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SPD-Fischessen in Langenbach

Selbstkritik und Politikerschelten: Der Aschermittwoch der Landkreis-SPD

An Gesprächsbedarf mangelte es diesmal nicht beim Aschermittwoch der Landkreis-SPD. Der Groko-Frust, die Chaos-Tage in Berlin und das anstehende Mitglieder-Votum – all das war noch lange Thema an den voll besetzten Tischen beim Alten Wirt. Lange, nachdem die offiziellen Reden gehalten waren.

Langenbach– Gut fünfzig Mitglieder waren zum Meinungsaustausch mit Landtagskandidat Markus Grill  und Victor Weizenegger gekommen, der für den Bezirkstag antritt. Bei aller Selbstkritik kam aber auch die Schelte für den politischen Gegner nicht zu kurz.

Grill begann mit dem „Leviten lesen“ bei der FDP, die er als „NGO für Besserverdiener“ bezeichnete. Der CSU hielt er vor, trotz eines lustlosen Wahlkampfs, „spielend den Wahlkreis Freising“ gewonnen zu haben. Besserung ist laut Grill nicht in Sicht. Nicht seitdem klar sei, dass man unter Horst Seehofer aus dem Innenministerium ein Heimatministerium machen will. Er rechne mit einer „CSU-Endlosschleife zur Profilierung im Wahlkampf“, sagte Grill. An Kanzlerin Angela Merkel störe ihn, dass sie nur moderiert, statt die Richtlinien vorzugeben. Laut Grill der Grund für den in der Öffentlichkeit wahrgenommenen „Stillstand“ in der Bundespolitik. Wer die Grünen erleben wolle, der müsse sich nur „ihre Performance in Freising“ ansehen, ätzte Grill. In Sachen Abseits-Rettung warf er den Grünen „Klientelpolitik“ vor. Der jüngst beschlossene Kauf könne die Stadt „noch recht teuer kommen“, warnte der Landtagskandidat. Das Auftreten der eigenen Partei hält Grill für „unprofessionell“. Er vermisse die klare Abgrenzung zur Union, monierte er. „Nur der etwas Sozialere zu sein“, das reiche nicht.

Weizenegger brachte indes seinen Groll über SPD-Parteichef Martin Schulz zum Ausdruck. Er verglich ihn mit „Horst Drehhofer“ und mutmaßte, der habe ihm wohl schon den Posten des Bayerischen Ministerpräsidenten angeboten. „So von Wendehals zu Wendehals“. Schlimm fand Weizenegger den Einzug der AfD in den Bundestag. Einer Partei, die es mit den Rechten anderer „allgemein“ nicht genau nehme, wie er fand. Und eine, die mit Johannes Huber einen Wahlkreiskandidaten ins Rennen geschickt habe, der „zuverlässig keine Ahnung hatte“.

Auf’s Korn nahm Weizenegger auch die CSU und ihre Haltung zur 3. Startbahn. Markus Söder würde das Thema demzufolge am liebsten bis 2021 aufschieben. „Wenn alle Wahlen gelaufen sind“, wie er mutmaßte. Auch die Grünen bekamen ihr Fett weg. „Hauptsache sie erzählen allen, wie sehr sie gegen die 3. Startbahn sind“, fand der Bezirkstagskandidat. Und er stellte klar: „Es ist die SPD, die diese Startbahn seit Jahren verhindert!“

Alexander Fischer                                                              

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