Weil er kein Blut sehen kann, fällt Ernst August gerne einmal in Ohnmacht – auch in dieser Szene. Foto: Wilms

Maibaumfreunde lassen die Sau raus

Giggenhausen - Saukomisch die Handlung und saugut die Darsteller - und eine Sau namens Waltraud spielt eine Hauptrolle in der Inszenierung der Maibaum- und Theaterfreunde Giggenhausen. Am Wochenende feierte die Laienspielgruppe unter Regie von Walter Thumann mit der Komödie „Glenn Miller & Sauschwanzl“ eine furiose und bis auf den letzten Platz ausverkaufte Premiere.

Da passte wirklich alles zusammen. Sogar der Name Metzgerwirt stellt eine zufällige Verbindung zum Bühnengeschehen dar. In dem turbulenten Dreiakter von Christian Lex geht es nämlich um eine bayerische Metzgersfamilie im von Hunger und Einschränkungen geprägten Nachkriegsjahr 1946. Im Mittelpunkt: die resolute Metzgersfrau Johanna Aicher (Isabella Lachner), deren geliebter Mann Vitus (Hans Halbinger) in Russland vermisst wird. Zusammen mit ihren Kindern Hilde (Verena Schuhbauer) und Maxi (Markus Oberprieler), Schwiegervater Franz (Josef Geil) und Dauergast-Cousin Ernst-August (Martin Hierhager) versucht sie sich im wahrsten Sinne des Wortes „durchzuwurschteln“ - und zwar durch nächtliche Schwarzschlachtungen. Unterstützt wird sie vom befreundeten Veterinärkontrolleur Jackl Bachmeier (Harald Hechner), der nicht nur fleischernem „Bestechungsgeld“ sehr zugeneigt ist, sondern auch der feschen Metzgersfrau.

Besondere Qualitätsmerkmale des Stückes sind knackige Dialoge und viel Situationskomik. Als roter Faden ziehen sich die Ohnmachtsattacken des arbeitslosen Studienrats Ernst August durch alle Akte. Der schwächliche Cousin („Das ist kein Mann, das ist Ernst August“), kann nämlich kein Blut sehen.

Kompliziert wird das mit Temperament und Tempo vorgetragene Bühnengeschehen durch die aufgezwungene Einquartierung von Flüchtlingsfrau Edda Hegerflint (Stephanie Ziegltrum), die ihre Aufnahme in die Familie Aicher durch ihr Wissen um die Schwarzschlachtungen erpresst hat. Sie verspricht der Obrigkeit gegenüber so verschwiegen zu sein „wie ein Radio ohne Röhren“. Und weitere Dramatik kommt ins Spiel. Die amerikanische Besatzungsmacht entpuppt sich in Person des feschen GI Thanner Fred (Thomas Ziegltrum) als ausgewanderter Nachbarsbub. Zusammen mit seinem Vorgesetzten Arch Duke (Hubert Moosrainer) und dem farbigem GI-Kollegen (Michael Geil) rückt er zur Betriebs-Kontrolle an und verliebt sich in Hilde. Diese erwidert die Zuneigung und lebt beim Swing (so erklärt sich der Glenn Miller im Titel) so richtig auf. Auch das Sauschwanzl hat an dieser exponierten Stelle des Stückes durchaus seine Berechtigung: Mehr soll nicht verraten werden. Nur noch so viel: Es gibt ein Happy End mit Tränen.

Seit Januar wurde geprobt. Das Ergebnis ist rasant und amüsant zugleich - und besticht durch eine kluge Prise Tiefgang und echte Gefühle. Nachdem alle fünf regulären Vorstellungen (plus Generalprobe) restlos ausgebucht sind, wird am 21. März eine Zusatzvorstellung angeboten.

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