Lernen wird für Susanne zu teuer

Freising - Susanne K. ist elf Jahre alt und geht in die dritte Klasse. Sie hat eine Lernschwäche - doch eine Lerntherapie kann sich die Familie nicht mehr leisten.

„Ihre Leistungen sind katastrophal. Sie musste bereits zwei Klassen wiederholen“, berichtet ihre Mutter Monika K. mit sorgenvollem Gesicht. Sie hat sich um Hilfe bemüht und bekommen – bei der Lebenshilfe. Doch jetzt hakt’s: Es fehlt am Geld.

Susanne besucht jetzt schon seit einiger Zeit die Lerntherapie im „LernimPuls“, der Anlaufstelle für Kinder mit Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten. In der Lernförderung gibt sich Susanne größte Mühe und lässt sich von der Lerntherapeutin gut motivieren. „Endlich nimmt sich jemand Zeit und erklärt mir die Dinge, so dass ich sie verstehen kann!“, erzählt Susanne freudestrahlend.

Die Therapie zeigt bei Susanne langsam Fortschritte, aber Monika K. wird sich keinen weiteren Therapieblock für ihre Tochter mehr leisten können. Sie arbeitet als Hilfskraft in einer Bäckerei und muss sich und ihre drei Kinder alleine durchbringen. Der Vater wohnt nicht mehr bei der Familie und bezahlt nur sehr wenig Unterhalt. Frau K. spart jeden Monat, um ihrer Tochter die wichtige Förderung zu ermöglichen, da sie selbst Susanne bei ihren Schulproblemen nicht helfen kann.

Denn „leider“ hat Susanne „nur“ eine Lernschwäche. Bei einer diagnostizierten Störung wie Dyskalkulie oder Legasthenie (Rechen- oder Lese-Rechtschreibstörung) besteht die Möglichkeit, dass das Landratsamt die Kosten für die Lerntherapie übernimmt. Bei Kindern mit einer Lernschwäche gibt es diese Option nicht. Im Fall von Susanne K. besteht dennoch dringender Förderbedarf, um eine sich entwickelnde Störung abzuwenden.

Die selbstbezahlte Lerntherapie kostet Familien 350 Euro pro Therapieblock. „Das ist für viele Eltern kaum bezahlbar“, schildert Diplom-Sozialpädagogin Alexandra Eichinger, die Leiterin von „LernimPuls“. „Außerdem ist Susanne kein Einzelfall. Ich könnte noch mehrere Kinder nennen, die die dringend benötigte Therapie nicht mehr schultern können.“ Dabei würden sich durch die frühe Förderung viele Störungen gar nicht entwickeln. „Prävention ist immer billiger als Nachsorge“, gibt Eichinger zu bedenken. Susanne K. jedenfalls wäre mit einem Freiplatz sehr geholfen.

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