisch, aber auch ein wenig zwielichtig an. Bezeichnend für ein Ensemble, das stellenweise über sich hinauswuchs. Beispielsweise, wenn es turbulent zuging auf der Bühne, wenn es gar zu Handgreiflichkeiten zwischen den Beteiligten kam.

Dass die Laienspielgruppe Langenbach über schauspielerische Qualität und Bandbreite verfügt, das zeigte sich auch und gerade in den hervorragend besetzten Nebenrollen – wie der von „Siggi“. Sie spielte die Ehefrau von Kurt, dem anderen Neffen, der sich ebenfalls Hoffnung auf einen großen Reibach machte. Die Darstellerin von „Siggi“ gab das leidlich betrunkene und schrille Enfant terrible der Familie. Eine Figur, die ebenso immer für einen Lacher gut war wie besagte Olga. Die Bühnenpräsenz und die Spiellaune einer Tina Wegmann war freilich nicht leicht zu überbieten bei dem über fünf Akte gehenden, mit Verve und Chuzpe inszenierten Leichenschmaus. Fazit: Den tosenden Schlussapplaus und den kleinen Schnaps, den Bürgermeisterin Susanne Hoyer auf der Bühne kredenzte, hatten sich die Laienspieler verdient.

Die Komödie „Letzter Wille“ ist noch am Freitag, 13. Oktober, am Freitag, 20. Oktober, und am Samstag, 21. Oktober, zu sehen. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

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