72-Stunden-Aktion

Pfadfinder „wecken“ Langenbacher Bahnhof auf

Der alte Bahnhof gammelt vor sich hin. Ein schönes Bild gibt das aufgelassenen Gebäude nicht ab – von einer Nutzung ganz zu schweigen. Das könnte sich jetzt, nach der 72-Stunden-Aktion von den Langenbacher Pfadfindern jedoch ändern.

Langenbach– Die Begeisterung bei Bürgermeisterin Susanne Hoyer war groß. Dass es die Pfadfinder geschafft hatten, die Räumlichkeiten im ersten Stock des alten Bahnhofsgebäudes binnen so kurzer Zeit „aus dem Dornröschenschlaf zu wecken“, nötigte der Rathauschefin größten Respekt ab, wie sie vor Kurzem im Gemeinderat deutlich machte.

Die gelungene Renovierungsaktion ermöglicht jetzt womöglich sogar, dass das bis dato im Dachgeschoss des Rathauses untergebrachte „Kleiderstüberl“ in den alten Bahnhof umziehen kann. Dies schlug Hoyer dem Gremium vor. Wohlgemerkt, nach dem sie Bilder gezeigt hatte, die dokumentierten, welche Wunder die Pfadfinder mit ihrer Aktion im alten Bahnhof bewirkt hatten. Strom sei da, Wasser auch, bloß über eine Heizung verfüge man noch nicht, erklärte die Rathauschefin.

Dass der alte Bahnhof Potenzial bietet, davon zeigte sich Hoyer überzeugt. Sie verwies auf die Studie einer Gruppe von Studenten, die sich um städtebauliche Perspektiven in Langenbach gekümmert und entsprechende Projekte im Bürgersaal der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Darunter auch ein Vorschlag, wonach man den alten Bahnhof mit Hilfe städtebaulicher Fördermittel von Grund auf sanieren und etwa ein Café und einen Backshop darin unterbringen könnte.

Dass die Pfadfinder mit ihrer spektakulären Aktion so vorgeprescht seien, das habe man laut Hoyer so zumindest nicht erwarten können. Sie habe damit gerechnet, „dass die da erst einmal richtig aufräumen und vielleicht die Altlasten entsorgen“. Erst als die Pfadfinder nach Farbe und dergleichen gefragt hätten, habe ihr gedämmert, wo die Reise hingehen könnte. Dahin nämlich, dass praktisch bezugsfertige Räume im alten Bahnhof entstehen.

„Ich habe erst gedacht, es geht nicht, aber es geht definitiv“, sagte sie zu der Aktion und zu der Vorstellung, das Kleiderstüberl im Bahnhof unterzubringen.

Unabhängig davon warf die Aktion im Gemeinderat Fragen auf. Etwa die, was es kosten würde, eine Heizung zu installieren. Oder die, ob die Pfadfinder, wie bereits gemunkelt, nicht selbst Ansprüche auf die frisch renovierten Räumlichkeiten erheben würden. Letzteres verneinte Hoyer. Schließlich hätten sich die Pfadfinder mit ihrer 72-Stunden-Aktion verpflichtet „etwas für andere zu tun“.

Als Heizmöglichkeit zog Hoyer eine Art Nachtspeicherheizung in Betracht. Gemeinderat Elmar Ziegler (CSU) taxierte die Kosten dafür auf etwa 10 000 bis 20 000 Euro. Ziegler war es auch, der die Frage nach dem Fluchtweg aufwarf. Walter Schmidt (PFW) erklärte, man könne das mittels tragbarer Leitern garantieren. Johannes Hehnen (SPD) spielte derweil auf eine Nutzung durch die Pfadfinder an. Hoyer versicherte jedoch, dass die Pfadfinder in Sachen Bahnhofsanierung genau so behandelt würden wie jeder andere Verein auch. Zwar stehe deren Lager im alten Pfarrkindergarten nach dessen Abriss zur Disposition, das bedeute aber nicht automatisch, dass dafür der Bahnhof in Betracht komme.

Am Ende einigte man sich auf einen Grundsatzbeschluss, wonach der Umzug des Kleiderstüberls weiterverfolgt und forciert werden soll. Wie Hoyer indes mitteilte, hat inzwischen eine Orstbesichtigung durch das Gremium stattgefunden. Dabei habe man sich sogar noch mehr mit der Idee anfreunden können, das Kleiderstüberl in den Bahnhof umzusiedeln.

Alexander Fischer

Lesen Sie auch: Im Kleinen anfangen: Jugendliche engagieren sich bei 72-Stunden-Aktion für bessere Welt

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mann dreht nach Unfall in Rettungsgasse um - und kracht fast gegen Polizeiauto
Weil einem BMW-Fahrer (58) der Stau nach einem Unfall auf der A92 zu lange dauerte, fuhr er in der Rettungsgasse zurück - und krachte fast in ein Polizeiauto.
Mann dreht nach Unfall in Rettungsgasse um - und kracht fast gegen Polizeiauto
Neues Irish Pub mit Biergarten in Moosburg: Das erwartet die Gäste im The Corner House
In Moosburg gibt es bald wieder ein Irish Pub. Hier erzählt das junge Wirte-Paar, worauf sich die Gäste in ihrem The Corner House freuen dürfen.
Neues Irish Pub mit Biergarten in Moosburg: Das erwartet die Gäste im The Corner House
Shitstorm ausgelöst: FW-Abgeordneter postet rechte Zukunftsvision - und rechtfertigt sich mit „Satire“
FW-Landtagsabgeordneter Benno Zierer hat einen Shitstorm ausgelöst: Grund dafür war ein Post auf seiner Facebook-Seite - den er im Nachhinein als „Satire“ rechtfertigt.
Shitstorm ausgelöst: FW-Abgeordneter postet rechte Zukunftsvision - und rechtfertigt sich mit „Satire“
Endlich: Werte im Wasser stimmen wieder – fresch in Freising öffnet alle Becken
Gute Nachrichten für alle Wasserratten: Wie die Stadtwerke am Montagnachmittag mitteilten, können ab sofort wieder alle Becken im Freisinger fresch genutzt werden.
Endlich: Werte im Wasser stimmen wieder – fresch in Freising öffnet alle Becken

Kommentare