Teil einer „wunderbaren Aktion“ war Oliver Strässle (8. v. l.) am Samstag. Der Zollinger war einer der Versammlungsleiter, die auf der Strecke für die Sicherheit der Teilnehmer sorgten. Dass es nun heißt, die Lichterkette sei gescheitert, kann er nicht nachvollziehen.

Lichterkette München-Berlin: Streckenabschnitt „B 13“ 

Lichterkette: Von wegen gescheitert

Fahrenzhausen - Lauter glückliche Menschen: So hat Oliver Strässle die Bilder, die er auf Facebook hochgeladen hat, überschrieben. Er sagt: „Wer bei der Lichterkette München-Berlin von gescheitert spricht, hat nichts verstanden.“ Strässle war für die Sicherheit der Aktion mitverantwortlich.

Die Eindrücke sind noch ganz frisch, als Oliver Strässle sich am Sonntag an den Rechner setzt und die Bilder der Lichterkette von München nach Berlin hochlädt. Bilder vom Streckenabschnitt „B 13“, für den er mitverantwortlich ist. Es sind ausschließlich positive Impulse, die der Zollinger mit nach Hause nimmt. Umso mehr erstaunt es ihn, als er gestern auf großen Online-Portalen lesen muss: „Lichterkette gescheitert“.

Freilich, es hätten mehr Menschen sein können, sagt er. Aber auch wenn es am Ende vielleicht nicht wie geplant 200 000 Teilnehmer sind, die sich am Samstag um 19 Uhr mit einer Kerze in der Hand an die Straße stellen, um ein Zeichen für Frieden und Toleranz, gegen Krieg und Terror zu setzen. „Alle, die mitgemacht haben, waren sehr bewegt“, sagt Strässle. Und aufgrund der fantastischen Stimmung und der „spürbaren Ergriffenheit der Menschen“, ist das Ganze in seinen Augen ein Erfolg auf ganzer Linie. Er ist als Versammlungsleiter für den Landkreis Pfaffenhofen und den Dachauer Streckenabschnitt zuständig. Als Zollinger. Wie kommt das? „Ich hab vor Wochen davon im Radio gehört und gedacht, da bist du dabei.“ Gedacht – und sofort wieder vergessen. Dann schlägt bei ihm auf Facebook die Meldung auf, dass sich ein guter Freund an der Aktion beteiligt. Strässle erinnert sich wieder an seinen Vorsatz, drückt auf der entsprechenden Facebook-Gruppe auf „Gefällt mir“ und ist plötzlich mittendrin im Geschehen.

Ein paar Tage verfolgt er die Diskussion, dass für den Landkreis Pfaffenhofen dringend ein so genannter Versammlungsleiter als zuständiger Ansprechpartner für die Genehmigungsbehörde gesucht wird. „Als es dann hieß, wenn sich jetzt keiner meldet, muss der Streckenabschnitt gestrichen werden, hab ich mich gemeldet“, erzählt Strässle. Er fährt ins Landratsamt nach Pfaffenhofen und wird dort im Beisein der Polizei ausführlich unterrichtet, worauf er zu achten habe. Am Samstagabend ist er nun einer, der für einen reibungslosen Verlauf der Aktion verantwortlich zeichnet. „Ein schönes Gefühl.“ Er selbst nimmt sich nur einen Moment Zeit, um ein Teil dieser Lichterkette für den Frieden zu sein. Dann setzt er sich ins Auto, um den Streckenabschnitt von Unterschleißheim bis an die Landkreisgrenze zu Ingolstadt abzufahren. 54 Kilometer, also acht Prozent der Gesamtstrecke, sind das. „Vorsichtig geschätzt waren alleine da mindestens 1500 Menschen.“ Was Strässle besonders berührt: Dort, wo man nicht genügend Menschen auftreiben kann, um die Kette aufrecht zu erhalten, stehen einfach nur Kerzen am Boden, um das Ganze zumindest symbolisch weiterzuführen.

650 Kilometer können freilich nicht komplett mit einem Lichterzeichen gegen Krieg und Terror gefüllt werden. Aber der Zusammenhalt quer durch die gesamte Republik ist zu spüren. Gescheitert? Mitnichten! „Eine wunderbare Aktion!"

Andrea Schillinger

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