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Die Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA) in Freising: 70 Mitarbeiter des anerkannten Instituts bangen jetzt um ihre Jobs. 

Renommierte Forschungsanstalt vor dem Aus

Betrugsvorwürfe gegen Instituts-Leitung

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Freising - Ein renommiertes Forschungsinstitut steht vor der Insolvenz. Es gibt Betrugs-Vorwürfe, Razzien, lautstarken Streit – und 70 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs. Trotzdem wird vom Wirtschaftsministerium alles unter dem Deckel gehalten.

Für die Angestellten des Instituts begann der Alptraum am 15. Dezember 2015: Um 9 Uhr morgens rollten sechs Wagen an, Staatsanwälte und Polizisten stürmten ins Gebäude, verhörten einzelne Mitarbeiter bis zu sieben Stunden lang, beschlagnahmten Aktenordner – „28 volle Leitzordner mit Belegen“, wie es heißt.

Die 70 Mitarbeiter – Forscher, Doktoranden, Verwaltungsangestellte – erfahren nur über den Flurfunk, worum es eigentlich geht: Der inzwischen in die Rente „geflohene“ Verwaltungsdirektor Norbert F. (Name geändert) soll Gelder veruntreut haben. Wie viel, ist noch unklar – das Gesamtbudget aus staatlichen Mitteln liegt bei etwa 3,5 Millionen Euro jährlich, dazu kommen noch Drittmittel aus der Privatwirtschaft. Doch auch gegen die Leiter Prof. Roland T. (Name geändert) und seinen Vize Prof. Franz R. (Name geändert) wird wegen Betruges und Untreue ermittelt. Der Verwaltungsdirektor F. war danach „Knall auf Fall weg“, heißt es aus der DFA.

Der Direktor und sein Vize kämpfen jedoch bis heute um ihre Ehre: Das bayerische Wirtschaftsministerium will Prof. T. zum Rücktritt zwingen, aber der wehrt sich. Zwar wurde inzwischen Prof. Anna Maria Reichlmayr-Lai als kommissarische Direktorin installiert – ihr Vorgänger wird kalt gestellt, bleibt aber Leiter im Bereich „Charakterisierung von endogenen Lebensmittelinhaltsstoffen“. Und R. bleibt Vize-Direktor. Denn bei dem Gerangel zwischen T. und dem für das Forschungsinstitut zuständigen Wirtschaftsministerium geht es auch darum, dass sich der als Direktor geweigert hatte, die Struktur der Forschungsanstalt ändern zu lassen: Sie wurde von einer Stiftung des öffentlichen Rechts in eine Stiftung des bürgerlichen Rechts überführt. Prof. T. hielt das für unsinnig, ließ sich das sogar in einem Gutachten bestätigen – und löste damit lautstarke Streitereien mit Ministeriums-Vertretern aus.

Nach der Razzia im Dezember und den anschließenden Ermittlungen stellte das Ministerium wegen „Zuwendungs- und steuerrechtlich problematischer Sachverhalte“ die finanzielle Förderung der DFA ein. Das heißt: Der Staat treibt ein staatliches Institut wissentlich in die Pleite. „Mit Beschluss des Amtsgerichts Landshut vom 18. August 2016 wurde die vorläufige Insolvenz für die DFA angeordnet“, wie das Wirtschaftsministerium bestätigte.

Seither bangen die 70 Angestellten um ihre Zukunft. „Anderswo gab es doch auch schon Unregelmäßigkeiten, ohne dass gleich der ganze Laden dichtgemacht wird“, so ein Betroffener. „Was können denn wir für das Fehlverhalten eines Einzelnen? Wir sind mit den Nerven völlig am Ende.“ Seit das Insolvenzverfahren läuft, erhalten die Arbeitnehmer Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gezahlt. „In dieser dreimonatigen Phase ist somit die Arbeitsfähigkeit der DFA gesichert“, so das Wirtschaftsministerium.

Ein Ministeriumssprecher versicherte gegenüber der tz: „Unser Ziel ist, das Unternehmen fortzuführen, da dort exzellente wissenschaftliche Arbeit geleistet wird, wie eine internationale Gutachterkommission erst im vergangenen Jahr bestätigt.“ Kompliziert wird die Rettung auch deshalb, weil es sich bei der DFA um eine Einrichtung der Leibnitz-Gesellschaft handelt – das heißt, der Bund und die übrigen 15 Bundesländer sind an der Förderung beteiligt. Das für die Oberaufsicht verantwortliche Bayerische Wirtschaftsministerium zeigte sich zuversichtlich, dass noch im September eine Entscheidung über die künftige Finanzierung des Instituts fällt und das Bangen für die Mitarbeiter in Freising um ihre Zukunft ein Ende nimmt.

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