„Lebe dein Leben!“

Moosburg - Als Charly Cox von seiner unheilbaren Krankheit erfährt, beginnt für ihn eine Reise zu sich selbst. Die Bühne Moosburg hat „Willkommen in deinem Leben“ überzeugend einstudiert.

Langanhaltenden Applaus gab es für die Leistungen der Schauspieler nach der Premiere am Freitagabend. Die Tragikomödie „Willkommen in deinem Leben“ von Michael McKeever ist eine reichlich bizarre Geschichte, die sich dem Moosburger Publikum erst nach und nach erschloss: Nachdem Lektor Charly Cox (Felix Mayer) erfahren hat, dass er nur noch wenige Monate zu Leben hat, fährt er ziellos mit dem Auto quer durch die Wüste Arizonas. Als sein „persönlicher“ Tod Wally (Alex Vitzthum) auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, beginnt ein verbales Duell zwischen den beiden. Doch dieses entpuppt sich immer als eine Hymne an das Leben.

Nach einer Autopanne landen Charly und Wally im trostlosen Motel von Nell (Lisa Osterloher). Dass sich dort zarte Liebesbande zwischen dem angeblich Todgeweihten und der hübschen Nell entwickeln, ist Wally ganz und gar nicht recht. Herrlich, wie hundsgemein und schmierig Alex Vitzthum die Rolle als skrupelloser Seelenverkäufer mimt. Völlig überraschend tritt auch noch Kiki (Michaela Schlecht) auf. Als „personifizierte Liebe“ will sie dem „Schönsten aller Gefühle“ zum Sieg verhelfen. Wunderbar, welch’ geistreiches und anrührendes Zwiegespräch sich da mit dem Tod entwickelt. Im knallroten Abendkleid und mit Blindenstock zeigt Kiki bildlich: Liebe macht blind. Eine tolle und sehr stimmige Idee der Regie.

Auch das Bühnenbild (Herbert Kramkowski und Hanni Gamel-Kollmannsberger) stand großen Häusern fast in nichts nach. Der alte Mief des Motelzimmers, in dem Charly und sein Tod Wally nach der Autopanne landen, konnte von den Zuschauern regelrecht gerochen werden. Im großen Kontrast dazu standen die erfrischenden Szenen und das witzige Gerangel zwischen Liebe und Tod, das immer wieder für kräftigen Zwischenapplaus sorgte. Amüsement rief auch das unerwartete Erscheinen von Nells Nachbarn Travis (Markus John) hervor.

Die wunderbaren Rollen waren bestens besetzt. Beeindruckend, wie die beiden Protagonisten Charly und Nell zum Schluss beschließen, alles hinter sich zu lassen, um dem Appell von Kiki zu folgen: „Hör auf zu sterben und lebe dein Leben vor dir.“ Regisseur Frank Junge ist eine klare, schlüssige und vor allem sehr bewegende Inszenierung gelungen. Die Zuschauer nahmen am Ende dessen Botschaft mit nach Hause: „Lebe dein Leben, genieße es, erstarre nicht.“ (mam)

Gut zu wissen

Weitere Vorstellungen am kommenden Freitag und Samstag sowie am 4. und 5. April in der Schäfflerhalle. Beginn: 19.30 Uhr.

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