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Wollen gemeinsam am Ball bleiben: Lamin Landi und SVL-Abteilungsleiter Sebastian Zitzelsberger. Der Senegalese ist bei den Fußballern geschätzt – als Mitglied der Reservemannschaft, aber vor allem auch als Mensch.

Asylantrag abgelegt

SVL-Fußballer Lamin Landi droht die Abschiebung  

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Er ist pünktlich und zuverlässig, packt an, wenn er gebraucht wird: Lamin Ndiaye Landi hat Tugenden, die als „typisch deutsch“ gelten. „Da könnten sich einige Mitglieder eine Scheibe von abschneiden“, sagt Patrick Peuker, Technischer Leiter bei den Langenbacher Fußballern. Ob Lamin dem SVL – als Kicker, als Helfer und als Mensch – erhalten bleibt, steht allerdings in den Sternen.

Langenbach – Der Grund: Der 20-jährige Senegalese, der in Deutschland einen Antrag auf Asyl gestellt hat, soll ausreisen. Sein Gesuch wurde abgelehnt. Der Verein will um ihn kämpfen.

Als Lamin 2016 nach Langenbach kommt, ist der Fußballplatz für ihn so etwas wie eine Anlaufstelle. „Er war immer da, hat uns beim Training zugeschaut“, erinnert sich Patrick Peuker. „Wir haben ihn dann natürlich mitspielen lassen, haben ihm Fußballschuhe besorgt, weil er keine hatte.“ Lamin findet sich schnell zurecht. Er spielt in der Zweiten Mannschaft in der C-Klasse, hat aber auch schon zwei Ligen höher in der Ersten gekickt. Zehn Mal lief er in dieser Saison für die Reserve auf, brachte es als Mittelfeldmann dabei in 717 Einsatzminuten auf drei Tore. Doch das, diese Statistiken, sind Peuker nicht wichtig. „Er ist ein netter und freundlicher Mensch, auf den man sich zu hundert Prozent verlassen kann.“ So wie Ende Juni bei der Jubelfeier zum 60- jährigen Bestehen des Klubs, als die U 19 des TSV 1860 in Langenbach gastierte. „Da hat Lamin natürlich beim Aufbau geholfen. Er hat sich vorbildlich engagiert.“

Die Langenbacher Fußballer haben Lamin nicht nur als Spieler, sondern als Menschen kennengelernt. Sie wissen um seine Geschichte. Lamin Landi stammt aus der Region Casamance im Senegal, er gehört dem Volk der Wolof an und ist sunnitischen Glaubens. Vor seiner Flucht arbeitete er als Farmer bei seiner Familie – bis Rebellen in die Ortschaft kamen, ihn verschleppten und seinen Vater ermordeten. Lamin schaffte es zu fliehen. Auf der Busroute gelangte er nach Libyen. Er fand einen Platz in einem Flüchtlingsboot gen Italien. „Das ging aber kaputt, er musste schwimmen“, erzählt Peuker. Ein Erlebnis, das den jungen Mann gezeichnet hat. „Wenn wir Ausdauertraining im Freibad machen, kommt er nicht gerne mit. Das ist mehr als verständlich.“

Doch Lamin wurde gerettet. Er stellte einen Asylantrag in Italien, kam wenig später nach Deutschland. Hier lebte er zunächst in Flüchtlingsunterkünften in München, bevor er 2016 nach Langenbach versetzt wurde und bei den Fußballern Anschluss fand.

Diese Zeit soll nun enden. Lamins Asylantrag wurde abgelehnt, weil er schon in einem sicheren Drittstaat, in Italien, ein Gesuch eingereicht hatte. Dieses war ebenfalls negativ beschieden worden. Neue Anhaltspunkte, dass ihm im Senegal Gefahr für Leib und Leben drohen würde, hätten sich inzwischen nicht ergeben. Die Konsequenz: Lamin wird aufgefordert, Deutschland innerhalb einer Woche zu verlassen – sonst wird er abgeschoben. So steht es im Bescheid, den er am vergangenen Montag erhalten hat. „Darin wird der Senegal als sicheres Herkunftsland eingestuft. Angesichts dessen, was Lamin erleben musste, ist das allerdings stark zu bezweifeln“, sagt Patrick Peuker. Der 20-Jährige sei gut integriert. Er versuche, eigenständig Deutsch zu lernen – einen Platz in einem Sprachkurs habe er nicht gefunden. „Er trinkt keinen Tropfen Alkohol, nach den Spielen greift er höchstens mal zu einer Dose Red Bull“, schmunzelt Peuker und fügt an: „Er ist ein kluger Kopf, er will arbeiten und sich etwas aufbauen.“

Doch dieses Thema steht hintan. Lamin Landi hat am Mittwoch beim Verwaltungsgericht München Klage gegen den Bescheid und einen Eilantrag eingereicht. Er hat nun einen Monat Zeit, um ein Abschiebungsverbot zu begründen. Dabei wird er auch von einer Münchner Anwaltskanzlei vertreten, die zur Zeit seine Akten prüft.

„Wir werden versuchen, ihn dabei so gut es geht zu unterstützen“, betont Peuker. „Vielleicht auch in Form einer Unterschriftenaktion.“ Ob das etwas nützt? „Ich weiß es nicht. Als Verein stoßen wir da an unsere Grenzen. Und auch diese Klage hat ja nur aufschiebende Wirkung.“ Nur so viel kann er sagen: „Lamin ist ein Teil unseres Vereins, unserer Gemeinschaft.“

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