Genug Nahrung für die Bienen gibt’s auf den Blühflächen von Susanne und Martin Wildgruber. Pate werden kann jeder. LEX
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Genug Nahrung für die Bienen gibt’s auf den Blühflächen von Susanne und Martin Wildgruber. Pate werden kann jeder.

„Jeder kann Gutes tun“

Insekten-Paradies statt Ackerfläche: Familie Wildgruber aus Niederhummel bietet im dritten Jahr Blühpatenschaften an

2019 haben sich die Wildgrubers aus Niederhummel dazu entschlossen, Blühpatenschaften anzubieten. Jetzt geht das Projekt in die dritte Runde - Unterstützer werden gesucht.

Niederhummel – „Rettet die Bienen“ war 2019 in Kurzform ausgedrückt das Ziel des Volksbegehrens, mit dem bayernweit dem Artenverlust, insbesondere dem Rückgang der Wildbienen und Schmetterlinge, entgegengewirkt werden sollte. Zu einem Volksentscheid kam es nicht, da der Bayerische Landtag das Volksbegehren annahm und einige tief greifende Änderungen des Bayerischen Naturschutzgesetzes bereits am 1. August 2019 durch Landtagsbeschluss in Kraft traten.

„Wir machen gemeinsam etwas für die Insekten- und Artenvielfalt“

Damals entschlossen sich Susanne und Martin Wildgruber aus Niederhummel, einen Teil ihrer Flächen für die Aktion „Blühpatenschaften“ zur Verfügung zu stellen. Die Wildgrubers waren dabei Vorreiter dieser Patenschaften, mit denen quasi jedermann – gegen einen kleinen Obolus – helfen konnte, die Biodiversität zu stärken, und Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten das Überleben zu erleichtern. Die Familie versprach, für die Aktion über fünf Jahre eine bestimmte Fläche bereitzustellen. Martin Wildgruber rief damals auf: „Beteiligt euch, wir machen gemeinsam etwas für die Insekten- und Artenvielfalt!“

Aus Braun wird Grün: Landwirt Martin Wildgruber will seinen Acker in eine Blühfläche verwandeln. Archiv

Das engagierte Vorhaben fand im Nu Interessenten, die bereit waren, für einen Betrag von 50 Euro pro Jahr sich mit einer Fläche von 100 Quadratmetern zu „verpaten“. Etwa 100 Patenschaften wurden damals spontan übernommen, der landwirtschaftliche Betrieb stellte zusätzlich eine gleichgroße Fläche zur Verfügung, die als Blühfläche der Biodiversität dienen sollte. Die Aktion wurde ein voller Erfolg, Patenurkunden wurden ausgegeben, eine Tafel erinnert noch heute an die Naturfreunde, man stellte sogar eine Sitzbank am Feldrand auf, um gemeinsam die bald blühende Fläche genießen zu können. Es wurden sogar Patenschaftstreffen organisiert.

2020 ließ das Interesse nach, nun hofft man auf neue Paten

Im zweiten Jahr der Aktion ließ das Interesse an der Unterstützung der Natur durch Blühflächen dann aber doch deutlich nach. Obwohl einige neue Paten hinzukamen, ging die Zahl der aktiven Naturschützer in Richtung Artenerhalt doch massiv abwärts. Der Hype, den das Volksbegehren und die Über-nahme dessen Forderungen durch die Landesregierung 2019 erzeugt hatten, ging im vergangenen Jahr zurück. „Dabei können wir noch froh sein“, sagt Martin Wildgruber. „Gleichartige Aktionen in anderen Landkreisen sind längst wieder eingeschlafen oder werden nur noch von einigen wenigen Aktiven getragen.“

Ob die Corona-Pandemie dafür verantwortlich gemacht werden kann, sei fraglich, meinen die Wildgrubers. Patenschaftstreffen jedenfalls waren nicht mehr möglich, die Aktiven wichen auf elektronische Medien aus, um sich virtuell zu treffen und Informationen auszutauschen – die „verpateten“ Flächen standen ja in voller Blüte.

Gute Alternative für Leute ohne Garten

In diesen Wochen geht die Aktion „Blühflächen“ nun in ihr drittes Jahr. Die Wildgrubers sind entschlossen, das Vorhaben über die versprochenen fünf Jahre zu bringen. Mahnfeuer und grüne Mahn-Kreuze sind das eine, sagt Martin Wildgruber. Aber man müsse auch den Bürger und die Bürgerin aktiv in die Probleme und Aktivitäten der Landwirte einbeziehen. Jetzt ist eine Auffrischungssaat geplant. Susanne Wildgruber sagt: „Wir sind gespannt, wer in diesem Jahr wieder dabei ist.“

Das Paar hofft, dass sich mehrere neue Paten finden. Denn Umwelt- und Naturschutz gehe nicht nur die Landwirte etwas an. „Jeder kann in seinem Garten einen Blühstreifen anlegen“, erklärt Martin Wildgruber. „Wer keinen Garten hat, oder wer darüber hinaus etwas tun will, der kann es bei uns blühen lassen und den Insekten damit Gutes tun.“ Nur wenn viele mitmachen, werde sich der Erfolg einstellen.

Und das Mitmachen ist recht einfach, das Erleben von Gemeinschaft eingeschlossen. Die Blühflächen können von den Paten auch für ein Jahr verschenkt oder Kindern gewidmet werden. Firmen und Organisationen, die etwas für die Biodiversität tun wollen, sind ebenso willkommen.

Gut zu wissen

Wer an einer Blühpatenschaft interessiert ist, kann die Wildgrubers per Mail an www.martin.wildgruber@mail.de kontaktieren.

Raimund Lex

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