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Ein Landwirts-Ehepaar aus Marzling wurde vor fast 14 Jahren brutal überfallen und ausgeraubt.

Landwirte überfallen

DNA-Abgleich überführt brutalen Räuber nach 14 Jahren - doch für die Opfer kommt das zu spät

Ein Landwirts-Ehepaar aus Marzling wurde vor fast 14 Jahren brutal überfallen und ausgeraubt. Der mutmaßliche Täter wurde nun überführt.

Marzling/Landshut Ein Landwirts-Ehepaar und ihr Mitbewohner, die vor fast 14 Jahren in Marzling Opfer eines brutalen Raubes wurden, sind inzwischen verstorben. Einer der Täter, ein zuletzt in Belgien lebender Serbe (41), sitzt nun wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank vor der 3. Strafkammer des Landgerichts. Ihm droht eine lange Haftstrafe.

Eheleute an Händen und Füßen gefesselt

Laut der von Staatsanwalt Bernhard Fröhler vertretenen Anklage war am 24. Mai ein Roma-Quartett auf dem abgelegenen Anwesen der betagten Eheleute, auf dem auch ein jüngerer Mann lebte, aufgetaucht, um angeblich ein Kamerunschaf zu kaufen. Nachdem man sich geeinigt hatte und das Schaf geschlachtet worden war, ging es brutal zur Sache: Die Landwirtseheleute wurden an Händen und Füßen mit Hanfseilen und Paketbändern gefesselt, der Mitbewohner mit einer Pistole bedroht.

Danach wurden die drei Opfer in einen Nebenraum einer Garage gebracht, wo einer der Männer handgreiflich wurde und vom Mitbewohner wissen wollte: „Wo ist das Geld?“ Als der nicht antwortete, fing er sich einen Schlag mit der Pistole gegen die Stirn ein. Danach durchsuchten drei der Männer das Wohnhaus, während einer zurückblieb und mit einer Knochensäge in der Hand die Opfer weiter einschüchterte.

Nachdem die Durchsuchungsaktion nichts Zählbares brachte, traktierte das Quartett die am Boden liegenden Eheleute und ihren Mitbewohner mit Faustschlägen, durchsuchten sie und entwendeten aus deren Geldbörsen insgesamt mindestens 2500 Euro, ehe sie dann flüchteten.

DNA-Abgleich gibt Aufschluss

Die Ermittlungen verliefen zunächst im Sande, bis der Serbe wegen einer anderen Sache festgenommen wurde. Ein DNA-Abgleich erwies sich dann als „Volltreffer“: Bei dem Raub in Marzling hatte der 41-jährige Angeklagte Einweghandschuhe getragen. Später wurde in den Knoten eines Hanfseiles, mit dem der Mitbewohner gefesselt worden war, ein abgerissenes Teil mit den DNA-Spuren gefunden.

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Nach seiner Auslieferung schwieg er sich im Rahmen seiner Vernehmungen über seine damaligen Mittäter aus. Ganz anders beim Prozessauftakt vor der 3. Strafkammer, wo auf Initiative von Verteidiger Peter Nickel zunächst Verständigungsgespräche stattfanden. Dabei einigten sich die Prozessbeteiligten für den Fall eines Geständnisses auf einen Strafrahmen von fünf bis sieben Jahren. Anwalt Nickel bestätigte in einer Erklärung für seinen Mandanten die Anklage – und nannte Namen.

Der Angeklagte sei damals mit zwei Bekannten aus Belgien, Vater und Sohn, deren Namen er auch nannte, in der Nähe von Landshut auf einer Roma-Familienfeier zu Gast gewesen. Man habe eifrig Bier und Whisky zugesprochen und da habe dann der Sohn von einem vermögenden Landwirtsehepaar berichtet. Schließlich sei man auf die Idee gekommen, hinzufahren und die Eheleute auszurauben.

Mit von der Partie gewesen sei neben dem Sohn auch ein gewisser „Ljato“, der letztlich der Wortführer gewesen sei und noch ein ihm namentlich unbekannter vierter Mann, so der 41-Jährige.

Räuber übersehen Geld und Goldbarren

Seine Rolle versuchte der Angeklagte herabzuspielen: Er habe sich lediglich an der Durchsuchung des Hauses beteiligt und dabei zwei Schachteln Zigaretten mitgenommen. Mit den Attacken auf die Opfer habe er nichts zu tun gehabt. Wie das abgerissene Teil des Einweghandschuhs in den Fesselknoten geraten sei, könne er sich nicht erklären.

Der damalige Sachbearbeiter der Erdinger Kripo, inzwischen seit elf Jahren in Pension, berichtete, dass die Ermittlungen sehr schwierig gewesen seien. Die Landwirts-Eheleute seien „fertig“ gewesen, eher verwirrt und teilnahmslos. Besonders bizarr: Wie sich später herausgestellt habe, hatte das Räuber-Quartett einen Tresor auf dem Anwesen, in dem sage und schreibe eine fünfstellige Summe im oberen Bereich deponiert war, übersehen. Unbeachtet ließen sie Räuber auch einen Stoffbeutel. der Inhalt: Goldbarren.

Der Prozess wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt, wobei es auch bereits das Urteil geben soll. 

von Walter Schöttl

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