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Langenbachs Naturkindergarten erntet harsche Kritik an „bewusster Einfachheit“

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Der Naturkindergarten auf dem ehemaligen Waldmarie-Grundstück ist in die Kritik geraten. Völlig zu Unrecht, wie Kindergartenleitung und die Verantwortlichen im Rathaus finden.
Der Naturkindergarten auf dem ehemaligen Waldmarie-Grundstück ist in die Kritik geraten. Völlig zu Unrecht, wie Kindergartenleitung und die Verantwortlichen im Rathaus finden. © Fischer

Ein Diplomingenieur übt harsche Kritik am Bau des Langenbacher Waldkindergartens. Er spricht von einer „Fehlkonstruktion“. Rathaus und Kindergartenleitung widersprechen vehement.

Langenbach – Die Vorwürfe wiegen schwer. Ingenieur Lorenz Hausruckinger lässt in einem geharnischten FT-Leserbrief kein gutes Haar an dem Naturkindergarten an der alten Inkofener Straße. Er wundert sich: „Wie kann es passieren, dass ein Gebäude, noch dazu ein Holzbau, schon im Grundwasser steht, bevor es bezogen ist.“ Und er mutmaßt, dass „die nachträgliche Anhebung des Naturkindergartens“ auf dem ehemaligen Waldmarie-Grundstück „sicher einige tausend Euro gekostet hat.“ Helfen wird die Aufständerung der „weit über 100 000 Euro“ teuren Außenstelle des Kindergartens „Mooshäusl“ laut Hausruckinger nicht. Der moderne Bau bleibt seiner Ansicht nach Stückwerk. Daran könnten auch Blechverkleidungen gegen die Feuchte nichts ändern. Er befürchtet, dass „Rattenlöcher“ entstehen könnten. Damit nicht genug. Hausruckinger stört sich daran, dass es im Waldkindergarten keinen Strom und keinen Wasseranschluss gibt. Die Kinder „sollen ja auf´s Trockenklo und sich die Hände im Kübel waschen“, bemängelt Hausruckinger. Die Betriebskosten für Entsorgung der „laufend anfallenden Fäkalien“, erachtet er als erheblich.

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Dem hält die Kindergartenleitung ein pädagogisches Konzept entgegen, wonach es ja gerade Sinn und Zweck ist, die Kinder an die Natur heranzuführen. Leiterin Silvia Aumüller teilte auf Anfrage mit: „Kinder brauchen Bewegung, Begegnung mit Natur. Wir haben uns bewusst für eine Naturgruppe entschieden. Das Gebäude selber ist ideal, denn es gibt Schutz vor extremer Witterung, ist geräumig und gut isoliert. Das Häuschen sollte einfach bleiben, dies entspricht der Intention einer Naturgruppe. Die Gruppe bleibt im Hauptfokus im Freien. Das Gebäude mit einfacher Komposttoilette und Holzofen soll die Kinder bewusst Einfachheit erleben lassen.“ Stellvertreterin Monika Ziegltrum ergänzt, dass die Kinder das fast fertige Gebäude schon fleißig nutzen. Sie zeigten sich begeistert. „Es ist der Traum, ein echtes Sahnestück“, sagt Ziegltrum. „Wir laden Herrn Hausruckinger gerne einmal ein“, schlägt sie in Bezug auf einen angedachten Tag der offenen Tür vor.

Bauamtsleiter Peter Kiessling hält die Vorwürfe von Hausruckinger für haltlos. Von einer Fehlplanung könne aus seiner fachlichen Sicht keine Rede sein. „Das ist schlichtweg falsch“, so Kiessling. Man habe sich beim Bau strikt an die Höhenkoten gehalten. Dass es einer Anhebung des Gebäudes bedurfte, das führt der Bauamtsleiter auf ein noch nie dagewesenes Starkregenereignis zurück. Von der Höhenlage her sei das Gebäude jetzt aber auf der sicheren Seite. Auch die Gefahr einer Durchfeuchtung sieht der Bauamtsleiter nicht.

Bürgermeisterin Susanne Hoyer ist mit Blick auf die Kritik wichtig, dass man von vornherein alles abgestimmt hat – mit der Kindergartenleitung und mit den zuständigen Behörden. Als Beispiel nennt sie die „Fachstelle für Kindertageseinrichtungen“ – gerade was die Hygiene und die Ausstattung einer Schutzhütte für eine Naturgruppe betrifft. Hoyer verweist auf das pädagogische Konzept, das man mit der Außengruppe verfolgt. Demnach sollte „die Natur als Lehrmeisterin auf dem Entwicklungsweg der Kinder“ im Vordergrund stehen. Hoyer ist überzeugt, dass man diesem Anspruch gerecht wird.

Alexander Fischer

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