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FKK untersagt: Die Hinweisschilder, die der Kreisfischereiverein am Marzlinger Weiher aufgestellt hat, erhitzen die Gemüter.

Erhitzte Gemüter

Freisinger Kreisfischer empören sich über „Sodom und Gomorra“ am Weiher

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Nacktbaden untersagt: Die Kreisfischer Freising haben am Marzlinger Weiher Verbotsschildern aufgestellt. Für die größte Empörung sorgt ein Zusatzhinweis.

Marzling – Still ruht der Marzlinger Weiher im Winterschlaf. Trotzdem erhitzt der beliebte Badesee bereits mehrere Monate vor Sommerbeginn die Gemüter. Grund dafür sind Verbotsschilder, die der Besitzer der Anlage, der Kreisfischereiverein, kürzlich aufgestellt hat. Schwarz auf weiß steht da, was Mitglieder und andere Besucher alles zu unterlassen haben. Unter anderem sind ungenehmigtes Zelten, das Abbrennen von Feuer und Müll-Entsorgung am Weiher untersagt.

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All das kann Richard Birk akzeptieren. Was ihn jedoch empört, ist ein Verbot, dass der Fischereiverein auf dem Schild dick unterstrichen hat: Nacktbaden. „Ich bin über 70 Jahre alt und bade dort seit Jahren nackt“, berichtet er. „Ich ziehe mich aus, springe ins Wasser und verlasse den See nach einer gewissen Zeit. Dann ziehe ich mich wieder an und verschwinde.“ Er versteht nicht, warum die Fischer die Nacktbader vom Marzlinger Weiher vertreiben wollen, wo es dort doch genügend Büsche und versteckte Plätze am Ufer gebe – Stellen, hinter denen sich jeder hüllenlos sonnen kann.

Kreisfischer-Chef spricht von „Sodom und Gomorra“

Fischer Günter Wolter: “Die scheißen sich nichts.“

Doch so diskret würden sich viele textilfreie Gäste nicht verhalten, entgegnet Günter Wolter, Vorsitzender der Kreisfischer. „Die scheißen sich nichts.“ Schon mehrmals habe er es beim Jugendfischen erlebt, dass sich Nacktbader unter die 10- bis 14-jährigen Teilnehmer mischen würden. Er habe deshalb schon die Polizei gerufen. „Doch die haben bisher nichts machen können.“ Mit den Schildern habe der Verein nun eine rechtliche Grundlage schaffen wollen, um handeln zu können.

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„Das Ganze hat aber noch einen anderen Hintergrund“, sagt Wolter und spielt darauf an, dass der Marzlinger Weiher ein beliebter Treffpunkt in der homosexuellen Szene ist. „Da herrschen Sodom und Gomorra“, sagt der Fischer-Chef und berichtet davon, dass dort „Kondome en masse“ die Ufer verschandeln würden.

Die Verfassung garantiert das (Nackt-)Baden an Seen

Für diesen Ärger zeigt Birk zwar Verständnis. Dann müsse man aber derartige Aktivitäten verbieten und nicht das Nacktbaden an sich. Seine Forderung: „Das Schild muss korrigiert werden.“ Der Freisinger beruft sich dabei sogar auf die Bayerische Verfassung. In der steht geschrieben, dass der freie Zugang zu Naturschönheiten und Gewässern jedem gestattet ist – auch wenn sich das Grundstück in Privatbesitz befindet.

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Das bestätigt das Landratsamt. „Nach Artikel 18 des Bayerischen Wassergesetzes darf grundsätzlich jeder oberirdische Gewässer zum Baden nutzen. Dafür ist eine behördliche Genehmigung oder die Zustimmung des Eigentümers des Gewässers nicht nötig“, betont Behördensprecher Robert Stangl. Darüber hinaus sei seit dem Auslaufen der Badeverordnung das Nacktbaden grundsätzlich erlaubt, wenn es keine entsprechende Verordnungsbestimmung der zuständigen Gemeinde gebe. Von der Regelung ausgenommen sind laut Stangl lediglich Gewässer in Hofräumen, Gärten, Park- und Betriebsanlagen und Anlagen, die ausschließlich der Fischzucht dienen. Das aber trifft auf den Marzlinger Weiher nicht zu.

„Muss ich mir den Hintern ablichten lassen?“

Birk ist noch ein weiterer Hinweis ein Dorn im Auge, den die Kreisfischer unter dem Verbotsschild angebracht haben: dass auf dem Grundstück mehrere Wildkameras versteckt seien. „Muss ich mir nun von einer Videokamera den Hintern ablichten lassen?“, fragt der Freisinger. „Selbst Menschen, die nicht nackt baden, möchten sich ungern filmen lassen, wenn sie in der Sonne liegen oder sich umziehen.“ Darauf angesprochen, beruhigt Wolter: „Da geht es nur um eine abschreckende Wirkung für diejenigen, die sich nicht benehmen können – sonst steckt da nichts dahinter.“ Mit anderen Worten: Die Kameras existieren nur als Logo auf den Hinweisschildern.

Bürgermeister Dieter Werner versteht beide Seiten.

Marzlings Bürgermeister Dieter Werner wünscht sich einen Konsens unter allen Beteiligten. „Ich verstehe beide Seiten“, sagte er dem FT. „Die Kreisfischer wollen ihr Eigentum schützen, die anderen wollen ungestört baden.“ Aus seiner Berufserfahrung heraus weiß er, dass für die Videoüberwachung von Parkplätzen oder Schulen hohe Hürden zu überwinden seien. Daher glaubt er, dass wirklich keine Kameras aufgestellt sind. Aber auch die Drohgebärde von Überwachung sei „unschön und ein heikles Thema“. Der Bürgermeister hofft auf Einsicht von beiden Seiten, ist aber auch Realist. „Das ist ein größeres Spannungsfeld. Da wird es wohl immer knirschen.“

Gut zu wissen:

Nicht nur das Nacktbaden ist an Freisinger Badeweihern ein Reizthema, berichtet Merkur.de.

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